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Full text of "Beiträge zur Kunde des Schwabenspiegels"

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i 



^6 . ^ 




m-^^mar^ 



• • 



BEITRAGE 



ZUR KUNDE DBS 



SCHWABENSPIEGEL8 



VON 



Dr. PAUL LAB AMD, 



PBIVATDOCBNTBN DSR RBCHTE AN DBB HOCHSCHUIiB IN HEIDBUIBRG. 



BERLIN 

FERD. DCMMLERS VEBLA08BUCHHANDLUN6 

1861. 



Inhalt. 



I. Der Urspnmg des Schwabenspiegels Seite 1 

n. Die Genealogie der Schwabenspiegel-Handschriften .... 26 

m. Die Ubersche Schwabenspiegel-Handschrift 37 

1. Aeufsere Beschreibung. 

A. Inhalt der Handschrift 37 

B. Pergament and Schrift 39 

C. Sprache and Orthographie 40 

D. Nachtragliche Aenderongen 41 

2. Der Text der Uberschen Handscbrift 42 

A. Landrecht 43 

I. U. stimmt im aafseren Umfang mit L. Uberein. 43 

n. U. stimmt im Einzelnen mehr mit L., wie Z. mit L. 47 
m. U. stimmt mehr mit Dentschspiegel, wie Z. mit 

Deatschsp 49 

IV. Verhaltnifs von U. za L. mit Bilckaicht aaf den 

Deatschspiegel 57 

V. Verhaltnifs des Cod. U. za einigen anderen der 

altesten Handschriffeen 62 

B. Lehnrecht . 70 

C. Eintheilong and Babriken 74 

I. Bacheintheilang 74 

n. Capiteleintheilang 74 

in. Babriken and Be^ster 77 



I Der Ursprung des Schwabenspiegels. 



U nter den Quellen des Schwabenspiegels ist keine merk- 
wflrdiger als die Predigten Berthold's von Regensburg. 
Dafs in einem Rechtsbuche frfthere Rechtsbftcher, Gesetze, 
Statuten und historische Notizen benutzt nnd verarbeitet wer- 
den, ist so einleuchtend und selbstverstHndlich, dafs man dies 
selbst bei solchen Rechtsbflchem vermuthet, deren Quellen 
man nicht weiter verfolgen kanny z. B. beim Sachsensp. ; dafs 
aber Schriften eines Predigers nicht etwa nur an einer Stelle 
citirt, sondem, wie wir bald zeigen werden, fortlaufend selbst 
in kleinen Wendungen und Ausdrflcken benutzt sind, das mufs 
in einem Rechtsbuche gewifs im h5chsten Grade auffallen. 

Es ist mm zwar von v. Daniels de saxon, spec, origine 
p. 17., und besonders Spiegel der deutschen Leute S. 90. 
146. ff. auf manche Stellen des Schwbsp. aufmerksam gemacht 
worden, welche Berthold's Predigten entlehnt sind, theils sind 
aber die von ihm nach der Goebelschen Uebersetzung der 
Predigten Berthold's citirten Stellen ihrer in der mittelalter- 
lichen Sprache liegenden Eigenthflmlichkeiten entkleidet, theils 
sind viele und grade sehr charakteristische Stellen von ihm 
tlbergangen worden. Bei der Zusammenstellung der in den 
Schwbsp. tlbergegangenen Stellen Berthold's bediene ich mich 
hauptsachlich der Ausgabe der Predigten desselben von Chr. 
Fr. Kling, Berlin 1824, welcher aber leider nur wenige 
Predigten voUstandig mittheilt und von andern nur einen Aus-« 
zug giebt. Aber die Ausbeute, welche dieses beschrS^nkte 

X 



Material gewfthrt, ist grofs genug, um danach ermessen zu 
konnen, wie viel Parallelen sich bei der voUstandigen Kennt^ 
nifs der Bertholdschen Predigten feststellen liefsen '). Am 
meisten war man bisher schon darauf aufmerksam, dafs fast 
die ganze Vorrede Berthold's Schriften entlehnt ist. 



Schwbsp. Vorrede a. die Berthold (Kling, S. 116). 
vogelindenluften. dievische . .vber die vogel in den hf- 
in dem wage, die tier in dem ten tmd t>ber die tier in dem 
walde. die umrme in der walde tmd t>ber die fische in 
erde. dem wage und vber die wurme 

in der erden. 
Vorrede a. die ander werde- Kling. S. 282. (Gobel II. 
cheit - - das ist diu^ das du S. 96.) alle die toirde vnd 
alle dise werlte. die sun- alle die ge»ierde^ die die 
nen end den manen. die toerlt hat van der lichten 
stem vnd diu vier elemente • . . sunnen, van den lichten ster- 
golt vnd edel gesteine. der nen, von edelregesteine craft, 
edelen tourse svzen smac. vnd von ir maniger slahte 
der blvmen lichte varwe. varwe, von der edeln umrtse 
der bourne fruht, chom vnd craft vnd von der richen ge- 
win vnd alle creature, das sirde u, s. w. 
hast du herre alles dem Eine sehr ahnliche Stelle 

menschen se dienste vnd se findetsicb: Kling, S.241. 
nusse geschaffen. Gobel I., 240. 

Vorrede 6 » • • siehe v. Daniels, Spiegel 

der deutschen Leute, S. 
146 ff. 
Vorrede c Gobel I., 311. Vgl. v. Da- 
niels, de spec. saxim.p^ 17^ 
note 1. 

Vorrede e . Kling, S. 13. Vgl. Picker, 

Deutschspieg^l S. 159. 



') Auch in dem der Gobelschen Atugabe zu Grande liegenden Heidelberg. 
Cod. ist immer nnr ein Theil, eine ausgewMhlte Sammlung, der Predigten Berthold's 
erhalten, und der Urtext derselben von Gobel durch eine freie und dabei oft 
fehlerhafte Uebersetznng an manchen Stellen entsteUt worden. G5bel konnte daher 
trotz seiner grofseren VollstHndigkeit nnr nebenher berUcksichtigt werden. 



Andere Stellen sind folgende: 
Cap. 160*. (Lafsb.) . . . md 
tut de» der toeltlich rihier 
nmty da^ sol der geistlich 
tihter vber in rihten mit dem 
banne. cf. cap, 262. i. f. der 
geistlich mag den tceltlichen 
drutnme bannen, ob er ez 
niht rihtet. 

Cap. 201'^. Swer einen lister- 
nengrebeU odersm grvben. 
der sol si tenoerfen oder 
aber eerwirken, das nieman 
davon schade geschehe. vnd 
vallet f>ihe oder ein roA drin 
end ist si neit sse rehte ge- 
macht, er sol den schaden 
gelten alse reht ist end sol 
er im den awesel han» 



Cap. 260. Sleht ouch ein cristen 
man einen iuden. wen rihtet 
eber in. alse ob er einen 
cristen man hette gestagen, 
daz ist darumbe gesetset^ 
das si der kienig in sinen 
eride genomen hat. 

Cap. 313 ^ es sprichet got se 
Jeremias: ich han dich ge- 
setset eber alle diet end 
uber alle riche ze rihter. 

Besonders aufiallend ist aber 
die Aehnlichkeit zwischen 
folgenden Stellen: 



Kling, S.35. (GsbelL, 156). 
Wanne swenne die toerltlich 
fursten end ander werltlich 
rihter niht rehte rihten u>ol- 
len noch rehte gerihte wol- 
ten haben, so bettoiingen sie 
u>ol die geistliehen fursten 
mit rehte, daz si reht ge- 
rihte miisten haben, 

Kling, S. 94. (GSbelL, 308; 
ahnlich I., 148, 275.) - in 
der alten ee stat geschrieben. 
hat ein man einen brimnen 

' gegraben an der strazen end 
eellet sines nachgebure eihe 
dartn, er muz ims gelten. ob 
er den brunnen nit eermacht 
oder bedecket. so muz er 
im daz eihe gelten als iiuwer 
als ers kaufie end der aweh- 
sel blibet ieme, der den bren- 
nen nit bedackle end der daz 
eihe da gelten muoz, 

Kling, S. 11. (Gobein., S. 
65.) - end u>er einen iiiden 
zu tode sleht, der muz in 
gote bufsen end dem rihter 
alse einen kristen; wanne 
sie habent eht die keiser in 
den friede genommen, 

Kling, S.35. (GobelL, 157.) 
daeon sprichet er zu ihere- 
mia: ich han dich zu rich- 
ter gesetzt eber alle min diet. 



!♦ 



Cap. 170"*). Salomon sprichet: 
Steele man vil eide swert. 
der ioirt erfullet mil vil siin- 
den. end kumet der slag von 
sinem huse niut. 

Die eide die reht sint ze swe- 
renne vnde reht sint, die er- 
loubet man &e stoem. 

Damit velschen toir di ketzere, 
die iehent teen sule eide nvit 
stoeren. die liegent. toen sol 
eide stcem. die reht sint. 

Wir lesen daz die guoten liute in 
der alien i gestooren hant, 
tvir lesen ouch, daz die hei- 
ligen liute in der (niven) 6 
gestoom hant. 

WirvindeninApocalipsis, daz 
sante Johannes ewangelista 
einen engel sach sweren etc. 

Wir vinden in dem heiligen 
ewangelio. daz got selbe hat 
gestooren. 

Cap, 346* ^). daz himelriche 
glichet einem acker, da 
schatz inne verborgen lit. 
als den ein mensch vindet. 
daz verkoufft alles sin gut 
vn koufet den acker, daz 
im der scha:^ werde. 



Kling, S.60. (Gobell, 286.). 
Wan ez sprichet her Salo- 
mon : swer vil eyde geswert. 
der toirt erfullet mit sunden 
vnd kiimpt der slag von si- 
nem hvse nit. 

Man swert der u>arheit an' 
sunde tool, di niitze vnd reht 
ist vnd dez man nit geraten 
mag. 

Da velschen wir die ketzer mit. 
die iehent man solle der toar- 
heit nit stcem. Sie liegent. 

Man lieset in der heiligen 
schrift, daz die giiten lute 
in der alien ee gestoom hant 
vnd die heiligen in der nu- 
toen ee. 

Ez sach sant Johannes in apo- 
calipsi, daz ein engel stoiir. 

Man lieset in dem heiligen etoan- 
gelio, daz got selbe stoiir 
vnd gestooren hat. 

Kling, S. 1. u. S. 30. (Go- 
bel L, S. 123.; H., S- 59.). 
Daz himelriche glichet einem 
acker, da schatz inne ver- 
borgen lit. Als den ein 
mensche findet, daz verkeuffet 
alles daz ez hat (S. 30: alles 
sin gut) vnd keuft den acker ^ 
daz im der schatz toerde. 



') Die S&tze des Schwubensp. sind der leichtercn Uebersicht wegen nmge- 
St ell t worden, wllhrend die Sfttze Berthold's, soivie sie hier abgednickt wer- 
den, anfeinander folgen. 

^) Ich citire die Stelle nach der Uberschen Handschrlft , da im LaTsb, 
Cod. sich kleine storende UnriobUgkeiten fioden. 



Insbesondere aber ist das lange Capitel, Lafsb. 377. 11, am 
Anfang fast Satz fllr Satz aus der Predigt von den 7 Sacra- 
menten (Gob el I, S. 310 ff.) und dasselbe Capitel von dem 
Satz an: y^Wir loollen hie f)on nichie denn von der heylige Ee 
eyn toenig sagen^, aus der Predigt von der Ehe (Gob el II, 
S. 1 ff., auszugsweise bei Kling, S. 448 ff.) an vielen und 
langen Stellen fast wortlich entlehnt. Das Bild von dem Dra- 
chen, von den 2 Fittigen und 5 Fedem, die Lehre von den 
Eheverboten, von der geistigen Verwandtschaft der Pathen etc. 
ist hier und dort gleichmalsig ausgefbhrt '). 

AuJfeer diesen zahlreichen, zum Theil wortlich ftberein- 
stimmenden Stellen lassen sich nun noch eine Anzahl von Pa^ 
rallelen aufsteUen, in denen entweder bei Berthold derselbe Ge- 
danke wie im Schwabensp. sich findet, oder in denen eine merk- 
wftrdige Aehnlichkeit des Ausdrucks aufFnUt; z. B. der bei Ber- 
thold ofters wiederkehrende Satz : die heilige ee ist der sieben 
heiligheii eine der kochstenj die got uf ertrich hat (Gob el I, 
S. 222. 300. 328. Kling S. 81 u. a.) findet sich im Schwa- 
bensp. fast wortlich ebenso cap. 3 u. cap. 377. 11. 

Der Ausdruck: alk die gut fur ere nement, Lafs. cap. 310, 
findet sich dfters bei Berthold, z. B. Kling p. 55. Auch die 
Zusammenstellung so ist er meineide end triefoelom fin- 
det sich Schwabensp. c. 362. Berthold. Gob el I, S. 222. 
Kling S. 81. 

Lafsb. c. 250 eon eridelichen tagen erinnert an die Pre- 
digt von den 7 Planeten, in der die Bedeutung der 7 Tage 
derWoche auseinandergesetzt wird; c. 254, welches derPflicht 
der GenSthigten zu rufen erwShnt, an G 6b el 11, S. 46, wo- 
selbst von dieser Pflicht ausfOhrlich gehandelt wird. 

Diese Beispiele der Benutzung von Bertholds Predigten 
im Schwabensp. lassen sich leicht vermehren; aber ich glaubte 
einerseits auf kleine Redewendungen, Ausdrficke und Verbin- 
dungen, wenngleich gerade sie es sind, welche den Styl in 
Bertholds Predigten und im Schwabensp. als so gleichartig 
erscheinen lassen, keinen zu grofsen Werth legen zu dtkrfen, 
und andererseits muiste ich mich vorzftglich auf solche SteUen 



I) Vergl. aber dieses Capitel unten S. 81 fg. 45 fg. 



des Schwabenspiegels beschrftnken, in denen der Deutschsp. 
entweder liberhaupt nicfat die Quelle ist, oder bei denen er 
so weit abweicht, [wie Schwabensp. 260 von Deutschsp. 208], 
dafs er nur die Yeranlassung, nicht die unmittelbare Grund- 
lage &LT die Stelle des Schwabensp. abgiebt, wo also die 
Annahme unstatthaft ist, dafs Berthold und der 
Schwabensp. nur darum so iibereinstimmend seien, 
weil sie beide aus dem Deutschsp. geschopft haben. 
Hiermit lafst sich nun noch verbinden, dafs Abweichun- 
gen des Schwabensp. vom Deutschsp. in Stellen, die urspr&ng- 
lich dem letzteren entlehnt sind, so recht auf Berthold hin- 
weisen *). 

So Deutschsp. 199. Man sol Schwabensp. 256. Man sol 
eber dhain toeip Hchten dev t>ber dehein tdp rihien die le- 
lebentigs chint trait hoher bende hint treit hoher danne 

danne ze haet tmd ze har. ze hut tmd ze hare 

Berthold (Gdbel I, 35). Sie Swie groz dtt) sehulde ist wen 
reizen auf gar manche Weise, sol sie also gefuge slahen, daz 
dafs sie esdazu bringen, dafs si dez kindes da eon iht ^e- 
ihr schuldig werdet an euern nese. wan da wurde ein 
EjndernundingrofseSitnde schoeniv sele eerlorn 
fallet, so dafs — des Kin- and ein lip. 
des Seele immer des 
Himmelreichs beraubt 
sei. Darum soUt ihr euch 
hilten vor Tanz etc. dais ihr 
nicht schuldig werdet an 
ihrer Seele und an ih- 
rem Leibe. 

Gewichtiger noch erscheint folgende Abweichung: 
Nach Deutschsp. 6 sind ungezweiter Bruder Kinder die 
erste Sippezahl. Eltem , Eonder und Geschwister, also die 
Familie un engsten Sinne, gehdren noch nicht zur Sippe, bei 
ihnen wird gleichsam eine Personen- oder Bluts-Einheit 
angenommen. 

Der Schwabensp. cap. 3 erw&hnt diese, ihm aus dem 

*) Ueber das VerhUltnifs von Deutschsp. 1, Schwabensp. Vorrede e und Ber- 
^old (Idling S. 18) ydrgl. Ficker, Deutschsp. S. 169. 



Deutschsp. bekannte Berechnungsart, dem Yerfasser ist aber 
aus dem canoniscben Becht eine andere Rechnung bekannt: 
er schiebt die dem nationalen Bewufstsein und wol auch dem 
Sprachgebrauch entsprechende Berechnmigsart des Deutschsp. 
yfUngelerten livten^ zu und rechnet die erste Sippe von den 
Gesohwistem. Dasselbe geschiebt im cap. 377 11. 

Ganz in derselben Weise nun rechnet Berthold in der 
oben citirten Predigt von der Ehe, nach ihm haben Geschwi- 
ster den ersten Grad und steben an den Achseln, Geschwister- 
kinder den zweiten u. s. w. 

Die auch im Ausdruck genaue Uebereinstiminung zwischen 
Berthold und dem Schwabensp. und die gemeinsame gleich- 
m&fsige Abweichung von dem Deutschsp. mit Btkcksicht auf 
canoniscbe Grrundsatzc kann nicht zufallig sein. Sie ist auch 
Wasserschleben ^das Princip der Successionsordnung^, 
1860. S. 18 ff., nicht entgangen und hat ihn der Wahrheit 
sehr nahe geflihrt »). 

Die angefbhrten Beispiele legen den Gedanken unabweis-^ 
bar nahe, da& Berthold der Verfasser des Schwabensp. sei, 
da man sonst die grojGse Unwahrscheinlichkeit voraussetzen 
mdiBte, dafs der Autor des letzteren sich so sehr in die Ge« 
danken und die Redeweise Bertholds eingelebt babe, dais sie 
ihm tmwillkCkhrlich in die Feder kamen. W&ren SttLcke aus Ber* 
thold wortlich abgeschrieben und an entsprechenden Stellen 
eingertLckt, so wtlrde dies nicht so sehr zu dieser Annahme 
drfingen, als diese an so vielen Stellen hervorbrechende gei- 
stige Identit&t. £s wird sich nun fragen, in wiefem eine sei- 
che Annahme mit den iibrigen Umstanden, welche von Ber- 
tholds Leben und von der Abfassung des Schwabenspiegels 
bekannt sind, sich vertrS^. Gleichviel ob die Antwort, wel- 
che wir auf diese Frage geben zu mtissen glauben, die Wahr- 
heit treffen oder durch spMere Forschungen rectificirt werden 
sollte, die dargelegte unleugbare Verwandtschaft zwischen Ber- 
thold und dem Spiegler wird es vor der Wissenschaft recht- 
fertigen, die Frage tiberhaupt untersucht zu haben. Der Text 

') Er konnte dieselbe nor deshalb nicht treffen, weil er die herrschende 
Ansicht, welche die Abfassnng des Schwabensp. in die Zeit nach Bertholds Tode 
yersetzt, nicht prttfte. Hiervon werden wir bald ansfUhrlich zu reden haben. 



8 

des Schwabenspiegels giebt una die MSglichkeit an die Hand, 
aus ihm auf die Person seines Verfassers Schlilsse zu ziehen. 
Als feststehend oder wenigstens bis zur Gewifsheit wahr- 
scheinlich nehmen wir auf Grand der Untersuchungen Mer- 
kels *) und Fickers *) an, dafs der Schwabensp. in Augs- 
burg, und zwar in der zweiten Halite des 13 ten Jahrhunderts 
verfafst worden ist. Der Verfasser war ein mit ziemlich um- 
fassender Kenntnils des romischen und canonischen Kechts 
ausgestatteter Mann, wie nicht nur die Zahl der in den Schwa- 
benspiegel iibergegangenen Satze aus jenen Bechtssammlungen, 
sondem auch die Art beweist, in der der Spiegler seine Kennt- 
nisse anbringt, indem er weniger einzelne Stellen der Pan- 
dekten und Decretalen fibersetzt, als die aus einem Total- 
aberblick iiber das fremde Recht gewonnenen Rechtssatze ge- 
legentlich anflihrt. Derselbe muis daher Jura studirt haben, 
was damals nicht anders als in Italien geschehen sein kann; 
er kann aber andererseits kein rechtsgelehrter Italiener gewe- 
sen sein, deren schon damals manche nach Deutschland be- 
rufen wurden'), sondem er mufs, wie sich aus der Tendenz 
des Werkes, den vom Verfasser benutzten Quellen, seiner tie- 
fen und umfassenden KenntniTs deutscher Sitten, deutscher 
Bechtsgewohnheiten und deutscher Rechtsverhaltnisse ergiebt, 
ein Deutscher gewesen sein. Nun war es aber damals unter 
deutschen Richtem und Schoppen wol noch nicht gerade h&ufig, 
in Italien sich auszubilden, weU die Kraft des einheimischen 
Gewohnheitsrechts noch zu machtig war, w&hrend Geistliche 
sehr gew5hnlich zu ihrer hoheren Ausbildung, wozu ganz be^ 
senders die Kenntnifs des canonischen Rechts gehorte, nach 
Italien zu gehen pflegten. Ueberdies findet sich im Schwa^ 
benspiegel, im Gegensatz zum Sachsenspiegel, nicht nur eine 



') De repnbl. Alamfum. p. ^2 sqq., 96 sqq. 

') Ueber einen Spiegel deutscher Lente. Wie^ 1857. Entstehungszeit des 
Sachsensp. 1859. 

^) Die Lttbeoker liefsen z. B. um 1250 durch den magister Conradas Pic- 
tor in Italien einen „in jure civili et chanonicho^ gelehrten Mann anwerben; £z- 
zelino de Bomano , der Statthalter Eonrads lY in Treviso nnd Lombardei ver- 
iveigerte aber dem Angeworbe^en die F^rlaubnifs, nach LUbeck zu gehen. Xu6« 
Urk, Buck Bd. II no. 25. p. 19. 



grofse Bevorzugung der Geistlichen und der kirchlichen Ge- 
walt^), sondem auch eine bedeutende Kenntnifs der geistlichen 
Literatur und eine grofse Neigong zu moralischen und religiosen 
Ausfuhrungen, welche mitunter bis zum Predigtstyl ausarten, so 
dafs man sicfa wol am ungezwungensten unter demVerfasser 
desselben einen mit den rechtlichen und politischen YerhSlt- 
nissen seiner Zeit vertrauten, in Italien gebildeten, zu Augsburg 
lebenden Geistlichen ^) denkt. 

Was wir nun von den Lebensverhaltnissen Bertholds wis- 
sen, entspricht jenen Anforderungen. 

Berthold') wurde in Regensburg in der ersten Halfbe 
des 13 ten Jahrhunderts geboren und im Minoriten- Convent 
zu Regensburg unter der Leitung des dortigen Novizenmei- 
sters und Professors der Theologie, DavidvonAugsburg, 
ausgebildet. David, einer der hervorragendsten und erleuch- 
tetsten Manner seiner Zeit^), hatte auf das Leben und die 
Schriften Bertholds den bedeutendsten Einflufs und scheint 
mit ihm immer in der engsten Verbindung gelebt zu haben ^). 
An zahlreichen Stellen seiner Schriften hat Berthold die Werke 
Davids bentLtzt, und er hat oft gehaltreichen Gedanken des 
Letzteren nur den universellen Stempel aufgedrtickt, der un- 
ter Bertholds grofste Vorztige geh5rt. Dais Berthold auf der 
hdchsten Hohe seiner Zeit stand, ergiebt sich nicht nur aus 
dem innigen Verkehr mit David, sondern auch aus seinen be- 
riihmten Predigten, welche nach den Aufzeichnungen der Chro- 
nisten einen so fabelhaflen Erfolg hatten, dafs 60^000; 100,000 
und mehr Menschen ihm zugestromt sein sollen ^). Insbeson- 
dere zeichnet seine Predigten eine ungewohnliche Kenntnilis 



>) Merkel a. a. O. p. 96 note 13. 

') Das nehmen auch die bei Stobbe, Rechtsquellen I p. 346 note 41 An- 
geff., und Walter, Rechtsgeschichte I §. 325, an. 

^) Vergl. Jac. Grimm in den Wiener Jahrb. der Literat. Band 32 (1825) 
S. 194 ff. — Fr. Pfeiffer, Deutsche Mystiker des 14 ten Jahrh. I p. XXVI ff. 
Kling in Pipers evangeL Ealender, Jahrb. f. 1853 S. 88 ff. 

*) Nach der Batisbona Monastica v. Coelestinol p. 298 (4te Aufl. Re- 
gensb. 1752) gait er als ein zweiter Elias. 

*) Pfeiffer a. a. O. p. XXVIII. Ratisbona Monastica 1. c. 

^) Jac. Grimm a. a. 0. 



10 

der rechtlichen Verh&ltnisse aus, er w^t seine Vergleiche 
und Bilder sehr h&ufig aus dem Staatsrecht und dem Procefs, 
er bertlhrt mannigfache Verhftltnisse und Sfttze des Priyat* 
rechts und Strafrechts *) und verbindet mit grofser Vorliebe 
in seinen Darstellungen die himmlische Weltordnung mit der 
irdischen Rechtsordnung. Ob Berthold in Italien gewesen ist, 
l&iist sich mit Bestimmtheit nicht nachweisen, seine hohe Bil- 
dung l&fst aber vermuthen, dafs er daselbst studirt habe. Diese 
Vermuthnng wird best&rkt durch die Vergleichung folgender 
Stellen: 

Andreas presbyter Ratisp, de monaster. Baear. (bei 
Grimm a. a. O. p. 195) anno domini 1251 frater Bertholdus 
naiione ratisponensis ordinis fratrum minorum praedicare 
coepii, ad cujus praedicationem dicuntur aliquando centum 
millia hominum confluonsse etc. und Udalric. Onsorg. Chron. 
Bavar. ad ann. 1251 (G-rimm a. a. O.) frater Berchtoldus na- 
tione ratispon. ordin. minor praedicare coepit — — — 
Hiemach begann Berthold seine Thatigkeit als Prediger in 
Deutschland erst 1251, trotzdem ergiebt sich nun aber 
aus den bei Grimm a. a. O. p. 196 abgedruckten SteUen, 
dafs er bei Lebzeiten Friedrichs 11, also sp&testens 1250, in 
Graubtlndten gepredigt hat, und es wird dadurch wahrschein- 
lich, dafs er in dieser Zeit von Italien aus nach Augsburg 
gezogen sei, woselbst er sich spfiter gewohnlich aufge- 
halten hat*), und dafs er auf demWege dahin, 1250, in der 
Schweiz gepredigt. Ware Berthold von Regensburg oder Augs- 
burg aus damals nach Alemannien gezogen, wie er dies spater 
nach demRhein*), Thttringen und Bohmen*) that, so wtirde das 



I) £r erwiihiit ofters locale Rechtsgewohnheiten, z. B. in einer in Augsburg 
gehaltenen Predigt (Gobel I p. 100): ^Es ist in eilichen Landen Sitte, wer sich 
verklagen llifst wegen verdienten Lohnes, den er dem Andem ohne EJage nicht 
giebt, der mufs dem Bichter 6 Schillinge zu BuTse geben.'* 

*) £s ergiebt sich dies aus vielen seiner Predigten. Vergl. auch Grimm 
a. a. O. S. 199 ff. 

*) Annales Colmar, ad ann. 1256, Frater Bertoldus de ordine Minorum 
sollempniter praedicat. (Bohmer, fontes 11, p. 8) Annales Spirenset ad a. 1254. 
Eodem etiam anno predioavit frater Bertolfus Spire extra civitatem apud sanc- 
tum germanum infra octavam assumptionis beate Virginis. anno 1255 rerersus 
est frater Bertolfus Spire et predicavit in civitate circa epiphaniam domini (Boh- 
mer II, p. 157). 

*) Grimm a. a. O. 



11 

vom Jahre 1251 berichtete y^praedicare coepU^ unerkl&rlich 
sein '). 

Mufs man daher annehmen, dafs Berthold in Italien ge- 
wesen, so liegt es nahe, dafs er daselbst Yorlesungen tiber 
canonisches und, im Zusammenhang damit, auch fiber rdmi- 
sches Recht ^) gehort babe. Auf seinen Reisen hatte er fiber- 
dies gewifs reichlich Gelegenheit, die Gewohnheiten imd Rechte 
verschiedener Stamme kennen zu lemen. Bertbold erscheint 
daher als eine Fersonlichkeit von besonderer Befilhigung, die- 
jenige Bearbeitung des Sachsenspiegels, resp. Deutsehspiegels, 
welche uns im Schwabenspiegel vorliegt, yielleicht miter Mit- 
hilfe Augsbmrger Schdffen'), gefertigt zu haben, und diese 
Vermuthung gewinnt dadurch eine besondere 
Stfitze, dafs in den Predigten Bertholds sich eine 
genaue Kenntnifs des Deutschspiegels zeigt, also 
derjenigen Quelle, aus der der Schwabenspiegel 
unmittelbargeflossen ist. — FickerDeutschsp. S.159ff. 
und besonders Entstehungsz. des Sachsensp. S. 58 fT., hat dies 
bereits im Einzelnen dargethan und mit Beispielen belegt, 
welche leicht zu vermehren sind^). 



') Aach Grimm a. a. O. p. 198 nimmt an, dafs Berthold erst 1251 in 
Baiem zu predigen begann, nnd zeigt die tJnglaabwIirdigkeit einer im Cod. 
pal. 88 enthaltenen Nachricht, wonach B. schon 1240 in Augsburg gepredigt 
habe. Berthold ist, genau genommen, schon im December 1250 in Baiem als 
Prediger anfgetreien, aber gerade die Art, in der uns dies berichtet wird, be- 
weist, dafs er vorher dort nicht bekannt war. HermaiMue Altaheiuis ad 1250: 
FridericQS imperator in Apulia moritur mense decembri. Bis dtebw gvidem fror 
ter Berhtoldus de ordine Bfinonun fratrnm de dome Ratisponensi tantam gra- 
Ham habuit predicandi ut sepe ad eum andiendum pins qnam sezaginta milia 
hominum convenirent. 

') Ob in den Worten Bertholds (Kling pag. 218, Gobel I pag. 40); wie 
alt soUe ein kint sin, e ez heubtsOnde muge getnn? glenbe mir, dez kan ich 
dir nit wol gesagen, -wann dar nach als ez schalkhaft ist etc. eine Anspielnng 
an L. 4 §26, Dig. 44, 4. L. 3. Cod. II, 48 geAmden werden kann, wage ich 
nicht zu entscheiden. 

') Merkel p. 28. Daraus erklttrt es sich vielleicht, dafs derVerfasser des 
Schwabensp. bald sagt: ich spreche, ich meine. bald: toir sprechen, toir meinen. 
Merkel p* 94, 95. 

*) Ohne viel Gewicht daraof zu legen, will ich nnr bemerken, dafs Gold- 
ast in der Praef. ad Constitntiones Imperii erwfihnt, dafs er erfahren habe, in einer 
Handschrift des Schwabensp. werde Berthold von drtmrneruteifi als Yerfasser ange- 
geben. Schon Zopfl, Bechtsgesch. §. 82 note 45 S. 151 (8te Auflage) vermuthet, 
dafs hier yielleicht eine Verwechselung mit Berthold von Regensbnrg vorliege. 



12 

Ein gewichtiges Bedenken gegen unsere Annahme, dais 
Berthold der Verfasser des Schwabenspiegels sei, scheint sich 
aber daher zu ergeben, dafs Berthold nach vielfachen Zeug- 
nissen 1272 am 13. December gestorben ist, die Abfassung 
des Schwabenspiegels aber erst nach 1276 erfolgt sein foil ^). 
Indefs sind die Grtinde, welche man fOr letztere Ansicht an- 
fbhrt, bei kritischer Erwagung durchaus nicht stichhaltig. 
Man sttktzt sich besonders darauf , dafs im Schwabenspiegel 
das Augsb. Stadtr. benutzt worden sei ^). Ich gebe zu, dafs 
diese Annahme wahrscheinlicher ist als die entgegengesetzte, 
dafs das Augsb. Stadtr. auf dem Schwabenspiegel beruhe, da 
sich die Augsburger Burger bei der Aufzeichnung ihrer Rechts- 
gewohnheiten schwerlich durch ein kaum entstandenes Bechts- 
buch konnten bestimmen lassen; da aber die Uebereinstim- 
mung zwischen dem Schwabenspiegel und dem Augsb. Stadtr. 
grdistentheils eine nur sachliche, keine wdrtliche ist, so braucht 
man eine unmittelbare Benutzung der einen Quelle in der an- 
dem gar nicht anzunehmen, da Nichts erklarlicher ist, als 
dafs zwei an demselben Ort und fast gleichzeitig entstandene 
Bechtsaufzeichnungen auch tibereinstimmende Rechtsnormen 
enthalten. Dies wird um so einleuchtender, wenn man be- 
denkt, dafs die Harmonic zwischen dem Augsb. Stadtr. und 
dem Schwabenspiegel sich in den erheblichsten Fallen auf den 
Deutschspiegel, welcher in beiden benutzt ist, zurackftthren 
lafst ^). Zudem folgt aus dem kdnigl. Gmadenbriefe v. J, 1276 
mit grofster Bestimmtheit , dafs in Augsburg bereits vorher 
schriftliche Bechtsaufzeichnungen bestanden haben*): 
cum ipsi quasdam sententias sivejura pro communi in unum 
collegerint ac scripturarum memoriae commenda- 



') Merkel a. a. O. p. 23, 99 ff . -- Walter, Rechtsgesch. I, §825 

Ficker, Deutschsp. p. 176. 

^) Merkel a. a. O. p. 97. — Ficker a. a. O. p. 168 ff. 

') Ficker selbst giebt p. 170 zu, daTs ^ftir Bolche Stiicke, welche der 
Schwabensp. dem Deutschsp. nicht entnahm, eine so geringe Uebereinstimmnng 
in der Form besteht, dafs die Venyandtschafk sich oft besser dnrch die Annahme 
einer vom Statut unabhiingigen Anfnahme augsburg. Gewohnheiten in den Schwa- 
bensp., als durch unmittelbare Benutzung des Statuts erklftren wUrde^.^ 

♦) Vergl. Ficker a. a. O. p. 169, 170. 



13 

eerint et adhuc ampliora et utilia cum prior ibus ee- 
lint reponere et exinde codicem canficere, 

Es lassen sich daher die Uebereinstimmungen zwischen 
Schwabensp. und den Augsburger Statuten, wo der Deutsch- 
spiegel nicbt der Ausgangspunkt ist, wenn dies ftberhaupt no- 
thig erscheint, auf diese zweite gemeinsame Quelle zurftck- 
filhren, und vielleicht ist sie es, welche Schwabensp. c.73 und 
Deutschsp. 65 mit den Worten: Di Maister sprechent aho: 
di dits lantrecht gemachet habent etc. angedeutet wird, da 
eine entsprechende Stelle im Sachsenspiegel fehlt. 

Eine ausdrtkckliche Bezugnahme'aber auf die vom Kai- 
ser best&tigten Augsburger Statuten glaubt man im Schwa- 
bensp. c. 56 zu sehen, woselbet es heifst: Dock hant die kei- 
ser den steten sunderlichiv reht verlihen tmde guote gewanheit. 
der ein teil an disem buoche stet 

Aber ich sehe nicht, aus welchem Grunde man anzuneh- 
men berechtigt ist, dafs hier gerade die nach 1276 erfolgte 
Redaction des Augsb. Stadtr. gemeint sei. Denn die Worte 
bedeuten nur, dafs die Kaiser den StSdten das Kecht verlie- 
hen haben, nach ihrem Gewohnheitsrecht zu leben. Dafs ein 
vom Kaiser ausdrtLcklich genehmigtes Stadtrecht vom Spieg- 
ler ais giltig anerkannt werde, wSxe doch zu trivial; er sagt 
nur, dafs gute imd rechte Gewohnheit auch neben dem all- 
gemeinen geschriebenen Kecht gilt, dafs dies von den Kaisem 
den St&dten oft besonders best&tigt worden sei, und dafs er 
auch solche gewohnheitsrechtliche Normen in sein Rechts- 
buch aufgenommen habe. Dieser Sinn ergiebt sich besonders 
aus dem Schlufs des Capitels, der sich auch im c. 168" wie- 
derfindet^): wan guote gewonheit versprichet dita buck nit. 
gutiv gewonkeit die ist guot end reht. Eine Yerweisung 



') Denselben Gedanken entbiUt noch deatlichar Lafsb. c. 44. Wenn Mer- 
kel p. 97 note 20* in den Worten: Stoaz der Keuer vnd die fureten den steten 
rehte hant gegeben vnd dm si selb gemacht hant mit ir gunst. daz ist reht oh 
ez ioch nihi geseriben istj eine Bezognahme auf die Augsb. Stat, erkennen 
wiU, so ttberaieht er, dafs einmal der Zusammenhang des ganzen Capitels den 
Worten eine allgemeinere, nichi auf ein bestimmtes Stadtr. beschrftnkte Bedeu* 
tung giebt, und dafs ja gerade von ungeschriebener Qewofanheit, nicht von 
einem codifizirten Stadtrecht die Rede ist. 



14 

gerade auf das Augsb. Stat, von 1276 I&fst sich in der an- 
gef&hrten Stelle abiigens um so weniger erkennen, als der 
Spiegler gar nicht mittheilt, welches ^sonderliche Recht^ denn 
nun die Kaiser den St&dten(I) verliehen haben, sonach nicht 
eine materielle Uebereinstimmung mit einem Satz des Augsb. 
Rechts sich fesstellen ISist. Sollte aber dennoch fOr Jeman- 
den in der Stelle noch der Schein eines Grundes fbr die ent- 
gegengesetzte Ansicht liegen, so muTs auch dieser voUst&ndig 
schwinden, wenn man bedenkt, dafs c. 56, insbesondere auch 
die ausgehobenen Worte, fast wortlich ebenso im Deutsch- 
spiegel c. 51 stehen, der Deutschspiegel aber ohne alien Zwei- 
fel an die Augsburger Statuten von 1276 noch nicht denken 
konnte ^). 

Wenn nun aber auch die angebliche Benutzung des Augsb. 
Stadtr. im Schwabenspiegel im Vorstehenden beseitigt worden 
ist, so wird doch allgemein angenonunen, dafs die staatsrecht- 
lichen Bestinunungen des Schwabenspiegels die Urkunde Ru- 
dolfs vom 15. Mai 1275 tkber die bair. Churstimmen oder we- 
nigstens die Wahl Rudolfs zum deutschen Kaiser 1273 vor- 
aussetzen, der Schwabenspiegel also nicht Tor 1274 geschrie- 
ben sein konne^). 

So oft nun auch die Frage nach der Entstehung des 
ChurfOrstenrechts in neuerer Zeit untersucht worden ist, so 
war doch der Zweck dieser Untersuchungen entweder nur der, 
das Yerh&ltnils des Sachsenspiegels zum Schwabenspiegel fest- 
zustellen, wie bei Ficker, v. Daniels, Homeyer, oder das zwi- 
schen Bdhmen und Baiem schwankende Recht der siebenten 
Churstimme zu ergr&nden, wie bei Lorenz imd Bfirwald, und 
es wurde hier immer als sicher hingestellt, dafs der Yerfas- 
ser des Schwabenspiegels die Yorgtoge bei der Wahl Konig 
Rudolfs gekannt habe. Da es uns aber gerade darauf an- 
kdmmt, die Grtbide far diese letztere Annahme zu prtifen, 



*) Es ist merkwttrdig, dafs dies Ficker p. 170 Ubersehen hat. 

*) Merkel a. a. O. p. 100 sqq. Ficker, Spiegel deutsch. L. p. 164* 
V. Daniels J Alter u. Ursp. des Sachsensp. p. 46. Bllrwald, Sitzungsber. der 
philos. hist CI. der Wiener Academie XXI p. 70 (1856). Phillips, Sitzungs- 
ber. etc. der Wiener Academie XXVI (1858) p. 147. Stobbe, Rechtsqn. I 
p. 846. 



15 

so kdnnen wir uns eiu Eingehen in die Geschichte der Ent- 
stehung des Churftbrsten - CoUegii nicht ersparen , trotzdem 
wir mandies Bekannte wiederholen milssen. 

Die AufzSMung der Churi&rsten im c. 130 lehnt sich im 
Ganzen eng an den Deutschspiegel an und unterscheidet sich 
im Wesenilichen nur dadurch, dafs die geschlossene Zahl 
yon sieben Churfikrsten als wahiberechtigt yorangesteUt wird, 
w&hrend PeutscfaBp* 303 (entsprechend Sachsensp. HE, 57 §• 2) 
zwar yon sieben heryorragenden Beichsf&rsten spricht, aber 
nur sechs Ftlrsten eine Beyorzugung bei der Wahl zuerkennt 
und yon einem ausscb lie fs lichen Wahlrecht derselben 
Nichts weiTs. Diese Verftnderung im deutschen Staatsrecht 
hat bekanntlich ihren Grund nicht in einem Reichsgesetz 
oder in einem Factum, welches auf eine bestimmte Jahres- 
zahl hinweisen konnte, sondem in der sich fortentwickelnden 
staatsrechtlichen Yolksansicht ^). Wahrend nun aber schon 
am Ende des zwdlften Jahrhunderts ^), besonders aber in der 
ersten Halfte des dreizehnten, an zahlreichen Stellen yon dem 
Vorwahl -Recht gesprochen wird^), treten seit der Mitte 
des Jahrhunderts mit grofser Bestimmtheit sieben ausschliefs- 
lich berechtigte Wahlfbrsten heryor*). 

Die bedeutendsten Stellen sind folgende: 

Thomas Wikes, welcher am Ende des 13ten Jahr- 
hunderts schrieb, sagt yon der Wahl Eichards zum Jahre 
1257: Sunt autem septem prindpes Akmannie, ad quos po- 
testas eligendi regem specialiter pertinere dignosdtur, videli- 



') Homeyer, die Stellung des Sachsensp. S. 93. 

') Ueber die Wahl von 1198 und die von Innocenz III oft wiederholte 
Vormel prindpes ad quo8 electio pertinet n. dgl. vergl. Phillips a. a. O. S. 89 ff. 

^) Die schon oft von Lorenz, Bftrwald, Phillips und Ficker zusam- 
mengestellten Quellenzengnisse will ich nicht wiederholen; ich will nur auf den 
selten beachteten Punkt anfmerksfim machen, dafs in dieser Zeit nicht nur bei 
der Kaiserwahli sondem anch bei der Erwfthlung anderer Wiirdentrftger das Yor- 
wahlrecht hervortritt. So vertheidigt in dem Dialogua Clerid et Laid (1205 — 
1208) der Greistliche die Wahl des Erzbischofs von Coeln gegen den Einwand, 
daTs sie nicht ohne Mitwirkung des Landadels hJitte vorgenommen werden dtlr- 
fen, mit den Worten: F^Utor hoc, ^uod dies electioni prefigi et nobiles terre ooft" 

voeari deherent. Tamen electio qu/e facta est, non est usque quag^ue sine no- 

bilihus terre celebrata. Aderat ^nim comes de Seine majoris ecclesie advocatusy 
cujus prima vox est in assensu praestando, Bohmer, fonteslH p. 403. 

«) Phillips a. a. O. S. 96 ff., 109 ff. 



16 

cet ires ecclesiasiici et quatuor seculares. Primus eeclesiasti' 
corum archiepiscopus MeigunHiy seeundus Archiepiscapus Co- 
lonic^ tertius archiepiscopus Treverii. Primus secularium dux 
BavariSy seeundus dux Saxonie^ tertius dux Austrie (d. i. der 
Konig von Bohmen)^ quartus marchio Brandenburgie '). 

Nach Cardinalis Hostienses [gest. 1272] ad cap. 
Venerab. X de election, kdmmt das Wahlrecht zu Maguntino, 
Coloniensi, Tremrensi Archiepiscopis , comiti Rheni, duct Sa- 
xoniae, Marchioni Brandenburgico, et Septimus est dux Bohe- 
mias qui modo est Rex. 

. Thomas t>. Aquino de regim, prindp. Illy 19. Et ex 
tunc ut historiae tradunt^ per Gregorium F (I) genere simili- 
ter Teutonicum provisa est electio: ut f)idelicet per sept em 
Principes Alemanniae fiat, quae usque ad ista tempora 
perseceraty quod est spatium 270 annorum eel circa'^). 

In dem yon Chmel im 23 sten Bande der Wiener Sitzungs- 
berichte mitgetheilten Gedicht Heinrichs v. Ofterdingen 
zum Lobe Leopolds yon Oestreich heifst es: 
Siebcn vursten sint des teert 
Das in ein KuHing is tzuo welene benant. 

Die wichtigste Stelle aber, welche das ausschliefsliche 
Wahlrecht der sieben Churflirsten yor Eudolf erwahnt, und 
welche zugleich eine officielle Anerkennung dieses Rechts Sei- 
tens der hochsten Autoritat jener Zeit enthalt, ist der Brief 
Urbans IV. an den Konig Bichard yom 31. August 1263^). 



') Bohmer, fontesJI p. 461. 

^) Hiernach ist diese Stelle zwischen 1266 und 1269 geschrieben, da Gre- 
gor V V. 996 — 999 Papst war. Homeyer, Stellg. etc. S. 94. Eine andere 
etwa aus dem Jahre 1260 herrilhrende Stelle von Reinmar von Zweter, in der 
von 7 WahlfUrsten die Rede ist, erw&hnt Homeyer a. a. 0. S. 95. 

') Ueber die Echtheit dieses Briefes vgl. Bobmer, Regesten y. 1246 

1313, p. 328, ttber seine Bedeutung Lorenz in den Wiener Sitzimgsberichten 
(1855) XVn S. 187 ff., Phillips a. a. O. S. 144 ff. (zu vergl. ist auch des- 
selben Kircbenrecbt III, 196 ff. ttber das cap. Venerabilem). Zn gering erach^ 
tet dieselbe Bilrwald a. a. O. p. 47. Freilich darf man weder mit Lorenz sa 
gen, dafs der Sachsenspiegel in Rom Eingang gefonden babe and vom Papst le- 
gitimirt worden sei, nocb, dafs das Recht der CbnrfUrsten lediglich von der Kir* 
cbe ausgegangen sei, aber der im dentschen Gewohnheitsrecht sich entwickelnde 
Satz erhielt durch jenen Brief eine offizielle Bestiitigung and daduroh jedenfalls 
eine unbedingtere Anerkennung, viellei<;ht seinen definitiven Abschlnfs. 



17 

— — coram nobis et eUdem fratribug proponere curaee-- 
runt quasdam consuetudines circa electionem noti regis in 
imperatoretn postea promovendi apud principes eocem 
huiusmodi habentes, qui sunt septem numero pro 
jure servari et fuisse kactenus observatas a tempore cujus 
memoria non ewstitit. 

Aus diesen Stellen ergiebt sich, worauf es uns zunflchst 
ankommt, dafs bereits vor Budolfs Konigswahl das aus- 
schliefsliche Wahlrecht der sieben Churfiirsten anerkannt und 
sogar als Yoa Alters her bestehend erwahnt wird. Es ist da- 
her durchaus kein Grund Torhanden, dafs nicht auch in den 
Schwabenspiegel, auch wenn er vor 1273 verfaTst worden sein 
sollte, jener Satz habe Eingang finden konnen. Hochst wahr- 
scbeinlich ist es doch, dafs der Yerfasser desselben den Brief 
Urbans IV von 1263 gekannt habe ^), und was insbesondere 
Berthold von Begensburg anlangt, so scheint eine Stelle bei 
Gobel I, p. 98; Kling p. 390, nach der „man die vier ho- 
hen Ffirsten, welcbe vor dem Bom. Konige sttLnden und Klage 
batten, vor Allen Andem boren milfste'', am ungezwungen- 
sten gedeutet zu werden, wenn man sie auf die vier Laien- 
Churftirsten bezieht. 

Gegenftber den Quellenzeugnissen, welche bereits vor Bu- 
dolf von einem Churfursten- Collegium reden, hebt man nun 
aber hervor, dafs dasselbe zum ersten Male bei der Wahl Bu- 
dolfs factisch sein Becht ausgeiibt habe, und dafs daher erst 
durch diesen Act die Theorie von den sieben Wahlem wirk- 
liches Becht geworden sei. Dieser Einwand wtirde, wenn er 



') Der Brief mufs mit IQuecht groraes Aufsehen erregt und weite Verbreitung 
gefunden haben. Dies ergiebt sich schon daraus j dafs z. B. der Tractat vom 

6. Jnni 1274 (Pertz, Legg. II. p. 897) in den Worten: et merito mundo 

appareant in omnem exhibitionem justicie et veritatis ilia duo magna luminaria 
posita in medio Jirmammti etc. der Stelle des Briefes : sicut in Jirmamento caeli 
duo luminaria magna consUtu^t, ut mundum vicibw tuis illustrenty sic et in terris 
maxima dona «ua, Sacerdotium videlicet et Imperium — so sehr &hnelt, dafs man 
eine Keontnifs desselben wol annehmen vanSa, Vgl. anchPertz, Legg. II p. 484 
Z. IGsqq., welche Stelle sich wol auch anf diesen Brief bezieht. Der im Ein- 
gang des Briefes ausgesprochene Gedanke von dem Zusammenwirken der geistli- 
chen und weltlichen Gewalt findet sich zwar auch im Schwabenspiegel und be- 
senders in den Predigten Bertholds oiters hervorgehoben, ohne dafs man aber 
hierbei an eine Benutzung jenes Briefes zu denken braucht. 



18 

an sich begiUndet w&re, die M5glichkeit, dafs jene Theorie 
sich in den Schwabenspiegel Eingang verschaffb habe, gar 
nicht'ausschliefsen, da sie im Yolks- und Rechtsbewufstsein 
schon vorher lebte, aber er ist nicht einmal richtig. Denn 
yergleichen wir die WahlTorg&nge bei der Wahl Richards, 
1257, und bei der Rudolfs, 1273, so erscheint der Unterschied 
rflcksichtlich. des Wahlrechts nicht bedeutend. 

Bei der Doppelwahl Richards und Alphons^ waren be- 
theiligt: der Erzbischof von Cobi, zugleich als Yertreter des 
Erzbischofs von Mainz, der Erzbischof von Trier, der Pfalz- 
graf Ludwig, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von 
Brandenburg, der Konig von Bdhmen durch Boten und der 
Herzog Heinrich von Baiem ^). 

Es wird freilich bei den Chronisten erw&hnt, dafs noch 
andere Ftirsten und Herren zugegen waren, namentlich bei dem 
dissentirenden Erzbischof von Trier in Frankfurt *), inwiefem 
sie aber auf die Wahl einen EinfluTs batten, wird nicht ge- 
sagt*). Bei dem spftteren Prozefs zWischen Richard und Al- 
fons vor dem p3.p8tlichen Stuhl werden sie ganz ignorirt. Es 
sind aber nicht 7, sondem 8 WS-hler, welche hervortreten, 
wenn man nicht die Annahme spaterer Schriftsteller, dafs den 
Brddem Ludwig und Heinrich von Baiem zusammen nur Eine 
Stimme zugestanden hatte, billigt. In dem Briefe von 1263, 
in welchem die 7- Zahl anerkannt wird, wird der Herzog von 
Baiem einfach tlbergangen. 

Bei der Wahl Rudolfs, 1273, erscheinen dieselben 8 Par- 



') Vergl. statt der oft citirten Stellen der Chronisten B ohm era Regesten 
zum 18. Janaar 1257 p. 87. 

') Vergl. besonders Hermann von Altaich ad an. 1367; bei Bohmer, 
Fontes II, p. 612. 

') Anch der Schwabensp. ISO' erw&hnt in tthnlicher Art eine Theilnahme 
der andem Fttrsten : at suln dar gebieten zu dem getpraeche ir ge$ellen die mit in 
da toelen suln, dar nach den andren fursten alt vil si der gehaben 
mug en. In ilbnlicher Weise werden schon bei der Wahl Konrads, Friedrichs II 
Sohn, znm Konige WahlfOrsten und nnr znstimmende Fttrsten unterschieden. An- 
nalet Argentinenaee ad ann. 1287 {Bdhmer, fontes I J, 107). Quern eiege- 
runt archiepisoopus Moguntinus et Trevirenais et rex Bohemie et dux Bavarie, 
qui et Palatintu comes Rkeni^ consentientibus ceteris qui aderant^ tamen pau- 
eia, Dafs nnr einige Fttrsten bei der Wahl Richards entscheidende Stimmen ha- 
ben konnten; folgt schon ans den Vorverhandlungen von 1256. Vergl. hierttber 
F i c k e r , Entstehungszeit, S. 1 1 ff. 



19 

sten, resp. deren Gesandte. Es protestirten nun zwar auf der 
Wahlversammlung zu Frankfurt die Abgesandten Ottokars 
von Bohmen gegen die Zulassung der BevoUmachtigten des 
Herzogs Heinrich von Baiern. Die anwesenden Wahlfiirsten 
liefsen diesen Protest jedoch nicht zu. 

Dies sind die einfachen und klaren Thatsachen, welche 
die von Kaiser Rudolph am 15. Mai 1275 auf dem Reichstag 
zu Augsburg ausgestellte Urkunde enthS.It '). Man sieht also 
hier wieder acht Wahlfursten thatig, denn es wird mit kei- 
nem Worte in der Urkunde Rudolfs angedeutet, dafs durch 
diese Zurflckweisung des Protestes Ottokars gegen den Her- 
zog von Baiern nun implicite Ottokar zurilckgewiesen, und so 
der machtigste Reichsfiirst br. m. ohne ausdriicklichen Be- 
schlufs von der Kaiserwahl ausgeschlossen worden sei. Von 
keinem der Chronisten wird etwas derartiges erwahnt oder 
eine so strenge Consequenz aus dem Beschlufs des Frankftir- 
ter Wahltages gezogen *), es wird im Gegentheil von vielen, 
insbesondere aber auch von Papst Gregor X, in seinem Briefe 
vom 11. September 1274, die eine dissentirende Stimme des 
Bohmenkonigs sehr scharf hervorgehoben. Dafs von sieben 
Fiirsten, welche bei Rudolfs Wahl thatig waren, zwei Jahre 
spHter in der Urkunde vom 15. Mai 1275 die Rede ist, kann 
nicht mehr Wunder nehmen, als dafs Urban im Jahre 1263 
von sieben Wahlfursten Richards redet. Mag man nun aber 
diesen Widerspruch anerkennen, oder mag man ihn dadurch 
beseitigen, dafs man entweder annimmt, der Konig von Boh- 
men sei des Churrechts verlustig erklart worden (Barwald), 
oder die beiden bairischen Herzoge batten zusammen nur eine 



') Ueber die Echthcit, welche noch Merkel a. a. 0. bestritt, ist wol jetzt 
kein Zweifel mehr; vgl. Bftrwald a. a. 0. p. 3 — 21; Ficker, Entstehungsz. 
p. 117. Die betreffende Stelle lautet: — praesente venerabili Berchtoldo Bahen- 
bergensi Episcopo procureUore predicti Regis Bohemie, et contradicente quidem 
ipsU procuratoribus J ted ipsiua contradictione a Princtpibus Electoribtu omni- 
bus tarn ecclesiasticis quam secularibus non admissaf in dictum Ludovicum etc. 

') Eine Zusammenstellnng der Aeufserungen der Chronisten etc. giebt Lo- 
rcnz a. a. O. S. 28 if.. Ans dem blofsen Schweigen mancher baierischen Qael- 
len von Ottokars Theilnahme an dem Wahlact kann man, auch wenn sie nicht 
von andem Quellen widerlegt wfirden, immer noch keinen Aasschlnfa des Boh" 
menkonigs vom Wahlrecht folgem. 



20 

Stimme erhalten (Lorenz): so ergiebt sich jedenfalls mit 
Bestimmtheit aus den Worten der Urkunde, dafs die recht- 
liche Existenz eines ausschliefslichen Wahlrechts bei den Ver- 
handlungen in Frankfurt vorausgesetzt, ja ein solches als bei 
der Wahl Richards existent gewesenes erwUhnt wird, dais 
sich auf dessen Quasibesitz die Boten des Baiemherzogs 
sttitzten, und dafs nur festgesetzt wurde, in wiefern der 
letztere an dem Wahlrecht betheiligt sei. Es hat sich 
daher das alleinige Wahlrecht der B^rsten bereits vor 1273 
entwickelt, und die Erwahnung desselben in dem Schwaben- 
spiegel beweist daher nicht, dafs dieser nach Sudolfs Konigs- 
wahl geschrieben sei. (Vgl. oben S. 18, note 3.) 

Einen besonderen Stiitzpunkt f&r diese Behauptung will 
man aber in dem Umstande finden, dafs der Schwabenspiegel 
gerade den Herzog von Baiem, nicht den Konig von BShmen 
als siebenten Churfttrsten aufBahrt. Indefs dieser Grund ist 
schon wegen der Unsicherheit der Handschrifien hin&llig *). 
Viele Mss., darunter eines der S,ltesten und besten, der alt- 
franz. Cod. Bern. (Homeyer No. 66. Lafsb. No. 10.) nennt 
den Konig von Bohmen, und hierftlr spricht die Analogic des 
Sachsen- und Deutschenspiegels, welche den Bohmenkonig als 
Schenken aufRihren und ihn nur deshalb vom Wahlrecht aus- 
schliefsen, weil er nicht Deutscher ist. Dies war wol z. Z. 
der Abfassung des Schwabenspiegels richtig, konnte aber nicht 
von Ottokar gesagt werden'). Bei den mannigfachen Veran- 
derungen, welche der Text gleich in der ersten Zeit erfdhr, 
ist die MSglichkeit nicht zu leugnen, dafs auf Ghiind des Be- 
schlusses des Frankfurter Wahltages von 1273, resp. der LTr- 
kunde vom 15. Mai 1275, der Baiemherzog an Stelle- des 
Bdhmenkonigs in den Handschriften gesetzt wurde, so wie 
auf Grund der kaiserl. Entscheidung von 1290 wieder in spa- 
teren Handschriften der Konig von Bohmen erscheint. 

Der Zaricher Codex, welcher sich besonderen Ansehens 
erfreut, nennt weder den Konig von Bohmen, noch den Her- 
zog von Baiern®). 

') Vgl. Lorenz a. a. O. S. 197. 

') Vgl. Lorenz a. a. 0. S. 195, 196. 

*) V. Daniels, Alter u. Urspr. des Saehsensp. S. 13, versicbert, dafs dies 



21 

Nimmt man nun aber auch die durch die besten Hand- 
schriflen untersttltzte Lesart, wonach der Herzog von Baiem 
der siebente Churfiirst ist, als die richtige an, woftir sich auch 
anderweitig gute Gr&nde geltend machen lassen, so wurden wir 
hierin zwar eine bedeutende Abweichung, sowohl von dem 
Deutschspiegel als auch von dem Briefe Urbans yon 1263 
finden, keineswegs aber eine Kenntnifs der Urkunde von 1275 
annehmen dflrfen. 

Der Schwabenspiegel f&hrt nilmlich, wozu ftlr ihn der 
Deutschspiegel wohl die natilrliche und n&chste Yeranlassung 
war, die Wahlstimmen sS>mmtlich auf die Erzamter zurilck, ja er 
ftkhrt diese Theorie im Gegensatz zu den beiden Siteren Rechts- 
btichem zuerst ftlr die geisHichen Churstimmen durch*). Ihr ge- 
maJb schreibt er dem Herzog von Baiem die vierte Laien-Wahl- 
stimme als Schenken desBeiches zu und tritt dadurch in Ge- 
gensatz zum Sachsen- resp. Deutschsp., die nur sechs'Wahlstim- 
men heryorheben, dem Bohmenkonig aber dieses Erzamt bei- 
legen. In wie weit nun die Anspruche des baierischen Her- 
zogs auf das Schenkenamt gegentlber denen des Bohmenko- 
nigs begrOndet waren, konnen wir auf sich beruhen lassen. Es 
geniigt hervorzuheben, dafs der Anspruch des Schenkenamts 
zwischen Bohmen und Baiem streitig war ^). Dafs man nun 
in Baiem selbst von dem Becht des Herzogs uberzeugt war, 



auch in der Lafsb. Hs. cap. 130 der Fall sei. Woher mag er dies wissen, da der 
Cod. LaTsb. gerade an dieser Stelle defect und im Druck nur aus dem Zttricher 
Codex ergftnzt ist? 

') DarUber, dafs diese Theorie irrig und im positiven Staatsrecht nicht be- 
grttndet war, ist kein Zweifel; vergl. Phillips a. a. O. p. 147 ff. und beson- 
ders Ficker, Entstehungsz. S. 121 fp.; sle liegt aber nicht nur den bekannten 
Stellen des Sachsenspiegels , Alberts v. Stade, und Deutschspiegels zu Grunde, 
sondem schelnt eine weit verbreitete, volksthflmliche Ansicht gewesen zu sein. 
So sagt Gervasius Tilbericns (Homeyer, Sachsensp. II) 2 S. 20): {Hein- 
ricug') — impetravit a wibdiUa, ut ctMante pristina palatinorum electione im- 
perivm in ipsius poiUritatem transirety in weloher SteUe palatini die hohen Pfalz- 
beamten, Hofchargen, bedeutet. Die Yerbindnng der Erzftmter und Churstimmen 
wird besonders bei Martinus Polonus cap. 9 2 betont, und Amandus de 
pHfois actis a Frid^. in imperio p^actit (cf, Phillips a. a. 0. S. 63), so uu- 
glaubwttrdig er ist, bezeugt doch die Verbreitung der Idee, indem er anfuhrt, 
dafs bei der Wahl Friedrichs I 6 — 8 mit Hofftmtern bekleidete FUrsten ein 
vorzttglicheres Wahlrecht ausUbten* 

') Vgl. Eichhorn, Rechtsgesch. §. 395 note m; Lorenz a. a. O. S. 20 C; 
besonders F i c k e r , Entstehungsz. S. 1 2 5 ff, 



22 

dafs der in Augsburg lebende Verfasser des Schwabenspiegek 
cine das wichtigste politische Recht seiner Zeit betreffende 
Streitfrage nicht gegen seine eigene Nation entscheidet, -wird 
nicbt Wunder nehmen, zumal da erst im 13 ten Jahrhundert 
die Erzftmter flberhaupt dauemd mit gewissen L&ndem ver- 
kntipft wurden. Daraus aber, dafs derselbe das Chnrrecht 
Baiems lediglich auf dasSchenkenamt sttktzt, folgt ^ade, 
dafs er die Urkunde von 1275 (resp. die Wahlvorgange von 
1273) nicht kannte. Denn in derselben wird den Baiemher- 
zogen rationeducatus, alsNationalherzogen, einChur- 
recht eingerftumt. Mag man auch die Deutung der IJrkunde, 
wonach der.Herzog von Baiem nur dem Pfalzgrafen beige- 
sellt und als bei der Stimme des letzteren mitbetheiligt an- 
gesehen werden sollte*), mit Recht als irrig verwerfen, so 
sagt doch die Urkunde jedenfalls nur, dafs die Baiemherzoge, 
der Pfalzgraf und Herr von Oberbaiem Ludwig und der Her- 
zog von Niederbaiem Heinrich^), mit Riicksicht auf ihr Na- 
tionalherzogthum, zusammen noch eine Stimme neben der Se- 
paratfltimme des Pfalzgrafen haben sollten^). 

. ..vocibus eorundem fratrum Ducum Bavarie Comitum Palatini 
Rheni ratione Ducatus pro uno in septetn Principutn ius in 
elecHone regis Romani habentium numero camputatis. 

Der Schwabenspiegel weicht daher von der Urkunde von 
1275 so erheblich ab, dafs man im Gegentheil annehmen mufs, 
er habe sie nicht gekannt. 

Aus den vorstehenden Erorterungen ergiebt es sich, dafs 
die Behauptung, der Schwabenspiegler mfisse von den Vor- 
gftngen bei Konig Rudolfs Wahl Kenntnifs gehabt haben, un- 
begrtlndet ist, und damit tsMt zugleich der Einwand, dafs der 



So Lorenz in der oft citirten Abhandlung. 

') Ueber die Landtheilung zwischen beiden vom 28. Miirz 1256 vgLHer- 
mannus Altahensis ad h, ann, (Bohmer, fontes II, 511). 

') Eine gewichtige Bestttrkung dieser Interpretation giebt der Umstand, dafs, 
als die Pfalz and das Herzogthum Baiem in Einer Hand unter Otto vereinigt 
waren, dieser dem pttpstlichen Legaten Albert Beham 1239 erklilrte: uti-^ 
nam Domntu noster Papa hoc ipsum jam fecissetj propter hoc enim vellem uiri- 
gue voci renuntiare, videlicet palatii et ducatus et dare super hoc ec 
clesiae pro me et haeredibus publicum inetrumentum, — Albert Beham ed Hof- 
ler [Bibl. des literar. Ver. Bd. 16] S. 6. 



■^ 



23 

Schwabenspiegel erst nach Bruder Bertholds Tode entstanden 
sein kdnne *). 

Es fehlt nun aber im Schwabenspiegel auch 
nicht an Andeutungen, dafs derselbe unter der Re- 
gierung Richards verfafst worden sei. 

Hierhin gehort vor Allem, dafs er bei der Beschreibung 
der Ejuserwahl die Vorg&nge bei der Wahl Kdnig Richards 
im Auge hat. Es ei^ebt sich dies aus c. 129: 

AUe man den kivnig kiesen ml. da^ sol man tin ze Fran- 
kenfurt: end lai man die fvrsten nitt in die siat. so mugen 
si in mit rehte kiesen eor der stat u. s. w. 

Richards Wahl nun erfolgte auf dem Felde vor der 
Stadt Frankfurt, weil die dissentirenden Ftirsten, derErz- 
bischof von Trier mit den Bischdfen von Speier und Worms 
und der Herzog von Sachsen, die Wahler nicht einziehen lie- 
fsen*), wahrend bei der Wahl Rudolfs von derartigen Zwi- 
stigkeiten nicht die Rede war. 

Cap. 130 femer hebt im Gegensatz zu Deutschsp., also 
gewifs nicht absichtslos, die Majoritat als entscheidend her- 
vor. Eine zwiei^altige Wahl fand aber nur 1257 statt, bei 



>) Merkel a. a. O. p. 99 i. f. p. 102 will in den cap. 121', 125, 137 « 
des Schwabensp. (Lafsb.) eine Benutznng der Rndolfinischen Constitntionen yon 
1274, 1275 (Pertz, Moniun. Legg. II p. 899, 403 sqq.) finden; indefs eine Ver- 
gleichnng der letzteren mit den ersteren eigiebt, dafs dies keineswegs begrttndet 
ist. Was insbesondere cap. 187* anlangt, „(2er hunc giht er stU in alien steten 
da hitttun inne sint hof gebieten. da crUgten etwenne die phaffen fursten wider, 
die hant ir criec nu gelaczen**^ so bezieht sich dies zveifellos auf den Ansprach 
der geistlichen Fttrsten, dafs der Konig nicht das Recht haben soUe, sie in 
ihrer Jurisdiction und in ihren Einnahmen dadurch zu beeintr&chtigen , dafs er 
in ihren Bischofssitzen Hof gebietet. Otto IV sagt 1209 [origines Guelferb.lUf 
p. 689]: Romani imperatores et reges in amnibtu civitatibtts et oppidia ecclesior- 
rum imperii dwantibue curiis imperialibw in illis, accipere consueverunt iheloneum 
et monetam et in euos uatu convertere (vergl. Sachsensp. Ill, 60. §. 2). Die 
Bischofe suchten sich von dieser Last zu befreien. Ein Priyilegium ttber eine 
Befreinng hienron ertheilt Otto a. a. O. p. 640: nee per homines nottros facie- 
mus vel fieri mandabimus in civitate Magadeburgensi vel in oppidia vel in aliqui- 
but bonis archi^iscopi et ecclesiae suae aliquam exactionem nee sumemus ali- 
qua hospitia^ quae vulgo herbergaria nuncupantur^ contra volun- 
tatem archiepiscopi; vergl. Nitzsch, Hiuisterialitftt und Bttrgerth. S. 211. 
Besonders nachdrUcklich machten die Bischdfe aber ihre Ansprttche unter Fried- 
rich II. geltend, und eine Vereinbarung darttber wurde 1220 in der 
confoederatio cum princip, eccles. cap. 10 (Pertz, Mon. Legg, II, 287), sehr 
znm Vortheil der Bischofe, getroffen. 

>) Cf. Bohmer, Reg. v. 1246_1818 p. 87. 



24 

Budolfs Wahl Terktkndete Pfalzgraf Ludwig den einstim- 
migen Beschlufs der Wahler *). 

Erwahnenswerth ist auch, dafs Kdnig Richard seine Re- 
gierungBJahre yon seiner Kr5nung an zfthlt'), entsprechend 
dem Grundsatz des Schwabenspiegels 118 [Deutschsp. 285]: 
9wenne er getoihet toirt [end gesetzet wirt uf den stvl ze 
ache] mit der toillen, die in ertoelt hant. so hoi er kwnigU- 
chen gewalt ende namen. Rudolf dagegen rechnet seine fie- 
gierungsjahre vom 29. September, dem Wahltage, nicht vom 
24. Oktober, dem Krdnungstage; vgl. z. B. Bdhmer, Beg. 
a. a. O. S. 67 No. 125. S. 144 No. 1003, 1004. Pertz, Legg. 
n, p. 404 Z. 42. p. 406 Z. 25 u. A.«). 

Endlich dtkrfte yielleicht in den Worten des Schwaben- 
spiegels, cap. 130^, woselbst mit gro&em Nachdruck das £r- 
kaufen der Wahlstimmen, als Simonie, verboten wird, eine 
Anspielung auf die von Richard seinen W&hlem gegebene 
^Handsalbe^ gefmiden werden*). 

Die Eingangs angegebenen Thatsachen, welche die Ver- 
muthimg, dafs Berthold den Schwabenspiegel verfaTst habe, 
begrtbadeten, erhalten jetzt, wo wir die'Zeit der Abfas- 



*) Dies b«zeugt die Urkunde vom 16. Mai 1276. — Dafs Ottokar von 
BShmen dagegen protestirte, kann hier nicht in Betracht kommen, da er nach 
dem Schwabenspiegel zor Wahl nicht berechtigt war and ftbeidies selhst in einem 
Briefe an den Papst (Dolliner, Cod, epwto/. Ottoc, No. 7) sagt: wide cwnprin- 

cipes Alemanniaej quibug potettas est cesareg eligendif coneordi- 

ter m qwaidam comitem mimu idaneumj eolemnibus nostris nuntiit — — con- 
iradieentihui ei reclamaiUibMi , evidenter vcta sua direxenmt, 

*) Bdhmer, Regest. z. 17. Mai 1267 S. 89. 

^) Auch der Papst selbst hat erklttrt, dafs es auf die ErwiUiluiig^ nicht auf 
die ErSnung ankomme; vergl. den Brief Urbans IV d. d. Orvieto d. 7. August 
1268 an Alphons X bei Raynald, histor, eccles* XIY p. 89. Es scheint jedoch 
Rudolf hierin nicht consequent gewesen zu sein, vergl. z. B. seine Urknnden 
vom Anfang October 1274 bei Gtljither, Cod. Bheno-MoseiL II No. 268, 259, 
262 p. 390ff., welche die Subscription ^regni nostri anno primo^ haben. Vgl. 
auch die Urkunde von 1276 beiBodmann, Rheing. Alterth. S. 276, welche 
die Subscription hat: j,in dem anderin iare daz wir worden gehroenit*^. 

*) Vergl. Bohmer, Regest. a. a. O. S. 87; Phillips a. a. O. S. 128 ff.; 
die Annates Coltnarienses ad 12b7 sagen kurz und treffend: Richardus f ra- 
ter regis Anglie donis regnum obtinuit Romanorum, Der Graf von Habsburg gab 
doch wenigstens seine Tdchter den ChurfUrsten, nm ihre Stimmen zn erhalten. 
Chronicon, Colmar, ad 1273 (Bdhmer, /on<e« II, p. 48, 49). Vgl. hier- 
Uber Riedel, Abh. der Berliner Academic 1862 S. 568 ff. 






25 

sung desselben naher festgesteUt haben, erst ihre voUe Be- 
deutung. 

Zum Schlufs darf ich die von Franz Pfeiffer in 
Haupts Zeitschrift fiOr deutsches Alterthum [IX, S. 3 ff. 
1853.] au%estellte Hypothese, dafs David von Augsburg 
der Yerfasser des Schwabenspiegels sei, nicht unerwUhnt las- 
sen. Er stiitzt dieselbe lediglich darauf , dafs der Anfang 
des schw&bischen Bechtsbuches, d. h. aber nur die ersten 
Worte der Yorrede, einem Tractat Davids entnommen sei. 
Dafs dies allein kein gemogender Grund sein kann, David 
fOr den Yerfasser zu halten, ist einleuchtend ^), besonders im 
Yergleich zu den vielen Stellen Bertholds, welche in den 
Schwabenspiegel und grade auch in die Yorrede tLbergegan- 
gen sind. Dagegen ist es bei dem Yerhaltnifs Bertholds zu 
David und bei seiner Neigung, Gedanken des Letzteren zu 
verarbeiten, durchaus begreiflich, dafs er sein Bechtsbuch 
mit den Anfangsworten eines Tractats seines Lehrers und 
Freundes begann. 



') Pfeiffers Behauptnng hat bei den Jaristen keinen Anklang gefhnden 
und ist bereits von Stobbe, Bechtsquellen I, 8. 841 note 24, S. 846 note 40 
viderlegt worden. Vergl. anch Zopfl, Rechtsgesch. 8te Aufl. §.32 note 56 
S. 154 nnd v. Daniels, Alter u. Urspr. des Sachsensp. S. 106. Ob David 
vielleicht den Dentschenspiegel veriafst hat?? Bs liifst sich dafttr anfUhien, dafs 
der Deutschspiegel um die Mitte des 13 ten Jahrhnnderts za Augsburg yon 
einem Geistlichen verfaTst wurde, was anf David pafst, und dafs das Verhfiltnifs, 
in dem der Schwabeospiegel zum Dentschenspiegel steht, vortrefflich dem Ver 
httltnifs Bertholds zu David entsprechen wttrde. Ich verwahre mich aber wol 
dagegen, auf solche Grttnde bin den Dentschenspiegel dem Bruder David zuzu- 
schieiben. 



II. Die Genealogie der Schwabenspiegel - 

Handschriften. 



J: tlr die Kenntnifs der Genealogie der Schwabenspiegel- 
Handschriften datirt seit dem Auffinden des Deutschenspiegels 
und den eich daran anschliefsenden , scharfsinnigen Untersu- 
chungen Fickers *) und Homeyers ^) eine neue Aera. Erst 
jetzt ist es moglicli, bei der Wtlrdigung der Manuscripte des 
Schwabenspiegels von festen Principien auszugehen und bei 
der Textkritik einen begrOndeten und sichem Standpunkt inne 
zu halten. Denn nachdem die Ableitung des Schwabenspie- 
gels aus dem Deutschenspiegel unwiderleglich erwiesen und 
festgesteUt ist ®), kann nur die grofsere oder geringere Ueber- 
einstimmung einer Handschrift mit dem Deutschenspiegel - 
Texte das Criterium daftir abgeben, ob sie f&r reiner und ur- 
sprCbiglicher als andere zu erachten sei. Durch die von Ficker 
an seinen Fund gekntLpften Erorterungen hat sich nun her- 
ausgestellt, dafs mit Ausnahme der im Einzelnen zii wenig 
bekannten Freiburger Handschrift die Lafsbergsche, im 
Ganzen genommen, sowohl was Anordnung und Zahl der Ca- 
pitel, als auch was den Text im Einzelnen anlangt, insbeson- 



') Ueber einen Spiegel deutscher Leute etc. Wien, 1867. — Ueber die Ent- 
stehnngBzeit des Sachsenspiegels und die Ableitung des Schwabenspiegels aus dem 
DentschenspiegeL Innsbr. 1859. 

') Vortrag in der Berliner Akademie v. 14. Dec. 1857. (Monatsberichte 
der K. Akademie der Wissenschaften S. 622 ff.). 

') Auf den von Ficker mit grofster Evidenz als unbegrUndet dargethanen 
Widerspruch des Herm v. Daniels glaube ich keine Rttcksicht nehmen zu 
dOrfen. 



27 



dere im Geg^isatz zu den ktirzeren Formen , als eine Art 
Normalhandschrift fOr die uns erhaltene relatiy Slteste Form 
des Schwabenspiegel-Textes anzusehen sei. Diesen Satz be- 
schrS.nkt jedoch Ficker selbst auf die beiden ersten, bis Lafsb. 
cap. 313 reichenden Theile des Schwabenspiegels. Nur fflr 
diese Theile erklUrt er F ftlr den Urtext, L flir den Reprft- 
sentanten der zweiten Hauptgruppe, den dritten Theil dage* 
gen faSlt er fOr einen sp&tem Zusatz, um den der ursprdng- 
liche Schwabenspiegeltext nachtraglichbereichertwordensei*). 
Bei dieser Ansicht gruppiren sich nattbrlich die Handschriften 
nach dem Grundsatz, dafs man jede volIstSndige, den dritten 
Theil mitumfassende Handschrift als eine bereits vermehrte 
ansehen und deshalb oft ein und dieselbe Handschrift in ganz 
verschiedene E^lassen setzen mufs. So bildet F zwar die E^lasse I, 
steht aber mit Bftcksicht darauf, dafs F den dritten Theil ent- 
hSlt, h5chstens auf dem Niveau der Elasse IE und L, welches 
flir 1 — 113 die Klasse 11" reprasentirt, ist, im Ganzen genom- 
men, wegen seines dritten Theiles nur der Seprasentant der 
Klasse IV« ^): 



') Diese Anf!fassung von der Entwickelong des Schwabenspiegelteztes ist 
schneU die herrschende geworden. Homeyer, a. a. 0. S. 637 ff., hat die 
Fickerschen Elassen anerkannt und seine eigene fxUhere Eiassification ihnen 
geopfert and Stobbe, Geschichte der dentschen Rechtsquellen I, S. 343. 344, 
nimmt ebenfalls an, dafs der Schwabenspiegel ursprtinglich bei cap. 312 oder 
313 geendet habe. 

') Der Stammbanm, den Ficker Uber einen Spiegel deutscher Lente S. 148 
Ton den Schwabenspiegel -Handschriften entwirft, ist folgender: 



^ 



I. a. [Freiburg 1-318.] 



i.b. [Freib. Hs.] II. b. [Snals. Hs.] 



II. a. [Lafsb. 1-313.] [Verktir- 



zung der ersten beidenTheile] 



in. a. [Zttrch. Ebn.] [Hinzuftlgung 



/^ 



I.c.[Gr.Fol.Dr.] IILbAmbras-Hs. 



des dritten Theiles.] 



III. c. [Verkttrzte Form.] 



rV. a. [Lafsb. Cod.] [WeitereVer- 



IV. b. 1. [Rupr.Freising.] 2. [Berger.] 3.lV. c.l. 2. 8. 



kUrzung des 3 ten Theiles.] 



IV.d.[Kraflft. Cod.] 



28 

Aach mufs man nicht nur eine andere Entwickelun^ in 
der Textgestaltiiiig fbr den ersten und zweiten Theil^ eine an- 
dere fbr den dritten Theil annehmen, sondem sogat in einer 
und derselben Handschrift; den ersten und zweiten TheU als 
in einer^ der ursprtlnglichen nahestehenden Phaae erhalten, den 
dritten Theil als wesentlich verkflrzt und yerSndert betrach- 
ten, wie in der Lafsb. Telbang. u. a., yielleicht auch in der 
Freiburg* Hds., oder man mufs umgekehrt wie im Ztkricher 
und Ebnerschen Cod., den ersten und zweiten Theil bereits 
fbr mehr verftndert und umgestaltet und den dritten fOr Toi- 
ler und ursprttnglicher ansehen. Dieses Zerspalten, nicht nur 
des ganzen Rechtsbuches, sondem auch der einzelnen Hand- 
schriften^ in zwei Theile hat etwas Bedenkliches, welches die 
noohmalige PrCkfung der Fickerschen Ansichten und ihrer 
Begrflndung zur Pflicht macht. Nicht minder bedenkUch ist 
es, bis zur Anfertigung des Lalsb. Cod., im Jahre 1287, so 
▼iele Entwickelungsstufen des Rechtsbuches annehmen zu 
mtkssen ^). 

Ficker sttLtzt nun seine Meinung von der spHteren Ent- 
stehung des dritten Theils von L 313 — L 377 auf folgende 
vier Grdnde: 

1) Ffinf Handschriften schlieisen mit L 313, ohne sich ir- 
gendwie luTserlich als unvoUstSudig zu erweisen. 

2) Die Unsicherheit des Textes, das Auslassen und Zu- 
setzen von Capiteln, das Schwanken in der Anordnung 
derselben hat ganz besonders erst in dem Theil hinter 
L 313 statt. 

3) Der bekannte Schlufs von L 331, welcher von den vom 
Papst Leo und Konig Karl, seinem Bruder gesetzten 
Rechten handelt, deutet fOr L 313 bis zu Ende des 
Landrechts auf einen andem Ursprung bin, als fOr das 
Frtthere. 

4) Mit L 312 h5ren Sachsensp. und Deutschsp. auf. Quelle 
des Schwabensp. zu sein, mit Ausnahme von L 315 bis 



') Die Unwalirscheinlichkeit bleibt bestehen, wenn man auch mit Ficker 
a. a, O. S. 144 die Entstehung der Lafsb. Hds. tun etwa zehn Jahre spiiter an- 
nehmen woUte. 



29 

317; welche ursprttnglich an anderer Stelle gestanden 
haben, wie sich auB der Preib. Hds. ergiebt. 

Von diesen vier Punkten fallen der dritte und vierte zu- 
sammen. Dieselbe Thatsache, welche nnter No. 4 negativ da- 
bin ausgedrftckt wird, dafs der dritte Tbeil deg Schwabensp. 
nicht 9IXLS dem Deutschsp. abgeleitet ist, best&tigt der Schlufs 
von L 331 in positiver,* wenngleich, Yom Standpnnkt der heu- 
tigen Wissenschaft aus, unriohtiger Passung, Ueber die Zeit, 
in der disiio reht diu hemach den keiaerti stant unt» an da» 
khenbuch zusammengestellt und mit dem vorhergehenden Theil 
des Schwabenspiegels verbunden worden sind, enthSlt der an- 
gezogene Schlufssatz von L 331 durchaue keine Andeutung 
und kann daher* als Beweis filr die spftter^ Entstehung des 
dritten Theiles des Landrechts nicht angeftLhrt werden. 

Wenn man nun mit strenger Logik prCkft, was aus den 
drei Thatsachen folgt, welcbe in den obigen vier Punkten ent- 
halten sind, so ist es nur dies, dafs bei L 313 eine Abthei- 
lung im Schwabenspiegel-Texte zu machen ist, sowie aus an- 
dem GrOnden bei L 117 ebenfalls ein Tfaeil des Schwaben- 
spiegels zu schliefsen ist. 

Weiter aber folgt Nichts daraus, insbesondere nicht, dafs 
der hinter L 313 stehende Theil des Schwabenspiegels spMer 
entstanden sei, als der friihere, soweit eben nicht der Natur 
der Sache nach der dritte Theil eines Werkes spEter verfafst 
zu werden pflegt, wie die beiden ersten. Auch der erste und 
zweite der vier Punkte erklaren sich zwar sehr gut aus der 
Annahme, dafs der dritte Theil spater hinzugekommen sei, 
aber sie erweisen dieselbe keineswegs ; sie bleibt immernur 
eine Hypothese, die andere £rkl§.rungsversuche als gleichbe- 
rechtigt neben sich gelten lassen, und welche voUends ver- 
schwinden mufs, wenn sich Umstdrude ergeben, mit denen sie 
im Widerspruch sich befindet. 

Nimmt man nun an, dafs mit L 313 ein zwar gleichzei- 
tig entstandener, aber immerhin neuer Theil des Schwaben- 
spiegels beginnt, dem die feste, sichere und im 14 ten Jahr- 
hundert weit verbreitete und gekannte Grundlage der beiden 
ersten Theile, der Sachsensp., fehlt, so erklart es sich, warum 
grade in diesem Theile Auslassungen, Zus§.tze und Umstel- 



30 

lungen in weit hdherem Maafse vorkommen konnten, als in 
jenem, und es kaiin auch nicht verwundem, dafs einige Ab- 
schreiber bei einem Abschnitt inne hielten, der sich nicht nur 
aus der, mancben von ihnen yielleicht bekannten Analogic des 
Sachsenspiegels ergab, sondem den sie auch im Yerlauf des 
Schwabenspiegels selbst unzweideutig angegeben fanden. Ue- 
berdies sind die {Qnf Handschriftisn, auf welche sich Ficker 
benift, keineswegs Vertrauen einflofsend, denn die Homeyer- 
sche (No. 330) und die Snalser (No. 352. Horn.), welche auch 
sonst so eigenthiUmlich ist, dafs sie fast verdS^chtig wird, sind 
auch im Lehnrecht unvoUstHndig; die Giefsener (No. 236. 
Horn.), welcher ein yollstS.ndiges schw&b. Landrecht uber- 
dies Yorausgeht, ijnd die Quedlinburg. (No. 576. Horn.), wel- 
cher das Lehnrecht ganz fehlt, gehoren erst dem 15 ten Jahr- 
hundert an, und es bleibt sonach nur die dem 14 ten Jahr- 
hundert entstammende Giefsener Hs. (No. 232. Horn.) ftbrig, 
welche auch insofem defect ist, als ihr von den letzten Ca- 
piteln Lalsb. Dr. 308. 311 fehlen *). Wir wollen uns indefs 
bei der Moglichkeit, die von Ficker hervorgehobenen 
Umstande zu erkl3.ren, auch ohne eine spatere Entstehung des 
dritten Theils des Schwabenspiegels vorauszusetzen, keines- 
wegs beruhigen, sondern wir woUten durch die bisherigen Er- 
orterungen nur den Nachweis liefem, dafs durch jene die 
Fickersche Annahme nicht nothwendig begrdndet und er- 
wiesen ist; wir glauben vielmehr, die Fickersche Hypothese 
direct widerlegen zu konnen. 

Zugleich verbinden wir aber mit unserer Behauptung^ 
dafs der dritte Theil des Schwabenspiegels gleichzeitig mit 
den beiden ersten entstanden sei, auch noch die weitere, dafs 
die lange Abhandlung von der Ehe, Lafsb. cap. 377, IE eben- 
falls einen Theil des ursprilnglichen Schwabenspiegel-Textes 
bilde, weil sich beide Behauptungen zum Theil auf dieselben 
Griinde stfttzen, und weil der Nachweis, dais jenes umfang- 
reiche Capitel dem ursprftnglichen Schwabenspiegel angehorte, 



') Vergl. Homeyer: Die deutschen RechtsbUcher etc. S. 41.-4. 1. a. Hin- 
zuzufttgen ist iibrigens noch der dem 15 ten Jahrhnndert angehorige und defecte 
Heidelberger Codex. [Hom. No. 321. v. Lafsberg No. 65.] 



I 



31 

den Beweis dafilr, dafs der dritte Theil niclit nachtrftglich ent- 
standen sein kann, mit einschliefst. 

Es kann keinen Beweis fOr die spfttere Entstehung des 
dritten Theils abgeben, dafs aufser dem Deutschsp. angeblich 
aach das Augsburg. Stadtrecht nicht mehr in demselben be- 
nAtzt ist, denn der dritte Theil ist eben mit Absicht und Be- 
wufstsein aufdurchaus andere Bechtsquellen gestfttzt^). Auch 
wtU*de es umgekehrt fOr die gleichzeitige Entstehung des gan- 
zen Rechtsbuches Nichts beweisen, wenn gewisse zu jener 
Zeit wichtige Rechtsquellen fortlaufend in alien drei Theilen 
benutzt w&ren; wenn aber Schriften, die nicht im Mindesten 
Rechtsquellen sind, wenn Predigten eines Franziskanermdnchs 
in alien drei Theilen zum Theil wdrtlich benutzt sind, so 
kann man nicht ein zuMliges Zusammentreffen zweier Yerfas- 
ser auf einer so singul&ren, nur durch individuelle Beziehun- 
gen erkl&rUchen Quelle annehmen. 

Der Inhalt des dritten Theiles eignet sich nun zwar weit 
weniger zu einer Benutzung von Predigten, als der der bei- 
den ersten, da der dritte Theil im Wesentlichen nur eine 
Verarbeitung der alten latein. Gesetze und Privilegien ist, 
welche man im 13 ten Jahrhundert im Gegensatze zu den 
neueren Rechtssatzungen und Gewohnheiten unter der Be- 
zeichnung „Recht Konig Karls^ zusammengefafst zu haben 
scheint, namlich der Yolksrechte [lex Alamannorum resp. Bat- 
trartor.] und einer Anzahl Capitularien. Dessenungeachtet fin- 
den sich die oben nachgewiesenen Parallelen, aus. denen sich 
die nahe Beziehung Bertholds unzweifelhaft ergiebt. 

Hier wird nun eben das cap. 377 11 wichtig, da es fast 
voUst&ndig Predigten Bertholds entlehnt ist *). Wie sollte 
man in sp&terer Zeit, in der Mitte des 14 ten Jahrhunderts, 
dazu gekommen sein, grade auf eine Quelle zurdckzukehren, 
die der Yerfasser des Schwabenspiegels ursprdnglich benutzt 
hat, zumal diese Quelle an sich wenig Beziehung auf ein 



^) Ueber die Bewandnifs, welche es mit der Benatznng des Augsb. Stadtr. 
im Schwabensp. hat, vergl. oben S. 12 ff. 

*) Der Zweifel, den Wasserschleben, Saccessionsordnang S. 19 ff., 
auBspricht, erledigt sich dnrch das in der ersten Abhandlnng Gesagte. 



32 

Bechtsbucb hat und au8 dem Gedftchtnift der Zeit Itogst zu- 
rdckgetreten sein mufste. 

Auffter dieser, durch alle drei Theile fortlaufenden Be- 
nutzung der Fredigten Bertholds giebt dieses cap. 377 11. noch 
einen andem gewiohtigen Beweis ftr die gleichzeitige JEnt- 
stehung desselben — und sonach dee ganzen dritten Theiles 
— mit den ersten Theilen. Eine Stelle des ersten Theiles 
nftmlich, welohe im Zftrich. und Ambras. Cod. zwar fehlt, die 
aber in dem Cod. Friburg. 27, Tdbang. 43, Uber 43, Krafft 
36 §. 1, in der altfranz5s. Ueb^setz, I, 42 und 6r. Fol. Dr. 
§. 410 steht und deren UrsprOnglichkeit durch Deutschsp. 41* 
auiser Zweifel gestellt ist, lautet in 17, Qbereinstimmend mit 
Cod. Telb. (bei v. LaTsberg im Verzeichnifs No. 15 1 mitge- 
theilt) : Stoer eines mannes e wip belwrt^ ader maii. ader u>ip 
noc»oget. nimt her $1 domoch zur e, ekini gewinnen si nimmer 
by einander. da& sagen toir vch ba» hernoch eon der e. 
[ansi camme nos vos dirans aprbs au cae de mariage — Cod. 
Bern.]. Vergl. Wackernagel 38 note 1, Berger pag. 133, 
Senkenberg 415 §. 1. — Eine ausfCfchrliche Besprechung der 
in dieser Stelle berUhrten Frage findet sich nun lediglich in 
dem cap. 377, 11, so dafs es keinem Zweifel unterliegt, dafs 
cap. 377, n, welches die Ueberschrift eon der ee tragt, hier 
citirt ist. Das Citat fehlt zwar, wie nattirlich, im Deutsche 
Spiegel 41 % seine UrsprQnglichkeit wird aber dadurch bewie- 
sen, dais es tlberall so gleichm&fsig vorkommt. 

Ein anderes CStat des dritten Theiles finde ich in dem 
cap. 47. Dasselbe handelt von der Legitimation unehelicher 
Eonder und verweiset auf eine nachfolgende Erganzung mit 
den Worten : als teir hemach tool gesagen. Das einzige spa- 
tere Capitel aber, das die Legitimation betrifft, ist cap. 377. 
Cap. 47 bezieht sich nun zwar auf die legitim. per rescriptum, 
cap. 377 dagegen auf die legitim, per subsequens matrimon,^ 
indefs das y^geistliche und toerltliche gericht^ im cap. 377 ent- 
spricht der papstlichen und kaiserlichen Legitimationsbefug- 
nifs in cap. 47, so dafs das Allegat im cap. 47 wol pafst. 

Andrerseits werden auch Capitel der ersten Theile im 
dritten Theil in einer Weise erwahnt, welche die enge Zu- 
sammengehorigkeit aller drei Theile documentirt, z. B. c. 354: 






33 

hant aber siz eerwvrket alse disi bovch hier t>or seit, wo 
cap. 16 gemeint ist '). Im cap. 361 wird cap. 160 mit den 
auch sonst oft vorkommenden Worten angezogen: €dse hie 
vor gesprochen isL 

Fast &a noch wichtiger als diese ausddickliclien Verwei* 
sungen der beiden Theile auf einander halte ich die grofse Ue-* 
bereinstimmung in Styl und Ausdmcksweise; ja ga^ze Phra- 
sen, welche im ersten und zweiten Theile oft begegnen, fin- 
den sich im dritten Theile wieder, z. B. aUe man bo»ieL da» 
sint »ehen (fiunf) phunt ettoa me. ettoa minre. te nach des 
landes gewonheit Yergl. capp. 85 i. f. 89. QS** i. f. 235 (note 
174). 310. 312 und 325 I. 353. 358 v. f. — oder: er sol alien 
den schaden vnd alle die bwie liden^ die iener solte liden. 
Vergl. capp. 100*. 265 « und 351; vergl. auch 350,1. Diese 
Aehnlichkeit der Redewendungen wtlrde, wenn der Schwa- 
benspiegel erst spater durch den dritten Theil vermehrt wor- 
den w3xe, doch gewifs sehr wunderbar sein. 

Endlich finde ich grade in dem Schlufs des cap. 331, 
den Ficker ftlr seine Meinung anfuhrt, eine Bestatigung ftbr 
die entgegengesetzte Ansicht. Denn im cap. 32, in welchem 
davon die Bede ist, dafs Kdnig Eiurl, als er dem Papst 
Leo zu Hilfe zog, den Schwaben in Bom das Yorstreit- 
recht erheilte, wird auf die Bechte verwiesen, welche „der 
Babest Leo vnd der kiinig karle sin bruoder sse einer condUe 
ne Rome^ nach cap. 331 festgesetzt haben. £s hei&t n&mlich 
cap. 32 a. E.: da^ reht gab er in end anders f>il manic guot 
reU, vnd ander kunige habent in och manec guot reht gege^ 
ben, diu wir hernach tool sagen. Nun werden zwar auch 
im ersten und zweiten Theile manche Satze auf Konig Karl 
zuriickgeftkhrt, ex professo handelt aber nach cap. 331 erst 
der Theil her nach den ket^em unts& an doss lehenbuch von 
den durch Konig Karl festgesetzten Bechten. Auch macht 
die Zusammenstellung von Konig Ejurl mit dem Papste Leo 
und die Erwabnung des Concils zu Bom die Verweisung 



*) Eine ganz Khnlicfae Verweisung anf cap. 15 findet sich im zweiten Theile 
cap. 162 — -■> er hab ez detmB verwirket gen vater oder gen muoter, alse hie 
vor in dem huche staU 

8 



34 

auf jenen Theil im cap. 32 ganz imverkennbar. Wir fin- 
den daher den ganzen dritten Theil schon im ersten als ei- 
nen integrirenden Bestandtheil des ganzen Werkes erw&hnt. 

Wenn man aus den vorgetragenen Grfinden die neue 
Lehre von der nachtrftglichen Yermehrung des Schwabensp. 
mn den dritten Theil als irrig aufgeb^i mufs, so stQrzt damit 
auch diewFickersche Classification der Handschriften im We- 
sentlichen znsammen, indem von den beiden entscheidenden 
Momenten nur das eine, namlich die Anlehnung an den Deut^ 
schenspiegel, anerkannt werden kann. Dieser eine Gesichts- 
punkt reicht aber aus , um bei umsichtiger Yergleichung der 
beachtenswerthen Handschriften unter einander zu dem von 
Ficker auf die tlberzeugendste Weise dargethanen Resultate 
zu gelangen, daTs die Textentwickelung auf eine VerkOrzung 
gerichtet war, und dafs man erst in sp&terer Zeit den ver- 
ktbrzten Text wieder durch neue StUcke zu vermehren be- 
gann. Diese Yerktbrzungen erstrecken sich auf eine sehr grofse 
Anzahl von Capiteln, und wenn auch insofern eine gewisse 
gleichmS'rsige Entwickelung sich feststellen lafst, als manche 
Capitel vielleicht in keiner Handschrift, andere dagegen in 
sehr vielen fehlen, so kann man doch nicht behaupten, dafs 
die Yerkfirzungen regelmEfsig fortschreitend zugenommen ha- 
ben. Sp&tere Handschriften sind- sehr oft vollstandiger als 
jGrAhere; unter Manuscripten, welche offenbar einer und der- 
selben Familie angehoren, fehlt in dem einen dieses, in dem 
andem jenes Capitel, Handschriften von grofserer Lficken- 
haftigkeit zeichnen sich bisweilen durch weit hohere Reinheit 
des Textes vor voUstHndigeren aus, woftlr die Ambras. Hs. 
ein Beispiel giebt, und manchmal ist eine Handschrift zwar 
dem Sufseren Umfang und der Capitelzahl nach verhaltnifs- 
m^fsig sehr vollstEndig, daftir innerhalb der einzelnen Capitel 
aber reich an Ltlcken, was namentlich von der Ztbich. Hs. 
gilt *). Unter denjenigen Handschriften, welche die alte Folge 



' ) Die Beweise hierfttr sind theils durch die im Druck bekannt gemachten 
Schwabenspiegel-Texte und die Varianten bei Lafsberg und Wackernagel 
bei Vergleichung mit dem Deutschsp. leicht herzustellen , theila werden sie, so 
weit dies mit dem Zweck der folgenden Abhandlung vereinbar ist, in derselben 
gegeben werden. 



35 

der Capitel bewahrt haben und weder Bucheintheilung noch 
systematische Anordnung zeigen, auf welche es hier allein an-^ 
kommen kann, lassen sich daher, Boweit sich gegenw&rtig das 
handschriftliche Material tibersehen l&Tst, nur drei EUassen un- 
terscheiden : 

I. Die Freiburger Handschrift. 
11. Die verkflrzten Formen. 
m. Die verkfirzten, sp&ter aber mit neuen 
Zus9,tzen wieder vermehrten Formen. 

Die dritte Klasse k5mmt bei der Feststelludg des Textea 
nicht weiter in Betracht, wiewol aucb sie sehr beachtenswerthe 
Handschriften enthalt, z. B. die Mflnchener (Cod. Germ. 653. 
Lafsb. 105. Horn. 475) und die Era£%sche Handschrift. 

Die Freiburger Handschrift, welche nach den von Ficker 
gegebenen Nachweisungen die ursprtlngliche Folge der Capitel 
enthftlt und in RCLcksicht auf S^ufseren Umfang und Anord- 
nung dem prSsumptiven Schwabenspiegel-Urtext unzweifelhaft 
vor alien bekannten Manuscripten am n&chsten steht^ ist lei- 
der am Anfang und am Ende des Landrechts und im Lehn- 
recht sehr defect, abgesehen davon, dafs die Reinheit und 
GUte des Textes im Einzelnen noch nicht untersucht ist. 

Das Hauptgewicht f&llt daher auf die zweite Elasse. Die 
selbe ist nicht nur reich an vortrefflichen Handschriften, son- 
dem reprSsentirt auch die praktisch wichtige Form des 
Rechtsbuches, denn die Ordnung und YollstSndigkeit der Frei- 
burger Handschrift, findet sich in dieser allein, scheint daher 
bald einer erheblichen Verktirzung, wie sie bereits im Lafsb. 
Ztirch. und Ebn. Cod. hervortritt, Platz gemacht zu haben. 

Die zweite Klasse enth&lt nun ein bimtes G^misch von 
Hberaus zahlreichen, unter einander &hnlichen und doch sehr 
vcrschiedenen, bald voUst&ndigen, bald Mckenhaften, nach man- 
nigfachen Bichtungen unter einander verwandten, bald einen 
reinen, bald verderbten Text zeigenden Handschriften. Man 
entdeckt bisweilen unter Handschriften, die zu weit vcrschie- 
denen Familien gehoren und in den wichtigsten Punkten von 
einander abweichen, Uebereinstimmungen in so singularen Les- 
arten, ja oft in so eigenthiUnlichen Fehlem, Auslassungen und 
MifsverstEndnissen, dafs man Codices vor sich zu haben glaubt, 

8* 



36 

die auf das Engste zu einander gehdrig sind. Die Wissen- 
schaft harret noch immer verlangend der ordnenden Hand, 
die den rothen Faden, der sich durch jene dimkeln Irrw^ege 
ziehet, auiftocje und die Aneinanderreihimg der Handschrif- 
ten, sowie esHomeyers Scharfsinn und Genie tCar den Sach- 
senspiegel gethan, fest und richtig hinzeichnete. Denn ipv-enn 
es nunmehr auch festgestellt ist, daTs bei der fortschreitenden 
Verktbrzung des Textes die ausfiihrlicheren Handschriften die 
Vermuth ung des Slter^i Textes ftlr sichhaben, so ist doch 
wie schon oben hervorgehoben, die Verkiirzung keine so con- 
stante und regulare, dafs man feste Stufen in dieser E^ni- 
wicklung markiren konnte. Ebenso wenig lielsen sich bisher 
Grund- oder Stammhandschriflen nachweisen, welche die Ba^ 
sis fiXr eine bestimmte Form des Bechtsbuches und fikr einen 
grdfseren Kreis von Handschriften abgegeben haben. Die vor- 
lHufig einzig mogliche Methode, allm&lig zur Elarheit zu ge- 
langen, scheint nur die von Homeyer im Verzeidinifs der 
Rechtsbticher angewendete zu sein, die &hnlichen Hand- 
schriften gruppenweise zusammenzustellen. Wenn erst aus 
dem Chaos der Handschriften der zweiten Klasse bestimmte 
Gruppen hervorragen, und die mit einander im Wesentlichen 
llbereinstimmenden Handschriften zusammengesteUt sein wer- 
den, da wird vielleicht auch der Zusammenhang der verschie- 
denen Gruppen und ihr YerhSltmTs zu einander sich ermit- 
tebi lassen. 

Eine solche Grruppe nachzuweisen, und zwar von Hand- 
schriften, die sich auf das Lmigste an die LaTsberg'sche an- 
schliefsen, deren hoher Werth theils durch ihr hohes Alter, 
theils diurch ihren an den Deutschenspiegel sich eng anschlie- 
Isenden Text genugsam festgestellt ist, und zugleich die Auf- 
merksamkeit auf eine vorzligliche bisher zu wenig beachtete 
Handschrift zu lenken, ist der Zweck der folgenden Unter- 
suchimg. 



- I 



lU. Die Ubersche Schwabenspiegel- 

Handschrift. 



L Aeufsere Beschreibung der Handsohrift. 

.XJieUbersche Handschrift dee SchwUbischen Land- 
und Lehnrechts in der Bibliothek des Kdniglichen Appellations- 
gerichts zu Breslau IV. 455 ist bei Homeyer No. 97, bei 
V. Lafsberg No. 13 kurz aufgefiihrt. Sie ist bei keiner der 
biflher veranstalteten Ausgaben benutzt und noch nicht ge- 
nauer beschrieben worden. v. Daniels erwShnt den Codex 
zwar in der Vorrede zu seiner Ausgabe der BechtsdenkmS,ler 
des deutschen Mittelalters HI pag. X, hat ihn aber im Text 
selbst nirgends berilcksichtigt. 

A. Inhalt der Handschrift. 

Die Handschrift besteht aus 20 Pergament-Quatemionen 
in grofsem Folioformat. Jeder Quatemio ist aus vier Folio- 
Bogen zusammengesetzt, besteht sonach aus acht FolioblM- 
tem, welche in zwei Columnen beschrieben sind, so dafs je- 
der Quatemio zweiunddreifsig Columnen enthalt. Die Hand- 
schrift beginnt mit dem Buch der Konige alter Ehe, hierauf 
folgt das Schw&bische Landrecht und das Lehnrechtsbuch und 
zum Schlufs ein, das Land- und Lehnrecht umfassendes Ca- 
pitelregister. Leider ist jedoch der Codex nicht ganz yoll- 
standig. Er ist in neuerer Zeit, und zwar, wie das in den 



38 

Lederband eingeprefste goldene U beweiset, wahrend er im 
Besitz Ubers war, neu gebunden worden, und bei dieser Gre- 
legenheit scheint der erste Quatemio verloren gegangen zu 
sein. Aufserdem hat der Buchbinder noch ein anderes Ver- 
sehen begangen, welches die Handschrifl auf den ersten Blict 
als etwas corrupt erscheinen lafst. Er hat nEmlich den drit- 
ten Quatemio getrennt und die beiden Mittelbl&tter dessel- 
ben an den Anfang gebunden. Gegenwartig besteht die ELand- 
schrifb sonach nur noch aus 152 Quartblattem, von denen 
die ersten vier Bl. 11 — 14 sein soUten. Dieses Fehlen des 
ersten Quatemio ist deshalb sehr zu bedauem, weil dadurch 
der Titel des ganzen Buches und vielleicht Notizen tlber die 
Zeit, wann der Codex geschrieben, und tiber den Namen des 
Abschreibers oder ersten Besitzers verloren gegangen sind. 
Den Text des SchwSrbischen Bechtsbuches betriffi der Man- 
gel nicht, da dasselbe erst auf der Ri&ckseite des siebenund- 
dreifsigsten Blattes beginnt. 

Das Buch der Konige alter Ehe steht in der Handscfarift 
in der vollstandigen, neuerdings von Mafsmann bekannt ge- 
machten Form, noch nicht in der Verkiirzung, wie es in der 
Innsbr. Hs. des Deutschenspiegels erscheint. In der voUstan- 
digen Handschrift fidllte es 5 Quaternionen und 4| Blatt, also 
177 Columnen, so dais im VerhaltniTs zu der Mafsmann- 
schen Ausgabe zwei Columnen der Handschrift fast genau so 
viel enthalten, als eine Columne bei Mafsmann, da hier das 
Konigebuch alter Ehe in 88 Columnen gedruckt ist. Die 
Handschrift U. beginnt nun gegen Ende des Capitels von dem 
Konige Balaach bei dem Wort ratgeben. [Mafsmann col. 48 
Zeile 41.] Der in der Handschrift fehlende Theil des Ko- 
nigebuchs fiillt also bei Mafsmann ungefahr sechzehi^ Spal- 
t^n und mufs daher auch die zweiunddreiisig Columnen des 
fehlenden ersten Quaternio ausgefUlt haben. Hieraus folgt, 
dafs sonst in dem Codex Nichts gestanden haben kann ^). 
Nur auf einem vorgebundenen Pergamentblatt steht ein, am 
Ende des 14 ten oder Anfang des 15 ten Jahrhunderts ziem- 



') Dafs nur ein Quatemio der Handschrift fehlt, ergiebt sich auch daraus, 
dafs die Quaternionen am Ende des letzten Blattes von II — XX numerirt sind. 



1 



39 

lich schlecht geschriebenes Gedicht alchymistischen Inhalts. — 
Das Landrecht enthalt 387, das Lehnrecht 153 rubricirte 
Capitel. 

B. Pergament und Schrift. 

Die Handschrift wird von Ho meyer, v. Lafsberg und 
V. I>aniels in den Anfang des 14ten Jahrhunderts gesetzt, 
und dies best&tigt der S^ufsere Eindruck, den dieselbe macht, 
insofem, als er nur zwischen dem Ende des 13 ten und dem 
Anfang des 14ten Jahrhunderts die Entscheidung zweifelhaft 
macht. 

Die Pergamentblatter sind 12 Ehein. ZoU hoch und 9 ZoU 
breit, in der Mitte durch, zwei von oben bis unten mit brau- 
ner Dinte gezogene feine Linien, die | ZoU von einander ent- 
femt sind, in zwei Columnen getheilt. Am innem und obem 
Bande jedes Blattes ist ein Rauin von 1 ZoU, am auTseren 
von 2 ZoU, am unteren von 2 — 2\ ZoU Breite leer gelassen. 
Jede Columne hat fast durchgangig 34 ZeUen von 2|— 3 ZoU 
Breite. Jede ZeUe steht auf einer sorgf&ltig mit brauner Dinte 
gezogenen Linie; mit letzteren correspondiren am Bande je- 
des Blattes von Zirkelspitzen herriihrende kleine Locher. 

Das Pergament ist fest und dick, nicht sehr weifs und 
rauh. An sehr vielen SteUen sind Locher, und zwar ofbers 
recht grofse darin, welche schon vor der Benutzung dessel- 
ben vorhanden waren, da das durch ein solches Loch unter- 
brochene Wort am andern Bande desselben fortgesetzt wird. 
Dies AUes deutet auf eine Zeit, in der die Kunst der Per- 
gament -Bereitung noch nicht ihre Hohe erreicht hatte. 

Der Codex ist durchweg von derselben Hand und nur 
gegen Ende etwas fltkchtiger geschrieben. Die Dinte ist gleich- 
m3.rsig braunschwarz und wird nur zum Schlufs blEsser, was 
mit der fltiichtigeren Schrift zusammenhangen mag, indem die 
Dinte weniger stark aufgetragen ist. Die Initialen, welche 
durchweg die Hohe von drei ZeUen haben, sind abwechselnd 
ultramarinblau und carminroth, die Titeb^briken carminroth 
gemalt. 

Die Buchstaben haben die Minuskelform, sie sind scharf 
und eckig, die einzelnen Buchstaben stehen meistens unver- 



40 

bunden neben einander. Das i hat entweder einen feinen Stiicfa 
oder besteht nur aus einem Schenkel; ein Punkt llbex* dem- 
selben findet sich nie, dagegen steht ein solcher h^iifig luber 
dem y. FUr u steht durchgchends f , nicht selten mit einem 
darflbergeschriebenen o oder i. f und f reicben nie unter die 
Zeile, die Querstriche bei f and t gehen durch den Buchsta- 
ben durch, sind aber auf der linken Seite kaum bemerkbar. 
Yon AbkOrzungen kommen nur die gew5hnlichen vor, diese 
aber auch durchgehends, besonders ^ ftr er und ^ f&r us^ fer- 
ner ein wagerechter Strich tkber dem Wort f&r einen ausge- 
fallenen Consonanten, namentlich fbr n, m und d. w f&r w 
findet sich niemals. Die Initialen sind grofse Unzialbuchstaben. 
Ln Allgemeinen hat die Schrift sehr grofse Aehnlichkeit mit den 
durch Facsimilia bekannt gemachten Schriflben des La(sb. Cod. 
[Schwabenspiegel S. 2] und des Zlir. Cod. [Finsler in Dalw. 
und Fa Iks Eranien. 2te Lieferung hinter S. 40]. Auch die 
von Pertz in seinem Archiv, BandX, bei Seite 415 mitge- 
theilten Schriftproben der Berliner Bruchstticke sind der Hand- 
schrift unseres Cod. fthnlich, wiewohl die Schrift in den Ber- 
liner Bruchstlicken kleiner und dadurch etwas gedrftckter und 
bei vielen Buchstaben runder, im Ganzen, wie es scheint, auch 
nicht so regelmafsig ist, wie im Cod. U. Die Schrift in U. 
ist so deutlich und correct, dafs, zumal bei dem Mangel an 
erheblichen AbktLrzungen, bei einiger Aufinerksamkeit Lese- 
fehler leicht zu vermeiden sind. 



C. Sprache und Orthographic. 

Die Sprache des Textes ist oberdeutsch, aber firei von 
schw&bischen Dialects -Eigenthtboilichkeiten. Das dehnende i 
in ihi, stoelhy ehte^ rihten, slahte etc. ist gewohnlich durch ch 
ersetzt, icM, sioelchy achte oder aechte, richter, slachtey wie- 
wohl auch die Formen mit h sehr oft vorkommen. Ebenso 
finden sich die Dehnungen git, begit statt gibt, begibt in U. 
nicht. Fflr pf. steht das mildere ph, phaffen, pherrer, phen- 
ning, phmoen, phant etc. Fiir f ist haufig c gesetzt, z. B. 
vraupen, tederspielj Tfam, mur [Feuer]. Statt der im Cod. 






41 

Lafsb. und Ztirch. {iblichenVerbalformen behaben, behabet hat 
U. bekaldeUy beheldet, fQr sol meistens sal. Statt er hat U. 
fast durchg&ngig Aer, statt bi und hie manchmal by und hy. 
Die Yerkiirzung %e statt isti findet sich selten, ebenso ist der 
Diphthong iu nicht so hitufig wie in schweizerischen und schwa- 
bischen Handschriften und findet sich zwar ofler in dcr Mitte, 
aber selten am Ende des Wortes; in U. steht z. B. nicht, wie 
in L. und Z., beidiv, andrw, sinit) etc. , sondem beide, andre, 
sine^ dagegen gesvigen^ dvipsial, Mten^), Statt a^ findet sich 
sehr oft ai, z. B. claien [klagen], saien [sagen], matt, trayn 
[tragen], toayn [wagen], auch eoyt statt vogt u. a. Die Silbe 
eer ist in vor verstarkt, vorsprechen, eorsumen^ t>orgolden^ vor- 
socmen. Ueberwiegend ist der Qebrauch von » am Ende 
und von %% in der Mitte der Worte ftb: den Zischlaut: da%y 
diij gelazzen, llvzze, wizzen; ofters findet sich aber auch &c 
und cs, z. B. nu%cen, 8acs$en. Bemerkenswerth endlich ist es, 
dafs statt der so h§.ufig in anderen Handschriften vorkommen- 
den Partikeln eht oder et in U. die noch heut in Schlesien 
sehr tlbliche Partikel oc, und statt der in ganz Oberdeutsch- 
land ublichen Bezeichnung Samstag Stmobend gebraucht ist. 
Im Uebrigen verweise ich hinsichtlich der Sprache und Ortho- 
graphic auf die in Folgendem zu gebenden Proben, in denen 
ich mich streng an das Original gehalten habe. 

Von Interpunctionen findet sich in U. nur der Punkt. 
Er ist tkberaus reichlich gebraucht und steht regehnafsig (iber 
der Linie, in der halben Hohe der Buchstaben. 

D. Nachtragliche Aenderungen. 

Der Schwabenspiegel war in U. ursprfingKch nur in un- 
gezahlte Capitel eingetheilt. Gegenwfirtig ist er zwar in drei 
Biicher geschieden, und die Capitel jedes Buches sind nmne- 
rirt, diese Eintheilung ist aber erst nachtraglich, vermuthlich 
um das Nachschlagen zu erleichtem, vorgenommen worden. 
Dies ergiebt sich aus folgenden Grtinden: 



') Das i steht in U. gewohnlich nach dem v, bei v. Lafsb erg ist durch- 
weg iv gedruckt. 



42 

1) W&hrend die Handschrift bei jedem neuen Capitel 
eine neue Zeile beginnt und am Ehde des Konige- 
buches fast eine gauze Spalte ausl&lst, um den Schmra- 
benspiegel mit einer neuen Seite zu beginnen, iat bei 
dem Ende der Btkcher kein Absatz markirt, und die 
Bezeiohnungen y^Incipit liber secundm^ und ,,hic m- 
dpii liber tertins^^ sowie die Capitelzahlen sind seit- 
w&rts am Rande notirt. 

2) Die am oberen Rande des Blattes befindlichen, ^ch 
auf die Buohzahl beziehenden Ziffem resp. die W^orte 
lehem — recht und die neben den Capiteln stehenden 
Capitelzahlen, sowie die angegebenen Vennerke ^/n- 
cipU etc.^ sind mit dunklerem Roth und mit weit -we- 
niger sch5ner Dinte geschrieben, als die Rubriken 
und rothen Initialen. 

3) Diese Zahlen und Buchstaben sind auf vielen Blatiem 
verwischt, oder die klebrige Dinte ist abgesprungen, 
was darauf schliefsen llfst, dafs, als der ganze Codex 
auf einmal in dieser Art numerirt wurde, der Rubri- 
cator 5fter Blfttter umwandte, ehe die Dinte oder Farbe 
v5llig eingetrocknet war. 

4) Das Register am Ende des Codex hat weder Buch- 
eintheilung noch Numerirung der Capitelrubriken. 



n. Der Text der Uberschen Handschrift. 

(Inter den Handschriften der zweiten Classe zeichnet sich 
der Cod. Laisb. zwar durch sein urkundlich beglaubigtes Al- 
ter und die GKite seines Textes aus, derselbe ist aber nicht 
nur so defect, dafs fast ein Drittel aus andem Handschriften 
erganzt werden mufs, sondem er enthalt auch, wie dies bei 
einem so umfangreichen Ms. ganz natfirlich und unvermeid- 
lich ist, eine grofse Zahl von Fehlem, Mifsverstandnissen, 
Lticken, Versetzungen, Zusatzen u. s. w. Fftr die Herstellung 



*43 

eines vollkommenen und brauchbaren Textes ist daher L. zwar 
ein sehr werthvoUes, aber :l^ sich allein doch unzureichendes 
Hilfsmittel, und es wtLrde daher von Wiohtigkeit sein, eine 
Handschrift ausfindig zu machen, welohe sich an L. so sehr 
anschliefst, dafs sie zur Erganzung und fortlaufenden Con- 
trolle desselben bendtzt werden kann. Man kann hierzu zwar 
jede alte und gute ELandschrifb in gewissem Qrade verwen- 
den, aber es ist einleuchtend, dafs nicht nur zur AusfWung 
der LiLcken, sondem auch behufs Ausmerzung der Fehler die- 
jenige Handschrift den grofsten Werth hat, welche sich an 
L. am innigsten anschlieist. Bisher hielt man nun allgemein 
den Ztbich. Cod. fOx den dem Cod. L. am n&chsten verwand- 
ten und deshalb zur Ergfinzung der Defecte des letzteren tOx 
am meisten geeignet; ich hoffe jedoch im Folgenden den Be- 
weis Uefem zu konnen, dais die Ubersche Handschrift 
mit L. bei weitem naher verwandt ist als Z., und 
dafs sie deshalb bei einer hoffentlich doch einmal zu erwar- 
tenden, wahrhaft kritischen Ausgabe des Schwabenspiegels 
berufen sein d&rfte, die Aufinerksamkeit ganz besonders auf 
sich zu lenken. 

A. Landrecht. 

I. v. stlmint Im liallseren Umfange ml* h. ttbereln. 

Es ist bisher keine Handschrift bekannt gemacht worden, 
welche, von den Verschiedenheiten in der EintheUung abge- 
sehen, gerade eben so viel enthalte wie L. Insbesondere weicht 
Z. von L. sehr erheblich ab, da 1) L. 112. 167. 249. 276«. 
331. c.f. 332, 376 in Z. fehlen; 2) LaCsb. Dr. 313. 1. II. 314. 
I_IV. 325. L 327.1. 349.1. 350.1. 363. L H. 364.1. 367. 
I. n. 368. 1. 370. n. 374. 1. 375. 1— VI. 377. 1. H in Z. ste- 
hen, welche in L. fehlen. 3) L. 288 * fehlt im Cod. Z., wahr- 
scheinlich weil Z. 26 denselben Satz enthalt. Nach Note 206, 
S. 125 der Lafsb. Ausgabe scheint sich zu ergeben, dafs in 
den Codd. Faesch. Telb. Ebn. der Satz zwar an der L. 288 * 
entsprechenden Stelle steht, aber im cap. 25 ausgelassen ist. 
In U. steht nun der Satz an beiden Stellen, dasselbe findet 



44* 

in der altfranzSeischen Uebersetzung I, 27 und IE, 64 statt '), 
und hiennit hat wahrscheinlich L. tlbereiiigestiinmt; denn bei 
der Verwandtschaft von L. mit U. und Z. ist anzunehmen, 
dafs der Satz auch in 26 pr. gestanden habe , wohin er dem 
Zusammenhange nach ohnehin gehort. 

Die Codd. Ebner und Basel -Faesch weichen nicht min- 
der von L. ab und stehen im Ganzen Z. nllher als L. Unter 
alien mit L. in eine Gruppe zu setzenden Handschriften, de- 
ren Inhalt dffentlich bekannt gemadit worden ist, steht die 
Telbangersche L. am n&chsten, aber auch in dieser fehlen 
L. 224*). 271*, femer der Schluls von L. 15. 231. 248 und 
der Anfang Yon 229 ®). 

Die Handschrift U. dagegen weicht von L. nur in fol- 
genden zwei Pnkten ab: 

1. Es f ehlt im Cod. U. nur cap. L. 340. Dieser Man- 
gel ist jedoch offenbar auf einen Zufall zur&ckzufQhren. Dafs 
L. 340 ursprQnglich dem Schwabenspiegel-Text angehort hat, 
ergiebt sich theils aus der Uebereinstimmung aller Handschrif- 
ten, theils aus den hier in Betracht kommenden Quellen des 
Schwabenspiegels, Lex Baitcar. XIX, 8. L. Alamann. 84, 4. 
Eine absichtliche Yerktkrzung in U. kann man nicht anneh- 
men, weil dies mit der ganzen Tendenz der Handschrift nicht 
stimmen wfirde ; auch in dem am Schlufs der Handschrifl be- 
findlichen Register finden sich zwischen den Eubriken tDache- 
hunt [Lafsb. 338] und hoftoart [L. 341] zwei Ueberschriften: 
mlthunt [L. 339 Jagehunt] und f>ihhunt [L. 340 Buidan]. Es 
erklftrt aich aber die Auslassung sehr leicht aus einem Yer- 
sehen des Schreibers: der Schwabenspiegel enthalt n&mlich 
von L. 333 an eine Anzahl sehr kurzer Capitel, welche die 
Bufsen f&r Verletzungen verschiedener Arten von Hunden ent- 



') Die entgegenstehende AngabQ in dem Handschriften-VeizeichnifB bei 
v. Lafsb erg pag. XXXII beruht auf einem Irrthnm. 

') So nach der Synopsis bei v. Lafsb erg. Nach der Beschreibnng ira 
Handschriften-Verzeichnifs dagegen fehlt L. 288. 

') Im Cod. Telbang. fehlt BL 22, welches den Schlafs von c. 186 bis An- 
fang c. 140 des Lafsb. Dr. enthalten hat. Wenn daher nach der Synopsis bei 
V. Lafsb. auch c. 187 — 189 im Telb. fehlen, so ist hierin doch keine Abwei- 
Chung von L. zn sehen. 



45 

halten. Diese kurzen Capitel sind unter einander sehr ahnlich 
und begmnen von 336 an mit denWorten: Ein hunty welche 
dnrch die bunten Initialen in den Handschriften besonders 
hervortreten. Es konnte daher beim Abschreiben sehr leicht 
einer dieiser kurzen S&tze ausgelassen werden. Es ergiebt 
sicli hieraus, dafs diese Abweichung der Texte von einan- 
der voUig nnerheblich ist und die Zusammengeh5rigkeit der- 
selben nicht beeintrachtigt. — Erheblicher ist, dafs 

2. in U. mehr als in L. steht der bei Lafsberg 
als cap. 377. 11 abgedruckte, von den Eheverboten handelnde 
§. 370 des Gt. Fol. Dr., und zwar in seiner ganzen Ausdeh- 
nung, wenngleich mit erheblichen Varianten. Dieses Capitel 
steht in U., wie in den meisten Handschriften, in denen es 
vorkommt, als vorletztes, also zwischen L. 376 und 377. Ich 
babe schon oben (S. 31 fg.) nachzuweisen versucht, dafs dasselbe 
dem ursprfLoglichen Schwabenspiegel-Text angehdrt hat, imd 
ich "will hier nur einige, dieses Capitel speciell betreflfende 
Bemerkungen nachtragen. Es war bisher die Meinung verbrei- 
tet, dafs dasselbe erst in der Mitte des 14 ten Jahrhunderts 
entstanden sei, und man hat auf Grand dieser vorgefafsten 
Meinung alle Manuscripte, welche es enthalten, in diese Zeit 
gesetzt, wenngleich Schrift und Sprache auf eine firfihere Zeit 
hindeuten. Man vergleiche z. B., was v. Lafsberg im Hand- 
schriften -Verzeichnifs sub No. 6. 10. 90. 92 sagt. Es ist aber 
grade umgekehrt das Vorkommen des Capitels in so guten 
und alten Handschriften ein Beweis fbr seine frOhe Entste- 
hung, zumal es in den sp&teren Handschriften auch keines- 
wegs regelmafsig, sondem nach Homey ers Angabe im Ver- 
zeichnifs der Rechtsbiicher I. A. 2 c. Seite 43, tlberhaupt nur 
in 25 Manuscripten sich findet. Auch steht es in der alt-^ 
franzosischen und der alteren bdhmischen Uebersetzung, de- 
nen beiden ein sehr guter und alter Text zu Grande liegt *) ; 
ferner k5mmt es in mehreren Codd. , darunter in dem aus dem 
Anfang des 14 ten Jahrhunderts herriihrenden Baseler Perga- 
ment - Codex (Faesch) bereits in einer sehr verktlrzten Gestalt 



') Homeyer a. a. O. S. 52. 53. 



46 

YOr. Die Annahme, daTs dieses Gapitel noch spater entstan- 
den sei, als der angeblich spEter entstandene dritte Theil des 
Schwabenspiegels, isi, da in demselben Berthold v. Regensb. 
excerpirt ist, nattlrlich in um so hoherem Grade unwahr- 
scheinlich. Da nun dieses Capitel aber in den meisten der 
altesten und besten Handschriften fehlt, so dr&ngt sich die 
Frage auf , warum es wol bereits in so frQher Z^eit ausgelas- 
sen zu werden pfiegte '). Ich finde nun eine sehr einfache 
Erklarung dieses Umstandes in der Ausdehnung und in dem 
Inhalt des Capitels. Dasselbe zeichnet sich vor alien ^bngen 
des Schw^bisohen Bechtsbuchs durch seine aufserordentliche 
Lange aus. In dem Cod. U. fOili es fast 15, in dem Mtknch. 
Cod. [v. Lafsberg No. 90] 14|, in dem engen Druck bei 
V. Lafsberg 9| Colunmen. Diese Lange mulste fOr Ab- 
schreiber eine groise Verlockung sein, den Artikel zu iiber- 
schlagen oder zu excerpiren, und diese Verlockung mu&te 
dadurch wesentlich unterstiitzt werden, dafs der Artikel trotz 
seiner Breite einen verhaltnifsmSfsig unbedeutenden juristi- 
schen Gehalt hat. Er ist im Predigtenstyl geschrieben, mit 
Citaten aus der Bibel und mit allerlei Bildem und Verglei- 
chen verziert, und sein juristischer Werth for ein zu prakti- 
schen Gerichtszwecken verfafstes und zu ebensolchen Zwek- 
ken abgeschriebenes Rechtsbuch lohnte weder die Kosten des 
Pergaments, noch die MtLhe des Absohreibens. Da er nun 
obenein am End e des Landrechts steht, wo Abschreiber ohne- 
hin zu We^assungen eher geneigt sind ^) , so kann es nicht 
wunderbar erscheinen, dafs das Capitel selbst in den altesten 
Handschrifben so oft vermifst wird. — Aus diesen Grfinden 
kann auch diese zweite Abweichung zwischen U. und L. nicht 
als eine wesentliche betrachtet werden und am wenigsten die 
Vermuthung einer spateren Entstehung fOr U. begriinden. 
Im Uebrigen hat U. nicht nur ganz denselben Umfang 



») Da die Freib. Handschr. am Ende des Landrechts sehr defect ist, so 
l&fst sich leider nicht feststellen, ob es in ibr enthalten war oder nicht. 

') Auch die letzten, ebenfalls dem ursprilnglichen Text angehorenden Capi- 
tel des Lehnrechts fehlen bekanntlich in den meisten und grade auch in den al- 
ten Handschriften. 



47 

wie L., sondem es ist auch in beiden Handschriften ganz die 
namliche Ordnung und Folge der Capitel bewahrt. 

II. v. stlmmt auch im Elnzelnen mehr mil L., wie Z. mii L. 

Schon aus Yorstehendem ergiebt sich die Vermuthung, 
dafs der Cod. U. zur Completirung von L. eher geeignet sei, 
wie Cod. Z., welcher im guTsem Umfang so sehr von L. ab- 
weicht, dafs er einer ganz andem Familie von Handschriften, 
zuzuz&hlen ist. Aber auch im Einzehien zeigt sich zwischen 
U. und L. eine noch grofsere Verwandtschafb, als sie zwischen 
Z. und L. besteht, und es wird die Yermuihung, dafs Hsmd- 
schriften, welche im Hufseren Umfange. einander gleich ste- 
hen, auch hinsichtlich des Textes naher verwandt sind, als 
Handschriften von verschiedener Ausdehnung, durch eine Yer- 
gleichung von U., Z. und L. best&tigt. 

Wahrend z. B. die lateinische Stelle Sanctum est etc., 
welche in L. 168 am Ende steht, an derselben Stelle sich in 
U.,Telb., im alten Druck und in der altfranzosischen Ueber- 
setzung I, 173 [v. Daniels, BechtsdenkmlQer HI. col. 472] 
findet, bildet sie in Z. Ebn. Basel -Faesch und Ambras. den 
Anfang des folgenden Capitels. 

Der Schlufs von L. 79, der in U. lautet: tmd hat der 
tode man nymandes. her toirt ein ledik man, fehlt in Z., eben 
so der SchluTs von L. 106*, desgleichen der Anfang von L. 
229, welche in U. stehen. 

Die bei L. 268, note 196, von v, Lafsberg aus Z. ein- 
geschalteten Worte: „£to furgeboten ist, den^ fehlen ebenso 
wie in L. auch in U. und Ambr. 214 z. 3 und sind 6Xr den 
Sinn keineswegs, wie v. Lafsberg meint, unentbehrlich. 

Die wichtigen Worte am Ende von L, 331 disiv reht saste 
der Babest Leo und der Kunig Karle etc., welche nicht nur 
in Z. Ebn., sondem auch in A. 277 und vielen a. CC. feh- 
len, stehen in U. und Telb. 

Cap. L. 348 fehlt in Bas.-Faesch. ganz, im Ebn. und 
Ztbich. zum grofsten Theil, in U. steht es, wie in L. 

Z. §. 200" [Lafsb. 201, note 145] steht aufser in Z., in 
CC. Ebn., Bas.-Faesch, Ambr. 172 z. 100, in der altfranz. 



48 

Uebers. I, 206 [v. Daniels a. a. O. col. 560] und im Gr. Fol. 
Dr., fehlt jedoch in L., U. und Telb. 

Ich habe nur die wichtigsten und erheblichsten Falle 
ausgewahlt, um meine Behauptung zu erweisen, da eine voll- 
standige Gegentlberstellung aller zwischen Z. einerseits und 
U. li. andererseits differirenden Stellen zu weit fahren wfirde, 
und erinnere nur an die oben schon zusammengestellten Capp. 
von L. und U., welche in Z. ganz fehlen. 

Andrerseits giebt es freilich auch Beispiele, dafs U. mit 
Z. stiinrnt, wahrend L. abweichende, und zwar mei- 
stens schlechtere Lesarten hat. 

Hinter den Worten: dem sol man die hant ah$lahen, in 
L. 176'' steht in U.: lemt her ymande an beiden. man sal im 
bede abeslahen. Mit U. stimmen Z. und Bas. Faesch, wah- 
rend die franzos* Uebers. I, 181 [v. Daniels col. 496], Ambr^ 
und Dr., ebenso wie L., den Satz auslassen [Wackerna— 
gel 150 note 22]. 

Am Ende von L. 234 fiigt U. (ibereinstimmend mit Telb. 
und Z. hinzu: das ist umme den roup recht der nicht straz 
roup ist. Berner Cod. IE, 14: c'est li droit de roberie qui 
n'est mie faite an chemin reaul. Yergl. Ambr. 195 i. f. und 
die Varianten bei Wackernagel. 

In c. 236 i. A. steht in L: gab er im gewait f>ber eogel 
8tatt:^a& er im gewalt eber eische vnd iDber vogle. Die 
Bichtigkeit der letzteren Lesart wird verbiirgt durch U., Z., 
Bas.-Faesch, Ebn., Telb., A. 197, Dr. §. 351, Sachsensp. II, 
61 §. 1, Deutschsp. 177 u. a. Trotzdemkann ein blofses Ver- 
sehen in L. nicht angenommen werden, weU es durch den 
Bern. Cod. IT, 15 [v. Daniels col. 652], durch die drei Eas- 
ier Papier -Handschriften und den Cod. der Wasserkirch- 
Bibliothek in Zttrich bestatigt wird *). 

Ein Zusatz femer, den der Schreiber des Lafsberg- 
schen Codex in einer Anwandlung von guter Laune gemacht 
zu haben scheint, sind die Worte in dem von dem Vergehen 



') Wackernagel 179 note 3. Dieselben Handschriften lesen ebenso wie L. 
in cap. L. 255 i. A. nuit heschroten, w&hrend Z., £bn., Ambr. 210, Bas. Faesch 
nnd U. umhe$chor€ny Sachsensp. Ill, 3, Deutschsp. 195 nicht geschoren lesen. 



49 

der caHfumia handelnden c. L. 245 : tmd den Konig die hinder 
schamme lie sehen. Sie fehlen in U. und Z., in alien bei 
Wackernagel 203 verglichenen Handschriften, der altfiran- 
zdaiechen Uebers., dem Sachsensp. 11, 63 §.1 und Deutschsp. 
181. Auch Valerius Maxim. Vm, 3 und Ulpian. L. 1 §.5 
Dig. ni, 1 erz&hlen Nichts davon. 

L. 254 ist etwas gedehnt. L. liest: teen sol alle% dM 
toeten. da» in dem hu$e ist finder tmd ros. katzen end hunde, 
huenre tmd gense end enten. ende smn. ende liute. iung ende 
aU. ende allet daz lebende drin ist daz sol man alles toeten. 
U. dagegen liest nur: en man sal alles da% tot en. daz in dem 
huse ist. eih end katzen. hunde en huenre en oc alles daz do- 
rinne gewest ist — Bern. Cod. IE, 33: testes y chaz, chiens^ 
gelines et tot ce qui estoit dedanz. Mit U. stimmen aufser- 
dem Z., Bas. Facsch, die Basel. Papierhdss. und der Gr. Fol. 
Dn §. 350 [vergl. Wackernagel 209 note 16]. 

In L. 260 z. 4 endlich fehlt hinter den Worten: cristen- 
lichem rechte^ einSatz, welcher fbr das Verstandnifs der fol- 
genden Worte: etid ob der cristen lougent etc, ganz unerlafs- 
lich ist. U giebt ihn: iz en si dazder iude icht uz gedinge 
noeh sinem rechte. Uebereinstimmend mit U. ist Z., Ambr. 
214 z. 3, Gr. PoL Dr. §. 345. 

Diese letzteren Falle treten jedoch nicht nur an Zahl, 
sondem auch an Bedeutung sefar hinter den ersteren zurftck 
und beweisen nur, dafs U. trotz seiner grofsen Verwandtschaft 
zu L., dennoch ihm gegenfiber eine vdllig selbststHndige Hand- 
schrift ist. 

III. v. Btlmint mehr mli Deaischsp., wle Z. mit Deatochsp. 

Wegen der Defecte von L. lafst sich eine Vergleichung. 
von U., Z. und L. durch das ganze Bechtsbuch nicht anstel- 
len. Dennoch wird es grade in den in L. fehlenden Theilen 
von Wichtigkeit sein, den Text Z. kritisch zu untersuchen, 
inwieweit er rein und unverfalscht sei, theils weil Z. hier die 
Grrundlage der jetzt liblichen Ausgabe ist, theils weil die Ver- 
muthung, dafs L. in den fehlenden Sttkcken mit Z, gestimmt 
habe, dadurch wesentlich erschtlttert werden mufs, wenn sich 



50 



herausstellt, dais Z. an vielen Stellen comimpirt und verSn- 
dert ist, der reine Text aber in andem Handschriften sich 
erhalten hat. Auch an und ftbr sich wird es fttr eine spatere 
Ausgabe grade an den Stellen, in denen L. fehlt, von Werth 
sein, ei^en Cod. zu kennen, der einen bessem Text wie Z. 
enthalt. Hier ist nun der Deutschsp., ohne welchen alle Ver- 
gleichungen nur vage Vermuthungen begrftnden kdnnten, von 
iLberaus grofsem Werth, und bei Abweichungen zwischen U. 
und Z. wird sich die Frage, welcher von beiden die bessere 
Lesart enthalte, meistentheils dadurch entscheiden lassen, dais 
man beide mit dem Deutschsp. zusammenhillt. 

In den bei Weitem meisten Fallen ergiebt diese Verglei- 
chung ein fEbr U. gtknstiges Resultat; um jedoch nicht auf ein- 
zelne Worte u. dgl. zu grofses Gewicht zu legen, deren Ueber- 
einstimmung zuf fillig sein kann, will ich mich auch hier dar- 
auf beschrSnken, die wichtigsten und bedeutendsten Stellen 
hervorzuheben. 



1) Z ist ktirzer als U: 

Deutschsp. 5. i. f. end also 
man niht enioaii. toenne det> 
sibende toerlt sich ende. also 
enwaiz man nihU ob der si- 
bende herschilt lehen recht 
muog gehaben. den sibenden 
herschilt hecet ein isleich 
man der nichi aigen ist. end 
e, chint ist. lehen recht geit 
man den niht. den die in 
dem sibenden herschilt sint, 

, aeer swenne c« der herre der 
einen lihet. er hat als guot 
recht daran als der in dem 
sesten I^erschilt ist. 



God. U. vnde rechte zu iccU" 
cher foise als man niht en- 
u>eis. wen di sibende toerlt 
ein ende nimt. also tceis man 
niht, ab der sibende herschilt 
lehen muge haben. ader niht. 
Den sibenden herschilt 
hat ein icclichman. der 
niht eigen ist. en e. hint 
ist. lehenrecht gibt man 
dem niht. der fry eor 
dem sibenden her schil- 
de ist wen aber iz der 
herre. der einem gely- 
het. der hat als gut 
recht doran. als der in 
dem sechsten herschilt 
eert. doch zweyt sich 



51 

ir lehnrecht, als da% fe- 
henbuch hemoch tool beschei- 
den kan ^). 
Dagegen L. (Z) 2: tmd reht »e glicher ids als man nit en- 
weiZf toenne diu sibende welt ein ende hat. also weiz man nit. 
ob der sibende herschild lehen muge haben oder niht. en seit 
aber wol das lehenbuch hemach^). Aus dieser Stelle ergiebt 
sich, in wie frfther Zeit die Tendenz der Textentwiokelung 
bereits auf eine Verkflrzung gerichtet war. 

Eine &hnliche Yerktlrzung findet sich am Ende von L. 
(Z) 14, wo U. nach den Schlufsworten von Z. fortf&hrt: en 
davon, dan in der bruder irerbeitet hat. ist toeder bruder da noch 
stoester. so nemen in di nehesten erben, ein icclich mensche ist 
sines mages gutes erbe, bin her gereiten mak nu der sibenden 

sippe. als dan buck hyvor sait^). Deutschsp. 18: 

davon tcirt den pruedem ir taih dan en der pruoder erarbaitie 
hat. Ist toeder eater noch pruoder da. so nement en die naech- 
8ten erben. ein isleich mensch ist sein erbe vntn er gereichen 
mag hintn der sibenden sippe. alz dan puoch hievor seit. 

Eine andere Auslassung l&fst sich in L. (Z) 18 consta- 
tiren. Hinter den Worten si sol en aber bieten ne losen nah 
frumer liute kur hat U. folgenden Satz: wan ir die luite hei- 
zen geben. dan [sol] si nemen, m hat der man niht erben. 
wen das ertriche angehoret. dem thu danselbe. so gibt der frie 
herre etc. Deutschsp. 22: — vnd swan ir die haiznent ge- 
ben. daz sol si nemen. Bat der man niht erben .... so geit 
der vreiherre etc. In Z. fehlt ein entsprechender Satz g&nzlich. 
Bei L. (Z) 22, Zeile 25, fehlt in Z. hinter dan er in da- 
ran niht irre ein Satz, der in U. lautet: so toirt her sines 
gutes mit rechte wol ane m wer in gewinnet. der hat in mit 
rechte vn hat recht danu. 



>) Vollig Ubereinstimmend mit U ist die altfiranz. Uebers. I, 8 [v. Daniels 
a. a. O. col. 52], und im Wesentlichen Gr. Fol. Dr. §. 7. 

') Fast ebenso kurz wie Z. ist Ambr. 5. 

3) Vergl. auch den mit U schr ttbereinstimmenden Text bei Wa eke ma- 
ge 1 16 und die bei v. Lafsb., note 14, mitgetheilte Lesart des Cod. Ebn. §.14. 

4* 



52 

Deutschsp. 25 : so mrt er sein gut mii rechte an vnd stoer 
ez gemnnet, der hat rechi darzu. 

Am Ende der ErwUhnung des ersten Enterbungsgnindes 
in L. (Z) 15, welche Z. mit den Worten sohliefHt: ,^da mil 
vertcorht er sines eater hulde end sin erbe^ f&gt U hinzu: 
daeon her sines eaters libes ofte tcarte. tci her ihn ersluge. 
daeon halfe im got y eon. Deutschsp. 19: da» er seines 
leibes ofte earet. toie er in ersluge da half im got ie eon. 

Der in Z. iind A. fehlende, dem Deutschsp. 41* entspre- 
chende Sate, der im Cod. Telb. 43 und U. 43 fast wortlich 
wie im Deutschsp. steht, ist bereits oben [S. S2} aus U. 
mitgetheilt. 

Auch L. (Z) 55 a. E. ist verkftrzt. U. hat die Worte 
mehr: en di ienceroutoe. als hy eor gescriben ist. Cant. 
Deutschsp. 50. 

Ein femeres Beispiel bietet L. (Z) 61*. Dieser Satz 
schliefst mit den Worten: da huote sich der eater eor man 
git im niht wider '). U. fahrt nun fort: her si denne als to- 
resch. als ich hy eor gesprochen han. ab her niht gessuik muge 
sin. Deutschsp. 56: ist daz er also toersche sei als ich hie 
eor gesprochen han. ob er niht gezeeg muge sein. 

Statt des kurzen Satzes des Cod. Z. in L. (Z) 76: si 
sol mit ir eormunde clagen^ liest U., wortlich mit Deutsch- 
spiegel 68 fibereinstimmend: si sal earn zu irm richter ende sal 
zum ersten einen eormunt nemen. en sal ir der helfen clagen. 

Endlich ist eine Verktlrzung noch L. (Z) 153 i. f. an- 
zufiihren. Z. lautet: kumt aber er uf sinen schaden nM uz 
end tut er im schaden oder die mit im sint. den sol er im 
gelten, der herre dem man oder der man dem herren end ist 
wider ir triwen niht. 

Dagegen : 
Deutschsp. 343 : Chumteraber U. Kumt aber her uf sinen 
aufseinen[schaden]nihtauz. schaden niht uz. ende ge- 
end geschicht im schade schit im schade, eon im 



*) Mit Z stimmt die altiranz. Uebersetzung I, 59; v. Daniels col. 184, 
Zeile 5. 



53 

von im selben* oder eon selbe ader ton dem durch 
dem die durchseinen f/oil- des willen si dar kumen 
len da 9 int. end da er heifer sint, den schaden sal er 
%uo ist unwemde. den scha- gelden uf recht der man 
den sol er gelten aufrecht dem herren end der kerre 
end ist toider sein triwe niht. dem man ende ist wider im 

trewen niht, 
Diesen bedeutenderen YerkHrzungen ^) lassen sich einige 
Auslassungen ein^elner Worte etc. an die Seite setzen, z, B. 
bei L. (Z.) 4 i. A. fehlt hinter den Worten y^nimet ein sun 
fjoip bi sines eater lib^: di ime ebenburtik ist. Deutschsp. 7. 
U. 6. Ambr.7.; ia L. (Z) 73" fehlt hinter y^stoer sin eigen 
hneht ae tode sleht^: ane schulde end ane gerichte. Deutsch- 
spiegel 65, U. 71. 

2) Im Gegensatz zu diesen VerkfLrzungen in Z. stehen 
zwei Stellen, in denen Z. ausftihrlicher ist als U., des- 
senungeachtet aber U. mit Deutschsp. stimmt. Namlich die 
Schlufsworte von L. (Z) 9: ^o& si eor niht erben hatte^ feh- 
len in U. und Deutschsp. 14; desgl. die glossenahnlichen Worte 
in L^ 18 bei note 17: y^end stoa dan buoch eon schillingen 
seit u. s. w." 

3) In anderer Beziehung bildet ^ine Stelle des Cod. U. 
einen Gegensatz zu den angefdhrten Beispielen, an welcher U. 
ausfOhrlich^r als Z« ist, der Deutschsp. aber die kdrzere Fas- 
sung des Cod. Z. zu unterstutzen scheint. 

Namlich: 
Deutschsp. 12: end ist dan dan L. (Z) 8: end nimt dan ioip 
weip ^nen andem man ni- ein andem man mit sogeta- 



') Zwei Stellen, an denen Z sehr erheblich kUrzer ist als U, ohne dafs 
die l&ngere Form durch Deutschsp. als die liltere erwiesen wird, bei denen man 
aber der Entwicklung des Schwabenspiegel -Textes gemafs wol auch die vollere 
Form als die ursprtingUohe wird anselien kSnnen, sind folgende: a) L.(Z) 22 

i. Anf. , lautet in U : her tal im schrift doruber geben, ein hantveste, m 

doran in sigel eines bischofes, ader eines leien fursten. ader eines closters, ader 
einer stat ader einer stat herren insigel. ader des Lantrichiers, ader her sal fur 
sinen richter vam u. s. w. Vergl. Senkenberg p. 311; Berger p. 83; Gr. 
Fol. Dr. §.304; b) L. (Z) 131 hat in U bis auf unbedeutende Abweichungen 
dieselbe ausfUhrliche Form wie bei Berger p. 172 und Gr. Fol. Dr. §. 82. Vgl. 
auch Wackernagel 111 note 19. 



54 

met end geben ir ir vreunde nem guoie, daz ir ir erntnde 
ander guot des si e niht hete. gebeni xmd des si vor nit 
der man noch dan tceib en- enhete. der man noch da:^ 
gelten niht des vodem man- mp geltent niht des erren 
nes gtielte. wan also got mannes guelte^ toon als m/ 
baidee geschuendet. Gemn- als si beidic got ermani. 
nent auch die erben damach 
guot, die geltent auch niht, 
wan qIs si got geschuent, 

DagegenU.: m ist daz daz wip ein andem man nimt. 
vn geben ir ir frunt guot, des sieniht enhatte. ader ah 
si einen man durch irs libes wirde. ader durch frunde 
rat nimmet, der gut hat ader wi si got beretet. das 
si by einem andem manne zu guie kumt. weder der 
man. noch daz wip gelden niht, des ersten mannes guide wen 
als vil als si got geschundet. 

Der mittelste Satz von U. fehlt allerdings nicht nur in 
Z., sondem auch im Deutschsp., tind konnte daher als ein 
Zusatz betrachtet werden. Er findet sich jedoch in Gr. Pol. 
Dr. §. 258, in welchem so viele der besten und ursprfingli- 
chen Lesarten erhalten sind. Ueberdies beweiset die Con- 
struction und Wortstellung auch in diesem Palle, um wie viel 
naher der Cod. U. dem Deutschsp. steht, als Z.*). 

4) Diese Stelle fiihrt von den Verkflrzungen, welche der 
urspriingliche Schwabenspiegeltext bereits in Z erlitten, auf 
die Veranderungen ftber, soweit sie sich mitHiilfe von U. 
und Deutschsp. feststellen lassen. Hervorzuheben ist hier be- 
sonders L. 13, welches in der Fassung von Deutschsp. 13 er- 
heblich abweicht, wahrend U. 16 so genau mit Deutschsp- 13 
iibereinstimmt, dafs eine Mittheilung des Capitels aus U. ent- 
behrlich ist. Eine hochst charakteristische Stelle fiir die Aen- 
derungen des Urtextes in Z. ist ferner L. (Z) 15, in welchem 
Capitel die Enterbungs- resp. Indignitatsgriinde aufgezahlt 
werden. Der Deutschsp. lO fiihrt bekanntlich nur drei Grfinde 
auf, welche sowohl fiir den Vater als den Sohn Enterbungs- 



') Am Ende von L. (Z) 12 fligt U hinzu: ab iz im gleich ebenburtik istj 
wiewol diese Worte im Deatschsp. 16 fehlen. 



55 

griinde sind, der Schwabensp. dagegen vierzehn. Abgesehen 
von den Abweichungen im Einzelnen, registrirt nun der Cod. 
Z. am Ende des ganzen Capitels, dafs die ersten drei der 
aufgeflihrten vierzehn Ekiterbungsgrfinde zugleicli Enterbungs- 
gr^nde des Yaters gegen den Sohn und des Sohnes gegen 
den Vater seien. Im Cod. U. dagegen steht, sowie in A. 16*) 
diese Stelle hinter dem dritten Enterbungsgrunde, so dafs 
Deutschsp. 19 getreu und ununterbrochen wiedergegeben und 
nur am Schlusse durch Aufzllhlung von noch eilf Enterbungs- 
grtknden vermehrt wird. Es ist klar, dafe hier in Z. eine ver- 
besserte Anordnung der einzelnen Satze dieses Capitels mit 
RtLcksicbt auf den vermehrten Stoff versucht worden ist, in 
U. und A., sowie im franzos. Schwabensp. 1, 17 und im 6r. 
FoL Dr. §. 253 dagegen die ursprungliche, nun freilich nicht 
mehr ganz logische Satzfolge erhalten ist ^). 

Ein drittes Beispiel bietet L. 144^. Der Schlufs dieses 
Capitels lautet in Z.: tmd ist es ein burc. so suln alle die 
darzuo helfen, die in dem gerichte sitzent dri tage mit ir 
eigenr spise. da% man den graben oder den here mit schu- 
vein eben mache, ob si darsuo geladet tcerdent mit des rih- 
ters boten. 

Dagegen in: 
Dtschsp. 327: Den graben tmd U. : vn ist is ein burc so sal 
den perch sol man ebenen man den graben eben machen 
mit spaden. Alle die in dem mit schuffeln, Alle di in dem 
gerichte geses&en sifit. die gerichte sint gesezzen. di 
sullen darzu helfen drei tage sullen dorzu helfen, dri tage 
mit ir selber speise. ob si mit irer eigenen host, ab si 
darzu geladen tcerdent mit dorsu geladen werden mit 
gerichte, des gerichtes boten. 

An diese grofseren Veranderungen des urspriinglichen 



') Note 15 bei v. Lafsb. beruht auf einem Irrtbum. 

^) Dafs diese Stelle ein Beweis dafUr ist, dafs der Schwabensp. aus dem 
Deutschsp. entstanden ist, hat schonFlcker, Uber einen Spiegel deutscher Leate 
S. 52, angedeutet. Denn nur wenn derjenige Text, der uns im Deutschsp. 
erhalten ist, die Quelle des Schwabensp. war, erklalrt es sich, dafs im letzteren, 
trotzdem er 14 Enterbungsgrttnde hat, die an den Schlufs des Capitels gehorige 
Stelle sich hinter dem dritten Enterbnngsgronde findet. 



56 

Textes, die sich in Z. aii#iecken lassen, schlieiken sich einige 
kleinere, aber deshalb nicht minder bezeichnende an. Li. 
(Z) 45 beginnt: Alle die iar tmd tac, ebenso Cod. Ambr. 41, 
dagegen U. ebeuso wie Deutschspiegel 43: D% ouch iar 

en tak. 

L. (Z) 63 beginnt: nu Muln wir iuch heschMen, dagegen 
U. [Deutschsp. 59, Ambr. 55]: nu suln.wir euch lanen 
wimen, 

L. (Z) 145 liest: uf ir ahsel, ebenso Ambr. 125 z. 4, 
dagegen U., Deutschsp. 328, Sachsensp. IH, 69, §. 1, Gr. Pol. 
Dr. §.81: uf der schuldem. 

L. (Z) 147'' z. 4 hat scheident, dagegen U., Dtschsp. 333, 
Cod. Bas.-Faesch u. Gt. Fol. Dr. §. 279: &u>eien. 

Solche kleine Varianten sind zwar an sich unwichtig, 
aber da es gerade wegen ihrer Irrelevanz anf den Sinn und 
Zusammenhang eine durchaus unzulassige Annahme ware, sie 
seien absichtlich und bewufst in einen bereits geanderten Text 
hineincorrigirt worden, so rechtfertigen auch sie die Annahme, 
dafs der Cod. U. dem urspriingliehen, duroh Ueberarbeitung 
des Deutschsp. entstandenen Schwabensp.-Text naher steht 
als Cod. Z. 

5) Unter den zahlreichen Varianten, welche zwischen U. 
und Z. existiren, giebt es nun auch allerdings einige wenige, 
denen zufolge Z» mit dem Deutschsp. stimmt, wahrend U. ab- 
weicht. Diese Varianten sind jedoch sammtLich unbedeutend 
die yerhaltniTsmaTsig wichtigsten sind folgende: 

In L. 49 z. 1 lesen Z. , Deutschsp. 47, A. 43 : triuelos, 
dagegen U.: rechtelos. Die Worte in L. 57 z. 10: y^oder sin 
erbe ob er tot ist^ werden durch Deutschsp. 52 bestatigt 
[siehe auch A. 50] , fehlen aber in U. und, wie es scheint, 
nicht blofs wegen unabsichtlicher Auslassung einer Zeil^, da 
sie in den drei Basel. Papierhandschriften und dem Codex der 
Ztlrch. Wasserkirchbiblioth. [Wackemagel 50 note 11], sowie 
in dem Cod. Bern. I, 56 fehlen. 

In Uebereinstimmung mit den eben genannten Hdss. liest 
gegen Ende von L. 137^ der Cod. U.: da&selbe g&richte suln 
die burger tuon vber di dorfer^j wahrend Z. und die andern 
alten Mss. in Uebereinstimmung mit Deutschsp. 317 '^ i. f. 



57 

richtiger.lesen: dasselbe sol man eber burger tuon end vber 
dorffer, 

Endlich haben am Anfang von L. 151, Z. und Dtschsp. 
336: Der kunic vnd ein iegelich richter, wfthrend U. nur hat: 
Ein iccUcb richter. 

IV, TerbUtnirs der Handtclurlfl U. en L. mli Bttchttoht AOf dmn Dtp, 

S&mmtliche Stellen, welche unter No. HE angefilhrt wor- 
den sind, gehdren demjenigen Theil des Schwabensp. an, in 
welchem der Cod. La&b. defect ist, da fikr die andem Theile 
eine Vergleichung mit Z. gegentiber einer Vergleichung mit 
L. von geringerem Intereese ist. Es kann sich vielmehr, nach- 
dem wir gezeigt haben, wie sehr Z. und U. von einander ab- 
weichen, nur noch darum handeln, in welchem Verhaltnifs 
die Texte U. und L. zu dem Deutschsp. stehen. Diese Ver- 
gleichung bietet nun aber keine so erheblichen Resultate, wie 
die Zusammenstellung von U. mit Z. und Deutschsp. Wahrend 
Z. ganze Satze ausgelassen und verSndert hat, beschr&nken 
sich die nachweisbaren Abweichungen des C!od. L. von dem 
pr&3umtiven Schwabenspiegel-Urtext, soweit er sich aus ei- 
ner Vergleichung von Deutschspiegel und U. vermuthen lafst, 
grdfstentheils auf einzelne Worte und unbedeutende Wen- 
dungen. 

1) Die erheblichsten Abweichungen von U. und L., in 
denen U. durch den Deutschspiegel unterstutzt 
wird, sind folgende: 

L. 85 i. A. muTs es statt ane daz heifsen, wie in U : ane 
des richters erloup, Deutschsp. 76 ; vergl. Wackernagel 70. 
L. 86 *" lautet: Swelh rihter Dagegen U. (Deutschsp. 77): 
gut nimet von einem der un- Welch richter gut nimt, von 

reht hat. der tut alse Ju- einem der unrecht hat, en 
das. .der verkouffet reht das wider einen ret, der 
unrehte bluot ende das rehte recht hat. der tut recht 
bluot u. 6. f. als Judas, der verkoufte daz 

unschulde bluot vnde da% 
rechte bluot etc. 
In L. 88 z. 9 heifst es statt: vnde ist im dez guotes schul- 
dig etc., in U. und Deutschsp. 79: en ist im der rat nuzze 



58 

so ist her im doss gut schuldig. In L. scheint eine Zeile aus- 
gefallen zu sein. 

L. 90 z. 12 hat irrthtlmlich : die so getan guot gebent. Rich- 
tiger steht in U., sowie im Deutschsp. 80" i. f.: d% han tot- 
liche shnde di so getan gut nemen. 

L. 94 z. 4: daz toandelot er, U., Deutschsp. 83: des hat 
her keinen sch(iden, des wort her da sprichet; ebenso Gr. F. 
Dr. §• 89. 

L. 98 "* i. f.: da toettet man ettoa umbe fitrnf schillinge. 
ettoa ein phunt. etwa me. ie alse die getconheit ist in dem 
lande. Dagegen 

Deutschsp. 87: da toettet man U. da toettet man ettoo umme 
ettoa fiinf schilling, etwa fumf schillinge. etwo ein 
drei schilling, etwa ein phunt. vn etwo dri schil- 
phunt. etwa mer. ie als dev tinge, etwo mere, y als den 
gewonheit danne ist in dem di gewonheit ist in dem lande 
lande vnd in den steten. ende in den steten^). 

In L. 98* fehlen die fur den Sinn wichtigen Worte: her 
hab in denne kemphlichen angesprochen. U. 97, Dsp.87. 

L. 101. [S. 52 col. 1 i. £] liest: die mich liplich neit ge- 
sehen noch gevinden mugen, dagegen U. 100, Dsp. 91 : die mich 
liplichen nicht einden. si vinden mich aber gotlichen. 

Im cap. L. 118 z; 4 hat U. hinter y^swenne er gewihet 
tcirt^ die Worte: eh uf den stuol zu ache gesazt wirt. 
Vergl. Deutschsp. 285 und die bei v. Lafsb. note 78 citirten 
Handss. 

L. 213 (Seite 100 Col. 2 Zeile 5 v. u.) liest: yymag er 
daz bereden.^ U. Deutschsp. 165, Sachsensp. 11, 54 §. 6, 
Wackem. 179 z. 11: getar her daz bereden, 

Im cap. L. 251 schiebt U. hinter den Worten: y^mit im 
furen fur gerichte^ [Zeile 8] ein: vnde ane wafen wen mit 
swertern, Vgl. Sachsensp. 11, 67, Deutschsp. 188, Ambr. 107. 

Im cap. L. 310 i. A. steht hinter y^guldinen phenningen^ 
inU. : die war en phundik vnd der phennige nam (man) 
einen tor zehen silberne phenninge. Vgl. Sachsensp. 
m, 45 §. 1, Deutschsp. 283, Ambr. 245 z. 3. 4. 



>) Vergl. ttber diese Stelle Ficker a. a. 0. S. 114. 



59 

L. 317 Zeile 3 hat: der daz offenliche hat gehalten; da- 
gegen U.: der da» offenlichen gehoufi hat vn vnhelichen 
hat behalden, genau tlbereinstimmend mit Sachsensp. II, 
36 §. 1 : die dat openbare gekoft hecet vnde enhalinge gehal- 
den heeet. Mit U. stimmt auch Ambr. 265. In demselben 
Gap. 317 fehlen in L. [S. 140 col. 1 z. 15] hinter: y^ende ist 
das eihe erger^ die Worte: her muz i» bezzern, 

f^ndlich ist noch bemerkenswerth, dafs die Worte in L. 
114% welche auch in Ambr. 96 z. 25 stehen: div dritte 
hant dem ez die ander hant da lihet^ im Cod. U. und 
im Deutschsp. 106 fehlen. 

2) Im Gegensatz zn den angefikhrten Stellen lassen sich 
nun auch einige anfbhren, in denen L. mit Deutschsp. 
iibereinstimmt, wS,hrend U. abweicht. Hierbei be- 
rtkcksichtige ich tlberall solche Stellen nicht, welche in U. 
durch einen Schreibfehler, durch eine auf offenbarem Verse- 
hen beruhende Auslassung oder Wiederholung corrumpirt sind, 
ebenso wenig blofse Aenderungen der Wortstellung oder Ver- 
schiedenheiten des Dialekts. Der tlbrig bleibenden Abwei- 
chungen, welche zur Vergleichung mit dem Deutschsp. sich 
eignen, sind nur sehr wenige und unbedeutende. 

L. 86* i. f. Deutschsp. 77 haben: wider gott tmd wider 
den liuten, U. und Gr. Fol. Dr. §. 74: wider gott und das 
recht. 

L. 100* Deutschsp. 90. A. 81 lesen: verteilet ist, U. und 
Gr. Fol. Dr. §. 162 : ist angewunnen. 

In L. 114* hat L. tlbereinstimmend mit Deutschsp. 106 
und Ambr. 96: die daz hoeren wedere voUekome an der vr- 
teil f>or dem ktcnige, wahrend U. und Telb. nur haben: die 
daz hoeren welcher volkume [wederer vollechome\. 

In L. 122* a. E. zwischen den Worten: y^der in der ahte 
ist^ und y^den suln die fursten nut ze kitnige kiesen^ schie- 
ben U., Z. und Gr. Fol. Dr. §. 21 ein: ,^ader ein kezzer ist *). 
Dagegen fehlen diese Worte aufiser in L. im Sachsensp. Ill, 
54 §. 3 und Deutschsp. 295. 



') Noch ausfUhrlicher ist Cod. Ambr. 102 z. 15 : „oder ein heideti oder ein 
jude oder ein ketzer ist,*^ 



60 

Ich WBge nicht zu entscheiden, ob die mitgetheilten Ab- 
weichungen von L. und U. den Schlufs reohtfertigen, dafs 
uns in U. ein besserer, dem aus dem Deutschsp. entsprunge- 
nen Urtext nSlier stehender Text erhalten sei, wie in L. ; das 
aber halte idi flir sicher, dafs U. dem Lafsb. Texte je- 
denfalls nicht naobsteht, und dafs er daher nicht nur 
wegen der Defecte des Cod. L. von besonderer Wichtigkeit 
ist, sondem auch zur Emendirung von L» ein vortreffliches 
Hfilfsmittel bietet. 

3) Es bleibt nun noch iibrig, diejenigen Abweichungen 
von U. und L., welche zu einer Vergleichung mit dem Deutsch- 
spiegel und Sachsenspiegel sich nicht eignen, zu bertthren. 
Ein vollstandiges YariantenverzeichniTs der Handschiifl U. 
zu geben, liegt nicht in meiner Absicht, zumal v. Daniels 
in dem angektindigten Varianten- Apparat zum Schwabiechen 
Eechtsbuch, der Vorrede zum dritten Bande der Kechtsdenk- 
maler zu Folge, diese Handschrift mit beriicksichtigt hat. Of- 
fenbare Fehler und Irrthtlmer lasse ich sowohl in U. als L. 
unberfLcksichtigt, und ich will nur solche Abweichungen her- 
vorheben, welche far die Wiirdigung des Codex U. von Ein- 
flufs, oder welche an und ftir sich von sachlicher Bedeu- 
tung sind. 

a) Zu den ersteren ist zu rechnen, dafs der Cod. U. in 
L. (Z) 130 und im Cap. Lehnr. 8* den herzoge von Bey em 
als Wahlfilrsten nennt, und dafs im Lehnr. 115. 128* [Lafsb.] 
der Cod. U. weder Priedrich noch Konrad, sondem minen 
herm N hat. 

b) Bei den meisten Abweichungen hat U. die vollere, 
L. die kiirzere Form und U. sonach die Vermuthung des 
besseren Textes fiir sich. So hat U. im Cap. L. 79 die in L. 
fehlenden Worte: ader an der stat ist daz her im aber nicht 
enmchen mochte, genau wie im Gr. Fol. Dr. §. 165. Vergl 
A. 63 z. 15. — Der Schlufs von L. 89 lautet in U.: da^ her 
einem sines rechtes hilfeU ader sines unrechtes. vmme keiner 
slachte gut, — Eine bedeutend vollere Form als L. 172 hat 
U. , namlich: Etwo ist gewonheit^ daz man zwelf man nimt. 
di dem richter sullen helfen richten. vn di heizen 



61 

schepphen. di selben suln wise luite sin, di suln eor 
gerichte a^rteil tinden. en nymant anders. i« sal ir 
icclicher uf sine bank sica^en, m sal vrteil tinden um eine 
iccliche sache. 

Jm cap. 202 i. A. lautet L. : steer ez daruber iuot, swi 
toening er snidet end ist e^ ein» phenninges toert oder turre 
e^ gat im an da^i leben, dagegen U. [vergl. A. 173]: wer tis 
aber tuot. u>i toenink her snidet. en ist iz eines phenninges 
toert. i» get im an di hant. ist i» eines schillinges 
toert ader tuotoer ez gat im an daz leben. Yielleicht erU&rt 
sich die Auslassung in L. au8 dem ofAotoreXevrov. 

Der Schlufs von L. 230 lautet in U. : da sol yder cleger 
umme sin gut niht eerlise en sterb ich ader enttoiche ich 
daeon, so sal der clagen, des das guot ist. — L« 321 i. f. liest: 
ende si beidie irem gesinde, U. richtiger: si suln ouch beide 
ir gesinde eon in tuon, ebenso Ebn. C!od. §. 311, A. 267 
zeile 10. 

c) Die Verktlrzungen, welche der Text U. dem 
Teste L. gegentlber aufweiset, aind durchweg sehr un- 
bedeutend und grofsentheils der Art, dafs in U. die bessere 
Lesart erhalfen ist. Es fehlen z. B. in U. die beiden letzten 
Worte von L. 256: der froutoen. Dieselben storen den Sinn 
und fehlen aufser in U. in s&mmtlichen bei Wackern. 211 
note 9 verglichenen Handschriften. Das y^an^^ welches ,,da- 
ran^ bedeutet, scheint dem Schreiber unverstHndlich gewesen 
zu sein und eine ErgHnzung, an wem der Kichter schuldig 
werde, bedurft zu haben. Die franzos. Uebers. II, 35 [v. Da- 
niels col. 700] hat ebenfalls einen ergSnzender Zusatz , triffib 
aber den Sinn bei weitem besser, indem sie sagt: aneer dex 
et aneer lo munde [an Gott und der Welt]. 

d) Von denjenigen Stellen, in den en U. eine and ere 
Fassung hat als L. , will ich nur solche anftQuren, in de- 
nen sich ein anderer Sinn ergiebt. L. 170 hat: end bi ft- 
nen heiligen ewangelien, dagegen U.: man sal ouch stoem 
uf den heiligen ewangelien, ebenso A. 147 z. 18, welche Va- 
riante fllr die Formalitaten bei der Eidesleistung von Wich- 
tigkeit ist. Statt nach einem. der im den eit git [L. 263 z. 8. 9. 



62 

A. 215 z. 5] hat U.: der im den eyt 9tabet ^). L. 286^ 
liest: dc^ en umoise luiie nuit geerben mugen [vgl. Wacker- 
nagel 235 note 39], dagegen U.: [A. 235 z. 13]: dca ein 
icclich gerichte wiser luite nicht entpem mag. 

T. Verhftltnirs des Cedex U. ea elnigen andem der Utesten 

Hands chrl ften. 

Nachdem durch vorstehende Erorterungen, wie ich hofie^ 
das Verhaltnifs des Cod. U. zu L. und Z. klar und iiber- 
sichtlich gemacht ist, diirfbe noch kurz das Verhaltnifs von 
U. zu einigen andem der altesten Handschriften, namentlich 
zu solchen, welche nicht zur Fanuli^ L. gehdren, zu beruh- 
ren sein. 

1) ZunS,chst Ziehen die von Pert z *^) beschriebenen Ber- 
liner Bruchstticke die Aufmerksamkeit auf sich. Leider 
ist nur ein so kleiner Theil derselben bekannt gemacht vror- 
den, dafs eine Vergleichung derselben mit andern Handschrif- 
ten nicht geniigendes Material zu festbegrfindeten Schlufsfol- 
gerungen bietet. Dazu kommt, dafs sammtliche von Pertz 
mitgetheilten Stellen dem Theil des Schwabenspiegels ange- 
horen, in welchem die Quelle desselben, der Deutschspiegel, 
sich eng an den Sachsenspiegel anschlieist, wo also die Be- 
deutung des Deutschspiegels fiir die Textkritik des Schwa- 
benspiegels bedeutend vermindert ist. Fiir unsern Zweck ist 
noch der Umstand zu bedauem, dafs gerade keines von den- 
jenigen Capiteln mitgetheilt ist, in denen zwischen U. und L. 
bedeutendere Varianten vorkommen. Fast uberall, wo B. von 
L. abweicht, stimmt U. mit L. 

In L. 209 und U. heifst es : darnach gebieten^ in B. : ge- 
bieten darnach; in L. und U.: ein ledic man, in B. : ledich 
si; in L. u. U. : ehafte not letzet, in B. : e. n, irret. In B. 
sind L. 209. 210 zu Einem Capitel verbunden, U. hat bei L. 
210 eine Rubrik^). 



>) Vergl. Grimm, Rechtsalt S. 902. 

2) Archiv der Gresellschaft fUr altere deutsche Geschichtskunde X (1851) 
S. 415 ff. 

') In dieser Hinsicht stimmen U. und L. mit Deutschsp. 157. 



63 

In L. 210 haben U. u. L.: vmb ander t>retel^ B.: umb 
fravel. 

Die Worte in L. 213: harten und sahn, welche in B. 
fehlen, stehen in U. wie in L. ; B. liest: zaigen, U. u. L.: 
bewisen; da» is also si fehlt in B., steht in U. u. L. L. hat: 
blibet ienem dock der awesel^ U.: blibet ienem der atoar" 
sen; B.: nem er den awersen; der in U. u. L. stehende Satz: 
di suln des jsti den heiligen stoem, daz si is habn fvr in ge^ 
triben fehlt in B. g&nzlich; endlich lesen in demselben Capi- 
tel a. E. U. u. L.: tees i» toert torn, dagegen B.: toes daz 
vich toert teas. 

In L. 301 fehlen in B. die Worte: loider [vor uztreiben] 
und vorschet man sin^ welche in L. u. U. stehen. 

In L. 302 fehlen in B. die Worte: vnde er toenet e% si 
sin, welche nicht nur in U. u. L., sondem auch im Deutsch- 
spiegel 267 stehen, femer: er sol e% dannoch toidergeben. Da- 
gegen hat B. mehr: ob iz unwissent geschiht, welche Worte 
in U., L. und Deutschsp. fehlen, und liest ackerlant statt 
acker. U. u. L. lesen: ob er geinnert toirt, B.: toirt er sin 
geinnert. U. und L. haben keine neue Rubrik bei: Stcaz der 
man jar vn tac^ B. beginnt in Uebereinstimmung mit Deutsch- 
spiegel 268 ein neues CapiteP). 

In L. 307 fehlen in B. die Worte: di toile er in get>an» 
gen hat; femer liest B.: er laist ob er toily dagegen L. u. U.: 
so mag er leisten oder neit, daz ist an siner tcal^). 

Eine Stelle, in der L. mit B. stimmen, dagegen U. von 
B. abweichen wtlrde, existirt nicht, von orthographischen 
Varianten abgesehen, dagegen stimmen U. undB. an ei- 
nigen Stellen iiberein, an denen L. abweicht. Es 
fehlen namlich in L. 210 die Worte: her ist der klag schuU 



') Am Ende des Cap. hat B eine Umstellung der Worte; wfthrend es nttm- 
lich in A. 248 U. Dsp. 268 heifst: Swaz der man jar vn tak in rehter gewer 
niht enhat, da sol etc., mofs es in B nach dem von Pertz mitgetheilten Facsi- 
mile geheifsen haben: [awaz der man in {rehter gewer niht enh<U iar) vn tach 
da ioL 

') Weiterhin weicht U von L etwas ab, eine Vergleichung mit B ist aber 
wegen der fragmentarischen Beschaffenheit der vorhandenen Pergamentbmchstttcke 
nicht moglich. 



64 

die, welche in U., B. u. Deutschsp. 157 [auch Ambr. 178] ste- 
hen; L. 213 enthalt die Worte: tmde sagent di, welche in U. 
u. B. fehlen; die Ueberschrift von L. 302 heifst: der fromedes 
horn snidet^ in U.: der fremdes korn snidet untoissen, eben 
80 hei&t es in B., von welchem jedoch nur der erste Theil 
des Wortes y^unwissen^ noch erhalten ist. Endlich fehlen in 
L. 302 die Worte jar und tak, welche in U., B. u. Deutsch- 
spiegel 268 und fast alien alten Handschriften stehen; dafs 
sie aber nicht zufallig ausgelassen sind, ergiebt sich daraus, 
dais sie in den drei Baseler Papierhandschriften und dem 
Ztbricher Wasserkirch-BibL- Codex auch fehlen (Wacker- 
nagel 248 note 2). 

Es ergiebt sich hieraus, dafs auch auf U. die Angabe 
Fickers^), ^^dafs alle andem Handschriften im Teste ge- 
meinsam von B. abweichen, w3>hrend die erhaltenen Bruch- 
stiicke zu gering sind, um nach anderen Merkmalen eine nar 
here VerwandtschajEl zu dieser oder jener Handschrifb erken- 
nen zu lassen^, vollst&ndig pafst. Wenn es aber erlaubt ist, 
aus den wenigen Bruchsttlcken auf das Ganze zu schliefsen, 
so ergiebt sich, dafs U. von B. jedenfalls nicht weiter 
entfernt ist, als L. 

2) Eine andere Handschrift, auf welche durch Ficker 
a. a. O. S. 122 ff. die Aufmerksamkeit besonders gelenkt wor- 
den ist, namlich die Schnalser Handschrift zu Inns- 
bruck (Homeyer 352) bietet bei der Vergleichung mitU. 
zwar ein bestimmteres, aber fast durchweg negatives Resul- 
tat. Ficker hat a. a. O. angegeben, welche Capitel die Hand- 
schrift S. enthalt, welche ihr fehlen; ich brauche mich daher 
rdcksichtlich des Umfanges nur hierauf und auf das oben an- 
gegebene Verhaltnifs von U. und L. zu berufen. 

Was den Text selbst anlangt, so konnen nur die von 
Ficker mitgetheilten Proben zur Vergleichung herangezogen 



*) Ueber einen Spiegel etc. S. 127. 

') Wenn ttbrigens Ficker a. a.0. S. 129 eine n&here Verwandtschaft van 
B. mit dem Deutschsp. wegen der Uebereinstimmung mit L. 301 annimmt, so 
dOrften dagegen wol auch die oben angegebenen erheblichen Abweichungen in 
L. 302 [vergl auch vorhergeh. Seite note 1. 2], in denen sich B. weiter von 
Deutschsp. entfernt als L., und besonders als U. zu erw&gen sein 



65 

werden. Aber auch bier zeigt sich, dafs die eigentlich cha- 
rakteristischen Merkmale von S. in U. fehlen, insbesondere 
gUt dies von den Capiteln S. 6. 7. (L. 3), in denen U. von 
L. (Z) nur in unwesentUcben Varianten abweicht. Ebenso 
wenig finden sich die wicbtigen und eigenthtlmlicben Lesar- 
ten des Lebnrecbts S. 55 in U. Lebnr. 43 wieda:, vielmebr 
nennt U., wie die tlbrigen ELandscbriften, bier den Marscbalk, 
nicht den Scbenken, als Reicbsyicar und spricbt am ScbluTs 
von zioene kerren, nicbt von dri fursten^). 

Dagegen stimmt U. mit S. in dem Capitel L. (Z) 130 
[Wackernagel 110], indem es zwiscben die Erw&bnung des 
zweiten nnd die des dritten weltlicben Cburfbrsten die Worte 
einscbaltet: Der Bischof eon Choln. ist Cameler %u Lampar- 
ten. Der van Trire ist Canzeler an dem kunge 9u Ache [soil 
beiTsen ^u Arle] da» sint dre ampt. di gehom »u der kuor, 
und im Anfang mit Cod. Z. [nicbt mit A.] stimmt^). Lei- 
der ist gerade aucb in diesem Capitel der Cod. Lalsb. de- 
fect, so dafs sicb bier nicbt fesstellen l&fst, ob die so ver- 
scbiedenen Textformen angeborenden Handscbriften S. u. U., 
wozu nocb der alte Druck §. 30 und die altfranz. Uebers. I, 
128 kommen, nur zuf^llig in dieser merkwtbrdigen und durch 
die Fassung im Ambr. Cod. 110 lun so auffallenderen Stelle 
iibereinstimmen, oder ob sie der ganzen Familie L. angebore. 
Da U. an so vielen Stellen mit L. flbereinstinmit, an denen 
Z. abweicbt, und da der Cod. Bern, dieselbe Lesart bat wie 
U. , so kann der Cod. Z. eine Yermutbung fiber L. bier nicbt 
begriinden ®). 

In dem langen Capitel L. 92, welcbes Ficker a. a. O. 
S. 124 aus S. mittbeilt^ finden sicb sebr zablreicbe, wenn aucb 
nicbt bedeutende Varianten zwiscben S. und L. U. stimmt 
meistens mit L. , nur an sieben Stellen bat es dieselben Les- 



') Vergl. Ficker a. a. O. S. 125. 

^) Ficker a. a. O. S. 116. Mit U. und S. stimmt auch der God. Frib., 
auf den besonders Gewicht zu legen; die entsprechende Stelle [§.126] ist von 
Phillips in den Sitznngsberichten der Wiener Akademie XXVI [1858] S. 152 
note 606 mitgetheilt worden. 

') Wttnschenswerth wttre es, die Lesart des Cod. Telb. kennen zn lemen. 



66 

arten wie S., und zwar sind filnf davon solche Stellen, an 
denen der Deutschsp. 81 mit S. stimmt^ walirend Ii. von 
Deutschsp. abweicht^); die beiden aiadem Stellen sind un- 
bedeutend, U. und S. lesen namlich andertveide ^^ ^ dagegen 
L. andresty Deutschsp. anderstunt. In den Schlufsworten 
weicht U. sowohl von S, als von L. ab, und steht an die- 
ser Stelle dem Deutschspiegel naher als jede dieser beiden 
Handschriften. 

Es hat namlich: 
S.: er mua den pan ouch anderwdde enphahen. nah des chu- 

niges tode hat er den pan al di wile end das er rihter ist, 
L.: er tnu& denjpan andrest enphahen^ nach des kivniges tode. 

So hat erz alle di wile er lebet. xmde rihter ist. 
Dagegen U. : her mtxis den ban andertoeide entphahen. nach des 

kuniges tode. So hat er in all di toile her richter ist 
und Deutschsp.: er muz den pan anderstunt enphahen naeh 

des chuniges tode. So h($t er in all die iceile vnd er riehr- 

ter ist. 
Auch die Vergleichung in diesem variantenreichen Capi- 
tel beweist, in welch' hohem Mafse im Cod. U. die ursprtog- 
lichen Lesarten erhalten sind. Sowohl S. als L. zeigen 
bei weitem mehr Abweichungen von Deutschsp. als 
U., indem U. an alien den Stellen mit L. tlberein* 
stimmt, an denen L. die Lesart des Deutschspiegels 
hat und fast nur an solchen abw^icht und mit S. 
stimmt, wo sich die Lesart des Deutschspiegels in 
S. wiederfindet. 

3) Von der Freiburg er Hs. lafst sich im Allgemeinen 
nur wiederholen, was von S. gesagt ist. F. weicht in Anse- 
hung des Umfanges der Handschrift und der Zahl und An- 
ordnung der Capitel von U. ebenso wie von L. aufserordent- 
lich ab ^), hat im Einzelnen aber viele mit U. harmonirende 



*) Diese fiinf Stellen sind diejenigen, zu welchen bei Wackern. 76 die No- 
ten 60. 63. 69. 72. 79 gehoren. Aus* dieser Angabe und den bei Fickor S. 124 
gesperrt gedruckten Worten kann man leicht diejenigen Worte auffinden, in denen 
IT. mit S. nnd Deutschsp. stimmt. 

') Cod. Ambr. (Wackernagel 75 nott. 76. 80) liest ebenfalls anderweide, 

^) Das Nfthere braucht hier nicht ausgefilhrt zu werden, da das Ver- 



67 

lesarten. Die bei Amann *) aus F. mitgetheilten Capitel 
L. 184. 313 bieten keine Varianten, die erheblich genug wft- 
ren^ um Schlufsfolgerungen darauf zu bauen. Dasselbe gilt 
von den von Wackernagel zu cap. 308 — 315 aus P. mit- 
getheilten Lesarten. Vergl. jedoch oben S. 66 note 2. 

4) Das tkber F. Bemerkte findet in erbdhtem Mafse in 
Betreff des Gr. Fol. Dr. Anwendung, ebenso in Betreff des 
Cod. Ambr. Ln Ghrofsen und Ganzen entschieden abwei- 
chend, stimmt U. mit diesen beiden, unter einander wieder 
8o verschiedenen Becensionen in vielen Einzelheiten, wie sich 
aus vielen, schon im Verlauf unserer Darstellung angeffthrten 
Beispielen ergiebt. AUe diese sich kreuzenden Uebereinstim- 
mungen und Abweichungen konnen den gedachten Recensio* 
nen keine andere Stelle zu U. geben, als sie sie zu L. ein- 
nehmen. Ihnen gegenilber gehdrt U. durchaus zu einer frem- 
den, durch L. reprS^sentirten Familie, und nur bei Feststel* 
lung des Testes im Einzelnen treten sie zu U. in individuelle 
Beziehung. Aber auch dieses YerhSltnifs zuU. in.Ansehung 
der Lesarten im Einzelnen und GeringfUgigen laist sich nicht 
zusammenfassend bezeichnen, denn die oft tlberraschenden 
Gleichheiten oder Aehnlichkeiten an sehr zahlreichen Stellen 
werden durch eben so viele, oft nicht minder aufiallende Ab- 
weichungen und Verschiedenheiten paralysirt. Bei einer ge- 
nauen Vergleichung der verschiedenen bekannt gemachten, 
hervorragenden Schwabenspiegel-Mss. erscheint die Textge- 
staltung grade mit Btkcksicht auf das Detail innerhalb der ein- 
zelnen Capitel als ein noch vollig unentwirrbares Labyrinth. 

5) Besonders zu erwahnen ist noch der Berner Codex, 
welcher die franz. Uebersetzung des Schwabenspiegels enthalt. 
Derselbe, oder vielmehr der ihm zu Grunde liegende deutsche 
Text gehort zur FamilieL. und zeichnet sich wegen seiner auffal- 
lenden Verwandtschaft mit U. aus. Dafs er in vielen Lesarten mit 
U. stimmt, haben wir schon im Vorhergehenden anzuftkhren 6f- 



hftltoifs des Cod. F. zur Senkenbergschen und Lafsbergscben Ausgabe durch 
Amann notitia aliqtiot codicum mss, etc. I. II. 1836. 1837 und Ficker a. a. O. 
S. 83 ff. hinliinglich bekannt ist. 

') Amann 1. c. Fascic.I pag. 22. 35. 

5* 



68 

ters Gelegenheit gehabt. Er enth§,lt dieselben Capitel und 
in derselben Reihenfolge wie U. , das Capitel „tJon freyen leik- 
ten^^ welches gewobnlich zur Vorrede gehort [Lafsb.Vorw. A] 
ist im Cod. Bern. , wie in U. , ein besonderes Capitel, die Ab- 
handlmig von der Ehe ist der vorletzte Artikel des Land- 
rechts, ganz wie in U. Fast in alien wichtigen Abweichun- 
gen und Eigenthiimlichkeiten von U., die im Vorstehenden 
angefiihrt worden sind, wird U. von der franz. Uebers. be- 
statigt. Es wird daher gentigen, auf diese AnfCkhrungen zu 
verweisen, und ich will nur wenige Stellen hinzufilgen, in de- 
nen U. und Bern, ven L. und den meisten andem Hand- 
schriften gemeinsam abweichen. 

In der Vorrede bei den Worten: chunic Constantinus, 
sante Helenen sun, hat U. den Zusatz: die das heilige 

cruoce eant. Cod. Bern, liest: qui fu fi» sainte Elene, 

qui trotdt la sainte croiSy ou deu fu coroner. Der Schlufs 
von L. 241 lautet: Diz reht hant die tuben tmd die phawen. 
Umbe eische ende eogele. vnde umbe toilt verluest nieman noch 
terwirket nieman sinen lip gkr, 

Dagegen in U.: /)»» recht han Cod. Bern. II, 20: Tel droit 
di tuben t>n eische, en disons nos deis colons 
urn vogle t>n umme toilt et deis poissons qui sunt 
vervoirket nymant sinen lip au sauvoir et d*ossiaul 
gar. gentil. Por bestes sau- 

sages ne doit nuls perdre 
ne cors ne manbres. 
L. 263 [S. 118 i. f.]*) liest: tmde so dir helfe die e. div got 

selbe da schreib in monte Sinay, 
dagegen U. ausf&hrlicher: tmde so dir helfe di e. di got da 
schreib mit siner hant ende si gab dem herrn herrn 
Moysi in mote synay, 
und Cod. Bern. 11, 39: et ainsi se puiss aidier la loy, qui 
dex escrit de sa propre main et la donna d Moyses 
au mont de Synay. 
Trotz dieser grofsen Uebereinstimmung, welche sich Gbri- 
gens wegen der Sprachverschiedenheit bis in das kleinste De- 



>) Vergl. Wackern. 216 z. 10. 11. 



69 

tail sehr oft nicht verfolgen lafst, finden sich aber auch zwi- 
schen U. und dem Cod. Bern, manche erhebliche Differcnzen. 
Vor Allem ist das Landrecht im Cod. Bern, in zwei Theile 
getheilt und der Einachnitt bei dem vermeintlichen Beginn 
des Lehnrechts gemacht. Diese Abtheilung und die auch im 
Lafsb. Cod. vorhandene Schlufsformel fehlt in U., welches nur 
bei L. 220 die richtige und ursprOngliche Bubrik lehenrecht 
hat; cap. L. 220 fehlt im Cod. Bern.; bei L. 35. 162 i. f. hat 
Cod. Bern. I, 36, 167 Lftcken; bei L. 158 Cod. Bern. 1, 163 a. 
E. einen Zusatz. In I, 206 steht der in U. und L. fehlende 
§. 200* (Z) [Lafsb. 201 note 145]. Besonders aber hervorzuhe- 
ben ist, dafs Cod. Bern, in dem mit L. (Z) 130 tlbereinstim- 
menden cap. I, 128 als vierten Churfursten den Konig von 
Bohmen [K rois de bahaignie] auffilhrt, wahrend U. den Her- 
zog von Baiem nennt. Ln Lehnrecht cap. L. 8 [Cod. Bem.7] 
dagegen f&hrt Cod. Bern., ebenso wie U., den Herzog von 
Baiem [dus de beuyers] als ChurfELrsten auf. 

6) Endlich kann nicht tiibersehen werden, dafs von al- 
ien Handschriften der Cod. Telbanger, so weit er bekannt 
gemacht ist, in Text und Eintheilung mit U. am meisten 
tibereinstimmt. Ich beziehe mich auf die oben mitgetheilten 
Yarianten, bei denen die Lesart des Cod. Telb. haufig be- 
riicksichtigt ist. Aus den Noten in der v. Lafsbergschen Aus- 
gabe ergiebt sich, dafs der Telbangersche dem Lafsb. Texte 
naher steht, wie irgend ein anderer von den in den Noten 
ber&cksichtigten. Die Uebereinstimmung von L. und U. be- 
deutet daher zugleich eine Uebereinstimmung von U. und 
Telbanger. Dazu k5mmt, dafs von den bedeutenderen Ab- 
weichungen zwischen L. und Telb., welche bei v. Lafsberg 
bemerkt sind, U. in folgenden mit Telb. stimmt: L. cap. 26 
note*, 76 note**, 95 note 56 u.*, 113 note *, 114« note **, 
118 note 78, 168 note 117, 178* note 126, 259 note 192, 
313 note*; dagegen mit L. nur in cap. 91 note*, 116* note*, 
175 note*, 194 note**, 259 note 193, also mit Telb. in elf, 
dagegen mit L. nur in funf Fallen. 



70 



B. Lehnrecht. 

Von derselben Hand, mit der das Landrecht geschrieben 
ist, findet sich auch in U. das Le&nrecht. Die Gestalt, in 
der es in der Handschrift erscheint, zeigt im Wesentlichen 
dieselben Eigenthtimlichkeiten, wie der Text des Landrechts. 

Der Cod. L. reicht bekanntlich nur bis cap. 93. In die- 
sem ersten Theile stimmt auch U. mit dem LaTsb. Druck sehr 
Hberein. Die bemerkenswerthesten Yarianten zeigen grade so, 
wie es im Landrecht der Fall ist, fast immer den besseren 
Text in U. Es sind folgende: 

Bei L. 1 * i. A. fehlen hinter y^nuit semper sint^ die Worte: 
tmde di niht elich gebome sint. Deutschsp. 2. 

In L. 8^ liest U., wie schon oben erwahnt: en der her- 
zoge von Beyern. 

L. 68* ist etwas corrumpirt U. 73 lautet in Ueberein- 
stimmung mit Deutschsp. 109: Lehens gewer mag nymani ge- 
zvik sin. teen der von dem herren belehent ist gememer ge^ 
wer ist ein icclich man g&ivik. der niht bescholden ist an si- 
nem Rechte u. s. w. 

In L. 77 Z. 9 hinter y^fur sine man^ hat U. 82: den tak 
sal er dem cleger kunden uber viraen nacht* [Deutschsp. 121: 
vnd sol taidinch dem chlager chuenden cierzehen nachtJ] 

An zwei Stellen ist U. ktirzer ab L., an beiden aber 
weist sich die Liicke in U. als ein durch ein OfAOi^Teksvtov 
verursachtes Versehen des Abschreibers aus. In U. 15 [L. 15] 
n&mlich fehlen die Worte : der herre sol daz gut behalten. daz 
im lidig worden ist jar vn tak, und in U. 61 fehlt Zeile 14 
von L. 56 : daz scha4et den kinden nuit an ir rehte. Im c. 15 
schliefst der vorhergehende Satz mit yfjar und tak^ und im 
c. 61 die vorhergehende Zeile mit ^rekte^. 

Die grofse Uebereinstimmung aber, welche uberhaupt zwi- 
schen U. und L. herrscht, zeigt sich sehr edatant an folgen* 
den Stellen: 

In L. 34 hat L. in der Rubrik und im Text den Schreib- 
fehler erbherren statt oberherren; dieselben Fehler finden sich 
in U. 36. Bei L. 42" i. £ weicht der Lafsb. Dr. von dem 



71 

Cod. LaTsb. ab, in welchem der Herausgeber einen Fehler zu 
finden glaubte. In U. steht die Stelle ganz genau, wie im 
Cod. L.: £« erbet nieman lehen wan der eater uf den sun 
dan erbkhen nach de% vater tode, wonach der LaTsb. Dr. auch 
in Ansehung der Abtheiludg der S&tze zu rectificiren ist. End- 
iich stimmt U. insofem mit L. fiberein, als an denjenigen Stel- 
len, an denen L. ein, einen Absatz andeutendes Zeichen hat ^), 
U. ein neues Ci^itel mit einer neuen Rubrik beginnt. U. 
wird in der Eintheilung durchweg durch den Deutschspiegel 
best&tigt, wahrend andere Mss., namentlich Z., in der Ein- 
theilung erheblich abweichen. 

Mit dem Aufhdren des Cod. L. verschwindet aber auch 
die Uebereinstimmung des Cod. U. mit der Lafsb. Druckaus- 
gabe, und es ist dies wieder ein Beweis, um wie viel U. dem 
Cod. Lafsb. n&her verwandt ist, als der Cod. Z. , da man nicht 
annehmen darf , dafs L. grade in den fehlenden Theilen von 
U. mehr abgewichen sei, als dies in den yorhandenen der Fall 
ist. Das Verh&ltnirs yon U. zu Z. im Lehnrecht ist ahnlich, 
wie das VerhS-ltnifs von U. [resp. L.] zu Z. im Landrecht, 
d. h. Z. enth&lt Capitel, welche, wie sich nun aus Deutsch- 
spiegel ergiebt, dem urspriinglichen Schwabenspiegeltext an- 
gehort haben, die aber in L. U. fehlen, w3.hrend andererseits 
Z. an sehr vielen Stellen schlechtere Lesarten aufweiset 
wie L. Z. 

Es fehlen in U. die dem ursprflnglichen Text angehd- 
renden capp. L. (Z) 121. 128«. 132«. 143*. 144«. 155. 156. 
157. 158. Hiemach stimmt U. mit einer Handschrifb, deren 
grofse Verwandtschaft mit U. schon beim Landrecht erwahnt 
wurde, n&mlich mit Telb. , in welchem grade dieselben Capi- 
tel fehlen, und nur, wenn die Synopsis bei Lafsb. correct ist, 
noch au&er ihnen cap. 144* *). Femer sind in U. im Ver- 



■) Zwischen L. 16* und 16'; 24" und 24*; 42« uud 42*'; in 48*; 
zwischen 49' und 49* . 

^) Dafs schon sehr frtthzeitig grade diese Capitel weggelassen wurden, er- 
giebt sich daraas, dafs auch bei Berger auTser Capitel L. 86. 87 folgende feh- 
len: 121. 182«. 148*. 144«. 155—168. Im Cod. Ambr. fehlen von den hier 
in Bede stehenden Capitehi 182« . 156. 157. 158. Die Capitel 155-158 fehlen 
in den meisten- der Ultesten Mas. 



72 

hfiltnifs zu Z. verkflrzt die capp. 119. 127. 137.') 153*. 154 
159. Diese Verkftrzungen betreffen Sfters unwichtige und ent- 
behrliche Sfitze oder Wendungen. Ob bei alien diesen Stel- 
len die vollere Form des Cod. Z. die altere ist, mag dahin 
gestellt bleiben, da nicht fiir s&mmtliche der Deutschsp. oder 
Sachsensp. entsprechende Stellen aufvireiBet. Es giebt aber 
eine Anzahl anderer Stellen, an denen U. kOrzer als Z. ist, 
imd in denen U. mit dem Deutschsp. stimmt, so dafs dem, 
was in Z. mehr als in U. steht, im Deutschsp. Nichts ent- 
spricht. Dafs hier der vollere Text Z. der ursprOngliche 
Schwabensp.-Text sei, ist nicht anzunehmen, da alsdann der 
Schreiber des Cod.U. mit steter Berdcksichtigung des Deutsch- 
spiegels dasjenige aus dem Schwabenspiegel-Text ausgeschie- 
den haben milTste, wof[kr er im Deutschspiegel keine Besta- 
tigung fand. Vielmehr kann man auch hier nur annehmen, 
dafs der dem Deutschsp. entsprechendere Text auch der ur- 
sprdnglichere sei. Es ergiebt sich daher, dafs in Z. ein 
vermehrter und erweiterter Lehnrechtstext vor- 
liegt. Solche Stellen sind nun: 

1) Anstatt cap. L. (Z) 96 hat U. 101, welches im Uebri- 
g^n L. (Z) 95 entspricht, nur am Schlufs die Zeilen: gelihen 
sazcunge ist feeder lehen noch sasscunge. toen man $%n gewer 
mit gewalt nimt. der foerluiset toeder lehen noch gewer. Der 
Deutschsp. 153, welcher nut L. (Z) 95* correspondirt, fflgt 
ebenfalls am Schlufs dieses Capitels hinzu: gelegen $atzunge. 
dan enist feeder lehen noch satzunge. Yergl. auch Sachsensp. 
Lehnr. 55 §. 8. 

2) Der mittlere Satz von L. (Z) 112* von „Aa* eAer 
der man gut^ bis incl. y^daz man tac darauf gegeben mac^ 
fehlt in U. 116. Deutschsp. 180. 

3) Der Satz a. E. von L. (Z) 126*: Sfoer fmb die phen- 
ninge furhaz kriege toaz phenninge er geben sal. der sehe an 
dai lantrechtbuoch u. s. f. fehlt aufser in den bei v. Lafsberg 
note 91 citirten Mss., wonmter der Cod. Bas.-Faesch, in U. 
129. Deutschsp. 213. 



') Der Anfang dieses Capitels, welches in Z. incorrect ist, ist in U. 137 
gleichlantend mit Deutschsp. 238. Of. v. Lafsberg note 98. 



73 

4) DerSchlofs von L. (Z)134^: dan lanirechibuoch seU 
tool u. 8. w. fehlt in U. 135. Deutschsp. 233. 

5) Der Schlufs von L. (Z) 142 : e» $ol och mit rehte nie- 
man furgebteten »e burcreht. wan der tartoartel, fehlt aufser 
in der bei LaCsb. note 100 citirten Codd. in U. 140. Deutach- 
spiegel 248. 

6) Der Schlufs von L. (Z) 145 : one di mac der kunic sin 
lehenrecht wol han swa er ml, fehlt in U.141. Deutschsp. 253. 

7) Ein Capitel endlich, welches so kurz ist, dais es hier 
ganz mitgetheUt werden kann, und welches klar veranschau- 
licht, um wie viel der Text in Z. vom Deutschsp. sich weii- 
ter entfemt als U., ist 146. Es lautet: 

Deutschsp. 254: Dee purchtor sullen off en sein. da der herre 
«6 purchrechte inne taidinget In besloMen wenden vnd on- 
der dache endarf nieman vrteil vinden. tmbe lehenrecht. 
U. 142 : Di burgetor suln alle»it offen stan. da ein icclich 
herre inne teidingen sal emme burclehenrechU inner besloz- 
ien wenden vnd vnder dache sal nieman vrthdl vinden vmme 
lehenrecht. 
L. (Z)146: Div burctor suln offen sten in stoelher burge 
da» ist. da ein iegelich herre umbe lehenrecht inne tei- 
dinget umb burclehen. In besloMen toenden vnd vnder 
dache. da sol niemen umb lehenrecht teidingen noch 
vrteil vinden. 

Ware an diesen Stellen ^) U. vereinzelt, so kdnnten viel- 
leicht doch noch trotz der gewichtigen Autorititt des Deutsch- 
spiegels Zweifel entstehen, ob U. dem Zeugnifs aller alten 
Handscbriften gegentlber den reinen Text erhalten babe. Nir- 
gends aber findet sich diese Isolirung von U., tlberall stehen 
ihm andere hdchst beachtenswerthe Handscbriften zur Seite, 



>) Ich abergehe zwei Stellen, in denen Z. erheblich kttrzer ist als 
U., da sich die Aasla«sung in Z. beide Male aus einem efioioraXavrov erkllirt. 
In L. Z. 100^ nttmlich hat U. hinter denWorten: daz schadet den fruowen nicht 
den Satz: toiri iz ime ouch verteilt vor Hnem herren mit Uhenrechte, daz scha- 
det den fruowen niht, und in LaTsb. 115' a. E. fehlt in Z. hinter den Worten: 
er sul eich des gutes undenoindenf Folgendes: ader sin bote der sin man si. da 
suln zwene siner manne hy dem boten sin, der herre sol daz guot beholden an 
nutz vnd an gelt jar vnde tak vnde zvihet der man niht daz gut zu sich von dem 
jare man verteilt im dran, so daz jar uz kumet. an alle ansprache, der herre sol 
sich des gutes vnderwinden. 



74 

bald der Cod. Ba8.-Faesch. , bald der Ambras., Einsiedl., 
Mtknchener, Heidelberg., ja sogar bisweilen der, sonst ziem> 
lich erweiterte God. Ebiier. Leider ist in der La&b. Aus- 
gabe im Lehnrecht der God. Telbang. in den Noten gar nicht 
berCkeksichtigt worden, so dais sich das Yerh&ltniis von U. 
und Telb. bier nicht naher feststellen l&Tst. 

G. Eintheilung und Rubriken. 

L Der Godex war, wie schon oben bemerkt, ursprCkng- 
lich weder in BClcher getheilt, noch waren die einzelnen Ga- 
pitel numerirt. Erst in spliterer Zeit wurde das Landrecht 
in drei Bflcher getheilt nnd neben jedes Gapitel die entspre- 
chende Zahl gesetzt. Aus diesem Grrunde ist die Einthei- 
lung in Bflcher, wie wir sie in der Handschrift finden, 
ohne Bedeutung, sowohl ftir die WClrdigung des Alters der 
Handschrift als auch ftir die ursprtlnglichen Abtheilungen des 
Schwabenspiegels. Merkwtbrdig ist es freilich, dafs das erste 
Buch mit L. 117, also grade an der Stelle schliefst, wo die 
umfassende und selbststftndige Yerarbeitung des Sachsenspie- 
gel im Deutschspiegel aufhort Das dritte Buch beginnt mit 
L. 236. Wahrscheinlich waren die Anfangsworte: „I>o got 
den men$chen geschuf^^ welche an die Yorrede, also den Be- 
ginn des ersten Buches, erinnem, der Grand, hier den An- 
fang eines neuen Buches anzunehmen. Aus der ursprQngli- 
chen Handschrift llUst sich eine Eintheilung zwar nicht er- 
kennen, auffallender Weise hat aber das cap. UI 38 (L. 274) 
eine mit Linien sch5n verzierte Initiale, w9.hrend aufser bei 
der Yorrede sonst solche Yerzierungen sich bei keiner Ini- 
tiale finden. Einen Grund hierftir anzugeben, bin ich aufser 
Stande; die Annahme, dafs an der bezeichneten Stelle ein 
anderer Schreiber die YoUendung der bis dahin gediehenen 
Handschrift tkbernommen hatte, ist unzul&ssig, da das Yor- 
hergehende und Nachfolgende von einer und derselben Hand 
vmd mit ganz der nUmlichen Dinte geschrieben ist. 

n. In der Gapiteleintheilung weichen bekanntlich 
die Handschriften ungemein yon einander ab, und es dtlrfte 
^uf dieselbe kein gro&es Gewicht zu legen sein, wenn nur in 



75 

verschiedenen Handschriften derselbe Text, obgleich verschie- 
den eingetheilt, vorhanden ist. Denn aus der Anzahl der Ca- 
pitel, welche der Text einer Schwabenspiegel-Handschrift ent- 
halt, kann man nie einen Schlufs auf die VoUst&ndigkeit Zie- 
hen, weil bald mehrere Capitel unter einer Bubrik zuBam- 
mengefafst, bald die Theile Eines Capitels unter mehrere 
Rubriken vertheilt werden. Dessenungeachtet ist die Fest- 
stellung der urBprOnglichen Eintheilung, als einer wesentli- 
chen, wenngleich formellen Eigenthtbnlichkeit der primitiven 
Textgestaltung von Wichtigkeit, aber bei der grofsen Ver- 
schiedenheit, die in dieser Beziehung, selbst unter den am 
nachsten verwandten Handschriften, herrscht, sehr schwierig. 
Der Deutschsp. , welcher auch hier den beaten Anhalt geben 
kann, ist leider nur in einer Handschrift bekannt, und es ist 
daher zweifelhaft, ob der Deutschsp. immer nur in derjeni- 
gen Eintheilung existirte, in der er uns erhalten ist. Die 
geringe Verbreitung indefs, die der Deutschsp. gefimden zu 
haben scheint, begriindet allerdings die Vermuthung, dafs sich 
sehr grofse Abweichungen weder im Text noch in der Ein- 
theilung entwickelt haben. Lnmerhin wird also die Linsbr. 
Handschrift des Deutschspiegels auch zur Feststellung der 
Capitel -Eintheilung des ursprttnglichen Schwabenspiegel-Tex- 
tes das wichtigste Htdfsmittel sein, und eine Schwabenspiegel- 
Handschrift, welche in der Eintheilung mit dem Deutschsp. 
ilbereinstimmt, wird die Vermuthung fiEb: sich haben, die ur- 
sprOngliche Schwabenspiegel- Eintheilung bewahrt zu haben. 
In dieser Beziehung zeichnet sich nun U. ganz besonders- zu 
seinen Gunsten aus, indem es bei den sehr zahlreichen Ab- 
weichungen zwischen U. einerseits und Z. und L. anderer- 
seits fast stets in der Eintheilung mit dem Deutschsp. stimmt. 
Ganz besonders tritt auch hier die Uebereinstimmung von U. 
und Telb. hervor. Zur Probe will ich eine Synopsis aller 
derjenigen Stellen aus dem ersten Theile des Schwabenspie- 
gels [in dem die Analogic des Deutschspiegels besonders her- 
vortritt] geben, an denen U. von Z. oder L. abweicht. 



76 



Dtschsp. 


U. 


1.2 
8 

4 


1 
2 
8 



8 

9 

10 

11 



28 



42 



48 



55 



7 
8 
9 

10 



22 



44 



51 



59 



Telb. 



1 
2 
8 



7 
8 
9 

10 



22 



44 



51 



59 



Lafsb. Dr. 



Dtschsp. 



U. 



Vorrede a-g 
Vorrede h 
1 



6 

7 



19 
20 



42 
48 



50 
51 



59 
60 



56 



60 
61 



fehlt 
62 



fehlt 



66. 67») 



87 



93 
94 



60 



65 
66 



67 
68 



71 
72 

73 



96 

97 



102 
103 



Telb. 



60 



65 
66 



67 
68 



71 

72 

78 



96 
97 



102 
103 



Lafsb. Dr. 



61 
62 
63 



le, 



68 



69 
70 « 

70* 



73 

74 
75 



98 



103 



') c. 67 hat im Deutschsp. keine besondere Rabrik nnd schoint zum vor- 
hergehenden Capitel zu gehoren. 



77 

Dais grade ftbr den ersten Theil die selbstst&ndige Vor- 
arbeit des Deutschspiegels auf die Capitel-Eintheilung und 
Bubricirung von besonderem Einflufs sein mobte, ist selbst- 
verst&ndlich, und es ist daher der Beachtung wohl werth, 
dafs bei den zaUreichen Abweichungen zwischen U.-Telb. 
und Z.-L. nur bei einer einzigen L. vom Deutschspiegel un- 
terstHtzt wird, indem Deutschspiegel 87, sowie L. 98 die 
beiden Capitel U. Telb. 96. 97 mnfaisi An alien tibrigen, 
abweichenden Stellen stimmt Deutschspiegel durchaus mit U. 

Telb.'). 

ni. Die Rubriken und das Register. Ficker 
a. a. O. S. 30 ff. hat es mit guten Grfinden wahrscheinUch 
gemacht, dafs die Rubriken des Deutschspiegels, wie sie sich 
in der Innsbr. Handschrift finden, dem ursprOnglichen Texte 
des Deutschspiegels nicht angehdrten, sondem aus einer 
Schwabenspiegel-Handschrift spMerhin von Abschreibem ein- 
getragen worden seien. Gleichviel nun, ob man dieser An- 
sicht beistimmt oder nicht, ob man demnach den Deutschsp. 
auch hinsichtlich der Rubriken &Lr die Quelle des Schwa- 
benspiegels h&lt oder hier dem Schwabenspiegel die Priorit&t 
zuerkennt, immerhin wtirde erne Schwabenspiegel-Handschrift 
von Interesse sein, welche die Rubriken ebenso enthielte, wie 
die Innsbr. Handschrift. Die LaTsberg. Handschrift stimmt 
zwar in den wenigen Capiteln, welche mit dem ersten Theil 
des Deutschspiegels conform sind, auch in den Rubriken mit 
ihm ziemlich tkberein, die Handschrift Z. aber, welche fibr 
den grdfsten Theil die Stelle von L. vertreten mufs, weicht so 
sehr von den Rubriken im Deutschspiegel ab, dais nur sehr 
wenige in beiden gleich sind, und dais die Yerschiedenheit 
weit „unverkennbarer^ ist, als die von Ficker S. 40 her- 
vorgehobene Verwandtschaft. In U. finden sich nun die Ru- 
briken doppelt, einmal fiber jedem Capitel in rother Farbe 
und das andere Mai am Schlufs der Handschrift als Register 
unter der Ueberschrift: 



*) Die UebereinstiminuDg zwischen U. und Telb. in der Capiteleintheilong 
zieht sich, mit sehr wenigen Aasnahmen, dnich den ganzen Schwabenspiegel 
hindorch. 



78 

[schwarz:] Functo Hbro sit laus et gloria XPO. Amen. Amen. 
[roth:] hy heben sich an die capiiula des buches. 

Hochst auffallend ist es nun, dafs die Ueberschriflen, 
welche tiber den einzelnen Capiteln stehen, sehr erheblich 
von den Bubriken des Verzeichnisses abweichen. Es kann 
nun aber keinem Zweifel unterliegen, dafs die Bubriken des 
Registers die eigentlich zur Handschrift gehorigen sind und 
ilberaU, wo sie von den Capiteliiberschriften abweichen, den 
Vorzug verdienen ^). Denn das Register ist ein ursprtingli- 
cher Theil der Handschrift, von derselben Hand und mit dei> 
selben Dinte geschrieben, wie der vorausgehende Text. Am 
Ende desselbeii steht: Finis adest operis mercedem posco la- 
baris ^). Es kennt weder Capitelzahlung noch Eintheilung in 
Btlcher. Ftlr die Rubriken fiber den Gi^tehi hingegen ist 
ursprdnglich nor leerer Raum gelassen und, wenigstens im 
Anfang, die Ueberschrift mit kleiner Schrift an den Rand 
vermerkt. Erst nachtr&glich hat der Rnbricator sie ausge-- 
geftkllt. Theils gebot diesem nun die Riicksicht auf den Raum 
der bald zu grols, bald zu eng war, yerS,nderungen in den 
Rubriken vorzunehmen, theils scheint er die Ueberschriflen 
aus einem Codex nachgetragen zu haben, der mit der Vor- 
lage des Cod. U. nicht tkbereinstimmte. Daher erkl&rt es sich, 
dafs die roth geschriebene Rubrik von der an den Rand ge- 
schriebenen Ueberschrift ofters abweicht, wahrend diese mit 
der im Register enthaltenen tlbereinstimmt. In Hinsicht auf die 
Rubriken kann daher nur das Register in Betracht kommen. 

Dieses zeigt nun eine nahezu vollkommene Ueberein- 
stimmung mit den Rubriken des Deutschspiegels in der Innsbr. 
Handschrift und unterscheidet sich von letzteren hauptsach- 
lich nur dadurch, dafs es auch bei manchen Capiteln Rubri- 



') Ich will von den sehr zahlreichen Abweichongen nor eine erw&hnen, 
welche an sich zwar unbedeutend scheinend, dennoch sehr charakteristisch ist. 
Bei dem Capitel L. Z. 64 [U. 61] lautet die Rubrik im Register: vher phleger, 
ganz wie im Deutschsp. 67. Ueber dem Capitel aber steht, sowie in Z., die 
auf dem verderbten Text berubende, unrichtige Rubrik: von vberphlegem. Vergl. 
Ficker a. a. O. p. 40. 41. 

') Dieselben Schlufszeilen euth&lt der Cod. Bern. 



79 

ken hat, die im Deutschspiegel unrubricirt sind. Eine Mit- 
theilung dieses Registers, welches fikr die Gestalt des ur- 
sprfinglichen Schwabenspiegel-Textes von Werth sein dOrfte, 
w&:de zu umfangreich sein und ist ftkr den ersten Theil bei 
der grofsen Gleichheit mit den Bnbriken des Deutschspie- 
gels nicht ndthig *). 

Auch tOr den Text des Deutschspiegels ist dieses Re* 
gister nicht ohne Bedeutung, und ein Irrthum im Deutsch- 
spiegel, der sich vermittelst des Registers aufdecken l&fst, be- 
statigt auf das VoUsttodigste die Vermuthung Fickers, das 
die Rubriken erst nachtrS.glich aus einer Schwabenspiegel- 
Handschrift in den Deutschspiegel eingetragen worden seien. 
Die Ueberschrift von Deutschsp. 48 namlich, welche far die- 
ses Capitel durchaus nicht pafst, und fiir welche im Cod. U. 
sowohl fiber cap. 51 als im Register gleichmafsig die bessere 
steht: da ein matt ader tvitttoe clait vber vortnunden, gehort 
U. zufolge zum ersten Satz des folgenden cap. 49, und die 
uber Deutschsp. cap. 49 befindliche Rubrik gehort nur zu 
dem zweiten und dritten Satz dieses Capitels. 



Der Hauptzweck dieser Abhandlung war der, auf die 
Ubersche Handschrift aufinerksam zu machen, und ich hoffe, 
den Nachweis geftihrt zu haben, dafs sie zu den beachtens- 
werthesten aller Schwbspiegel-Handschriften gehort. Femer 
hat aber die genaue Vergleichung mit den verwandten Hand- 
schrifben erwiesen, dafs die bisher angenommene sehr nahe 
Verwandtschaft zwischen L. und Z. in der That gar nicht 
vorhanden ist. Z. ist zwar voUstandiger, hat aber im Fin- 
zelnen einen minder guten Text als L. und gehort zu einer 
andem, wenn auch nahestehenden Handschriften-Familie. 

Dagegen steUen sich als Handschriften, welche mit ein- 
ander so sehr tibereinstimmen, dafs sie auf eine, alien gemein- 



') Schon aus der oben gegebenen Synopsis ergiebt sich, dafs sich in U. 
anch fUr solche rnbricirte Capitel des Deutschsp. entsprechende Ueberschriften 
finden, welche im Cod. L. und andem Handschriften keine besonderen Capitel 
bilden, wie Deutschsp. 8. 9. 10. 61. 94. 



80 

same naheliegende Quelle hinweisen, und welche sich zugleich 
durch ihre grofse Uebereinstimmung mit dem Deutschspiegel 
vor alien Hbrigen auszeichnen, heraus : der Cod. Lafsb. , Tel- 
banger, Uber und der Cod. Bern ; wahrscheinlich gehort hier- 
her auch Cod. Sangall. No. 726 (Horn. 208. Lafsb. 38), in 
welchem sich die dem Cod. Bern zu Grunde liegende deut- 
sche Recension erhalten zu haben scheint '). 



') Nach Homeyer: Dentsche Rechtsbttclier etc. S. 52. 53 liegt auch der 
ftltem bohmischen Uebersetzung des Scbwabenspiegels eine dem Cod. Telbang. 
am meisten entsprechende Recension zu Gnmde. 

Der Cod. Bas.-Faesch. zeigt schon so bedeatende Abweichongen , dafs er 
nicht mehr in dieselbe Gmppe gesetzt werden kann, und der Cod. Ebner, den 
man gewdhnlich auch unter den nahen Verwandtcn von L. au&&hlt; ist von 
demselben in jeder Beziehnng noch weiter entfemt als der Cod. Z. 



Qedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Stallschreiberstr. 47.